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Bolivien

Arme Gemeinden im Hochland erhalten sauberes Trinkwasser und verbessern ihre Hygienesituation

Rund 30 Prozent der ländlichen Bevölkerung Boliviens haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Haushaltswasser wird aus Gräben und Flüssen bezogen, an denen auch Vieh getränkt und Wäsche gewaschen werden. Das begünstigt die Verbreitung von Krankheiten, jährlich sterben in Bolivien 30.000 Kinder an Durchfall. Mit dem vorliegenden Projekt erhalten 20 Gemeinden Wasserversorgungsanlagen. Zu deren Bewirtschaftung werden Wasserkomitees gegründet und ausgebildet. Workshops sensibilisieren die Bevölkerung zu Hygiene, Sauberkeit und Umweltschutz, und Anleitungen zum Bau von Latrinen verbessern die Hygienesituation in der ganzen Gemeinde. 

 

Land/Region/Ort:
Bolivien, Bezirke Sapahaqui und Patacamaya


Zielgruppe:
1'204 Familien bzw. rund 5'400 Personen in 20 Gemeinden der zwei Bezirke Patacamaya und Sapahaqui, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben


Mittelbedarf:
CHF 1.2 Mio.


Projektdauer:
01.01.2017 - 31.12.2019


Projekt-Nummer:
p170009


Projektziel:
Durch den verbesserten Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen leistet das Projekt einen Beitrag zur Gesundheit und der Lebensqualität der armen und marginalisierten Bevölkerung in 20 Gemeinden


Projektverantwortliche/r:
Esther Belliger, Tel: 041 419 24 41; E‑Mail: ebelliger@caritas.ch


Abteilung:
Afrika/Lateinamerika

 
 

Worum geht es?

Trotz der grossen Anstrengungen der bolivianischen Regierung zur Verringerung der Armut leben nach wie vor knapp 40 Prozent der bolivianischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Damit gehört Bolivien zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas. Das Andenland ist auch durch eine sehr ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung gekennzeichnet, welche unter anderem auf ein ausgeprägtes Stadt-Land-Gefälle und auf ethnisch begründete Diskriminierungen zurückzuführen ist. Im Index für menschliche Entwicklung der Uno lag das Land 2015 auf dem 119. Rang von 188 untersuchten Ländern.

Die grossen Ungleichheiten in der bolivianischen Bevölkerung kommen zum Beispiel im Zugang zu Trinkwasser zum Ausdruck: Während 96 Prozent der städtischen Bevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, beträgt dieser Anteil in ländlichen Gegenden lediglich 70 Prozent.

Im Projektgebiet, den beiden Bezirken Sapahaqui und Patacamaya im Departement La Paz, lebt die grosse Mehrheit der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Die meisten Menschen sind Subsistenzbauern und -bäuerinnen und leben von der Land- und Viehwirtschaft. Die Grundbedürfnisse der Bevölkerung sind nicht gedeckt und es mangelt an technischer Unterstützung im Landwirtschaftsbereich sowie an entsprechenden Gesetzesgrundlagen und Entwicklungsprogrammen.

In den beiden Bezirken verfügt nur knapp ein Viertel der Gemeinden über ein Trinkwassersystem mit Hausanschlüssen. Die übrigen Gemeinden beziehen ihr Wasser aus Bewässerungsgräben und Flüssen. Dieselben Stellen, an denen die Haushalte Trinkwasser beziehen, dienen auch den Tieren als Trinkstellen und werden für das Wäschewaschen benutzt.

Der Konsum von verschmutztem Wasser, fehlende sanitäre Einrichtungen und mangelnde Hygiene begünstigen die Verbreitung von Krankheiten wie zum Beispiel chronische Magen- und Darmerkrankungen, Amöben, Salmo-nellen oder Hepatitis A. Namentlich Kinder sind sehr anfällig für Magen- und Darmerkrankungen: Laut dem Kinderhilfswerk UNICEF sterben in Bolivien jährlich 30‘000 Kinder an Durchfall aufgrund von fehlendem Zugang zu sauberem Trinkwasser und falschen Hygienegewohnheiten. In der Projektregion erkranken etwa 70 Prozent der Kinder unter sieben Jahren an Durchfall, während es bei erwachsenen Menschen etwa 40-50 Prozent sind. 

 

Was tun wir?

Unsere Partnerorganisation für dieses Projekt, die regionale Caritas Corocoro, ist seit zwölf Jahren in der Region präsent und verfügt über langjährige Erfahrung im Bau von Trinkwasseranlagen und in der Gemeindeentwicklung. Caritas Schweiz arbeitet seit gut drei Jahren mit Caritas Corocoro zusammen und hat während dieser Zeit mit diesem Partner bereits ein Trinkwasserprojekt erfolgreich umgesetzt. Mit dem hier beschriebenen Vorhaben ermöglicht Caritas Corocoro 1‘204 Familien bzw. rund 5‘400 Personen in 20 Gemeinden der Bezirke Sapahaqui und Patacamaya den Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen und vermittelt ihnen grundlegende Hygienekenntnisse. Ziel des Projektes ist es, einen Beitrag zur Verbesserung der Gesundheit und der Lebensqualität der lokalen Bevölkerung zu leisten.

Um den Menschen den Zugang zu sauberem Trinkwasser in ausreichender Menge zu ermöglichen, werden in den 20 Gemeinden Wasserversorgungsanlagen gebaut. Je nach den lokalen Verhältnissen handelt es sich dabei entweder um sogenannte Gravitationssysteme oder um Anlagen mit Pumpstationen. Bei den Gravitationssystemen wird das Wasser auf einer Anhöhe gefasst und über Rohrleitungen und Zwischenreservoire in ein geschütztes Wasserreservoir geleitet, von wo es über ein Leitungssystem zu den einzelnen Hausanschlüssen gelangt. Bei den Pumpsystemen muss zuerst ein Brunnen gebohrt und das Grundwasser mit einer Unterwasserpumpe in einen Hochtank gepumpt werden. Von dort gelangt es dann ebenfalls zu den einzelnen Haushalten.

Das Projekt stellt jedoch den Gemeinden nicht einfach eine Trinkwasseranlage zur Verfügung. Es gewährleistet auch mittels Sensibilisierungs- und Schulungsmassnahmen, dass die Einrichtungen professionell betrieben und unterhalten werden und somit langfristig weiterbestehen und ihren Zweck erfüllen können. Dafür werden sogenannte Wasserkomitees geschaffen. Deren von der Bevölkerung gewählte Mitglieder werden vom Projekt zu unterschiedlichen Themen sowohl im technischen Bereich (Betrieb, Unterhalt und Reparatur der Anlagen) wie auch im Bereich Organisation und Management geschult. Ein wichtiger Aspekt für das nachhaltige Funktionieren der Anlagen sind die verbrauchsabhängigen Gebühren, welche die Familien für den Wasserkonsum bezahlen müssen. Diese werden von den Wasserkomitees einkassiert und für die Instandhaltung der Installationen und allfällige Reparaturarbeiten verwendet. Im Übrigen müssen sich die Gemeinden auch mit einem Beitrag von 10 – 15 Prozent an der Finanzierung der Infrastruktur beteiligen und Arbeitskräfte für deren Bau zur Verfügung stellen.

Um die Hygienesituation in den Familien und in der ganzen Gemeinde zu verbessern, werden die Gemeindemitglieder von Mitarbeitenden des Projekts dazu animiert und angeleitet, Familienlatrinen zu bauen. Sind diese einmal erstellt, unterstützen die Mitglieder der Wasserkomitees die Familien bei deren Nutzung und Wartung. Das Projektteam begleitet zudem auch die beteiligten Schulen bei der Wiederinstandsetzung und beim eigenständigen Bau von Latrinen.

Zusätzlich bietet das Projekt den Familien Workshops zu verschiedenen Themen in den Bereichen Hygiene, Sauberkeit und Umweltschutz an. So werden beispielsweise Kurse zur Bedeutung des Händewaschens, zu Methoden der Wasserdesinfektion, Sauberkeit im Haus oder Hygiene und Gesundheit organisiert. Diese Kurse werden auch in den Schulen durchgeführt, damit die für neue Botschaften empfänglichen Kinder und Jugendlichen die erworbenen Kenntnisse und eingeübten Verhaltensweisen in ihre Familien hineintragen können. In regelmässigen Abständen werden in den Gemeinden und Schulen zudem auch Umwelt- und Reinigungskampagnen durchgeführt.

 

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