Bolivien

Ländliche Gemeinden erhalten sauberes Trinkwasser und schützen ihre Wasserressourcen

Rund 30 Prozent der ländlichen Bevölkerung Boliviens haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Haushaltswasser wird aus Gräben und Flüssen bezogen, an denen auch Vieh getränkt und Wäsche gewaschen werden. Das begünstigt die Verbreitung von Krankheiten. Ausserdem versiegen Wasserquellen zunehmend und der Klimwandel verschärft die Wasserknappheit. Die Caritas hilft Dorfgemeinschaften dabei, eine den lokalen Verhältnissen angepasste Trinkwasserinfrastruktur und Toiletten zu bauen und nachhaltig zu bewirtschaften.

 

Land / Region / Ort
Bolivien, Departement La Paz: Gemeinden Luribay, Sapahaqui, Inquisivi, Coroico, Caranavi, Chuma und Moco Moco


Zielgruppe
1800 Familien (8500 Personen) in 32 Dörfern, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben


Mittelbedarf
778 626 Schweizer Franken


Projektdauer
01.02.2020 bis 31.01.2021


Projekt-Nummer
P200009


Projektziel
Mit der Unterstützung von institutionell gestärkten Gemeindeverwaltungen betreiben Dorfgemeinschaften in Eigenverantwortung ihre Trinkwassersysteme, Siedlungshygiene und managen ihre Wasserquellen nachhaltig.


Projektverantwortliche
Anja Ibkendanz, Tel: 041 419 22 44, aibkendanznot shown@caritasto make life hard for spam bots.ch

 
 

Worum geht es?

Trotz einer entwicklungsorientierten Politik und einem stetigen Wirtschaftswachstum in den letzten Jahren zählt Bolivien mit einer Armutsquote von 35% (2018) nach wie vor zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas. Zudem ist die bolivianische Gesellschaft immer noch durch grosse Ungleichheit zwischen Stadt und Land, Hoch- und Tiefebene und ethnischen Gruppen geprägt.

Bei der Umsetzung der politischen Ziele der Regierung ist die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit in den letzten Jahren gewachsen. Der Handlungsspielraum der Opposition, der Zivilgesellschaft und der Presse wurde durch die Konzentration der Macht auf Evo Morales und seine Partei eingeschränkt. Überdies sind die staatlichen Institutionen immer noch schwach und bürokratisch, und die Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten in der Staatsverwaltung ändern sich häufig.

Seit dem Inkrafttreten einer neuen Verfassung im Jahr 2009 arbeitet Bolivien erfolgreich am landesweiten Ausbau der Wasserversorgung. Allerdings besteht nach wie vor ein beträchtlicher Unterschied zwischen städtischen und ländlichen Gebieten: Haben in den Städten heute 9 von 10 Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser, sind es unter der ländlichen Bevölkerung nur rund zwei Drittel. Im ländlich geprägten Projektgebiet im Departement La Paz verfügen nur 64% der Menschen über sauberes Trinkwasser und knapp 40% haben Zugang zu sanitären Einrichtungen.

In den ländlichen Gebieten des Hochlandes und den sub- und interandinen Tälern sind die Lebensbedingungen sehr schwierig. Die Mehrheit der Bevölkerung leidet an Krankheiten, die mit dem Mangel an sauberem Trinkwasser, dem Genuss von verschmutztem Wasser, dem Fehlen von grundlegenden sanitären Anlagen und mangelnder Hygiene zu tun haben.

In diesen Zonen hat auch die Verfügbarkeit von Wasser abgenommen. Abholzung von Wäldern und die damit einhergehende Erosion, Überweidung und unangepasste landwirtschaftliche Praktiken haben dazu geführt, dass viele Quellen bereits ganz oder beinahe versiegt sind. Darüber hinaus wird die Wasserknappheit durch den Klimawandel verschärft: Abnehmende Niederschläge und der Rückgang der Gletscher bewirken eine Verknappung des Wassers für den Konsum und die Landwirtschaft. Fehlendes Management der Quellen und anderer Wasserressourcen tragen dazu bei, dass der Druck auf das Grundwasser weiter zunimmt.

Der 2007 verabschiedete Nationale Plan zum Management von Wassereinzugsgebieten hat die Erwartungen bisher nicht erfüllt. Seine Umsetzung auf regionaler und kommunaler Ebene ist nur sehr punktuell geblieben. Zahlreichen Gemeinden mangelt es am Bewusstsein oder Willen, sich über die Gemeindegrenzen hinweg – auf Wassereinzugsgebietsebene – zu organisieren. Zudem fehlt es oft an geeigneten Massnahmen zum Quellschutz und zur rationalen Wassernutzung sowie an finanziellen Mitteln. Viele Massnahmen blieben auch deshalb ohne Wirkung, weil der Staat die notwendige Sensibilisierungsarbeit unterliess und nicht partizipativ vorging.

 

Was tun wir?

Bei diesem Projekt handelt es sich um die Erweiterung von drei Wasserprojekten, die Caritas Schweiz in den vergangenen sechs Jahren in fünf Gemeinden umgesetzt hat. Es kommt insgesamt 1’800 Familien bzw. 8’500 Personen in 32 Dörfern der sieben Gemeinden Luribay, Sapahaqui, Inquisivi, Coroico, Caranavi, Chuma und Moco Moco im Departement La Paz zugute. Diese Haushalte haben gegenwärtig noch keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Das Projekt unterstützt die Dorfgemeinschaften dabei, eine den lokalen Verhältnissen angepasste Trinkwasserinfrastruktur und von den Familien selbst errichtete Toiletten zu bauen. Ausserdem wird in jedem Dorf ein Wasserkomitee gebildet, das für den Unterhalt und die Reparatur der Anlagen zuständig ist, und allen Familien werden grundlegende Hygienekenntnisse vermittelt. Ziel des Projekts ist es, dass die Dorfgemeinschaften mit der Unterstützung von institutionell gestärkten Gemeindeverwaltungen ihre Trinkwassersysteme und Siedlungshygiene nachhaltig und in Eigenverantwortung betreiben und Wasserquellen schützen.

Für die Umsetzung des Projekts sind drei Partnerorganisationen zuständig: Caritas Coroico, Caritas Corocoro und Caritas El Alto. Alle drei Organisationen haben jahrelange Erfahrung, sei es im Bereich Trinkwasser und Siedlungshygiene oder in jenem des Managements von Wassereinzugsgebieten.

Ein wichtiges Kriterium für die Auswahl der Gemeinden war deren Bereitschaft, alle Bauvorhaben in ihre operativen Jahrespläne aufzunehmen und mit einem gewissen Beitrag mitzufinanzieren. Bei der Errichtung der Trinkwasseranlagen in den Dörfern helfen die Mitglieder der Dorfgemeinschaft mit ihrer Arbeitskraft und der Bereitstellung von lokalen Materialien wie Steinen, Kies oder Sand aktiv mit.

Die in allen beteiligten Dörfern aufgebauten Wasserkomitees werden in technischen und administrativen Belangen ausgebildet, damit sie die Wasserversorgungsanlagen fachgerecht betreiben und unterhalten können. Sie sind auch für das Einkassieren und Verwalten der verbrauchsabhängigen Wassergebühren verantwortlich. Diese werden für die Deckung der Unterhalts- und Reparaturkosten verwendet und sind daher eine wichtige Voraussetzung für das nachhaltige Funktionieren der Anlagen. Die Erfahrung aus den Vorgängerprojekten zeigt, dass die spezifische Stärkung der Frauen, auch in den Wasserkomitees, massgeblich zu einer erfolgreichen Umsetzung beiträgt.

Ein weiteres wichtiges Element zur Sicherstellung der Nachhaltigkeit ist der Aufbau eines Dienstes für Umwelt und Siedlungshygiene in jeder der sieben beteiligten Gemeindeverwaltungen. Das Projektteam unterstützt und berät die Gemeinden bei der Schaffung dieser Dienststelle, bei der Ausarbeitung ihres Pflichtenhefts und der Aus- und Weiterbildung des betreffenden Personals (1 – 2 Personen). Hauptaufgabe der Dienste ist die Begleitung, Beratung und Supervision der Wasserkomitees in den Dörfern bei deren Arbeit im Bereich des Unterhalts der Wasseranlagen und des Quellenschutzes, insbesondere nach Ablauf des Projekts.

Im Hinblick auf die Wasserverfügbarkeit und den zunehmenden Druck aufgrund des Klimawandels, sind die Pflege und der Schutz der Wasserquellen als neue Aspekte Teil dieses Projekts. Zu diesem Zweck ist vorgesehen, dass jedes Dorf einen Aktionsplan zum Schutz der Wasserquellen und zur Nutzung des Wassers ausarbeitet. Dies geschieht unter der Leitung der Wasserkomitees und in Koordination mit der Gemeindeverwaltung. Der Plan enthält einen Massnahmenkatalog zu Schutz, Bewirtschaftung und Unterhalt der Quellen, eine Definition der Rollen und Verantwortlichkeiten sowie eine Aufstellung der für seine Umsetzung benötigten Mittel.

 

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