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Kolumbien

Neue Perspektiven für gefährdete Jugendliche

Der fünfzig Jahre dauernde Konflikt vertrieb in Kolumbien mehr als sechs Millionen Menschen. Vor allem die Städte Bogotá und Soacha wurden für viele zum Zufluchtsort. Fehlende Perspektiven und Armut führen dort zu einer Spirale aus Gewalt, Drogen und Kriminalität, in die insbesondere Jugendliche geraten. In den besonders gefährdeten Stadtteilen will das Projekt die Lebensbedingungen für Jugendliche und junge Erwachsene verbessern. Offene Jugendarbeit und Anlaufstellen für die jungen Menschen wirken präventiv, angeboten werden weiter psychosoziale Betreuungen, Berufsberatungen und Massnahmen, die den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern.

 

Land/Region/Ort:
Kolumbien, Stadtteile von Bogotá (Department Bogotá) und Soacha (Department Cundinamarca)


Zielgruppe:
981 vulnerable Jugendliche und junge Erwachsene aus marginalisierten Stadtteilen von Bogotá und Soacha


Mittelbedarf:
CHF 540'512


Projektdauer:
01.01.2017 bis 31.12.2018


Projektnummer:
P160069


Projektziel:
Vulnerable, Intern vertriebene Jugendliche und junge Erwachsene in den marginalisierten Stadtteilen von Bogotá und Soacha sind sozial und wirtschaftlich in ihren Gemeinden integriert. Dadurch werden ihre Lebensverhältnisse verbessert und ihr Anschluss an kriminelle Banden und bewaffnete Gruppen erschwert.


Projektverantwortliche:
Janne Christ, Tel: 041 419 22 55, jchristto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung:
Afrika / Lateinamerika

 
 

Worum geht es?

In über fünfzig Jahren des bewaffneten internen Konflikts war Kolumbien dem Frieden noch nie so nahe wie 2016. Nach vierjährigen Friedensverhandlungen zwischen Präsident Juan Manuel Santos und der grössten Guerillagruppe des Landes, FARC, war Mitte des Jahres die Hoffnung auf einen Frieden greifbar nahe. Jedoch lehnte die kolumbianische Bevölkerung das Friedensabkommen zwischen den beiden Parteien in einem Referendum Anfang Oktober 2016 überraschend ab. Die Umsetzung des geplanten Friedensprozesses war damit vorerst blockiert und das Abkommen musste überarbeitet werden. Die neue Version wurde nun am 24. November 2016 von beiden Seiten unterzeichnet und wird voraussichtlich im Dezember 2016 vom Kongress verabschiedet. Kolumbien befindet sich aktuell in einem Schwebezustand und die schwierigen Verhandlungen zeigen, dass Friede ein langwieriger Prozess ist, welcher ganzheitliche Lösungen und die Partizipation aller Sektoren der Gesellschaft erfordert. Auch nach der Unterzeichnung wird es noch Jahre dauern die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Folgen, die der Konflikt für die kolumbianische Bevölkerung mit sich brachte, zu beseitigen und die Strukturen des Landes neu aufzubauen.

Opfer der bewaffneten Auseinandersetzungen sind insbesondere die zahlreichen intern vertriebenen Personen, die sich häufig in den grossen Städten des Landes niedergelassen haben. Dies in der Hoffnung, der Gewalt zu entfliehen und die eigenen Lebensverhältnisse zu verbessern. Offizielle Zahlen sprechen von ca. 6 Millionen Kolumbianern, die seit Beginn des Konflikts vertrieben wurden. Insbesondere die Hauptstadt Bogotá und die unmittelbar südlich angrenzende Stadt Soacha im Department Cundinamarca wurden zum Zufluchtsort für eine grosse Zahl Intern Vertriebener aus unterschiedlichen Landesteilen Kolumbiens. In Bogotá zählt Ciudad Bolivar zu einem der Stadtteile, die eine besonders hohe Anzahl an Intern Vertriebenen aufgenommen haben: Die Einwohnerzahl des Stadtteils stieg in den vergangenen Jahrzehnten rapide an. Heute leben hier etwa 715‘000 Einwohner, von denen etwa 70 Prozent als Intern Vertriebene gelten. In der Stadt Soacha leben laut Informationen des statistischen Bundesamts von Kolumbien ca. 500‘000 Einwohner. Inoffizielle Statistiken gehen jedoch von der doppelten Anzahl Einwohnern aus. Beinahe acht von zehn Bewohnern Soachas sind nicht in der Stadt geboren.

Oft sehen sich die Vertriebenen in ihren Zufluchtsorten mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Die Stadtteile in denen sie sich niederlassen, sind meist geprägt von Armut, Gewalt und Arbeitslosigkeit. Während staatliche Institutionen nur unzureichend Präsenz zeigen, werden die Stadtteile von verschiedenen bewaffneten Akteuren und kriminellen Banden kontrolliert, die sich die Gebiete als strategisch wichtige Zone für den Waffen- und Drogenhandel untereinander streitig machen. Die Kriminalitäts- und Gewaltrate in den beiden Gebieten ist überdurchschnittlich hoch. Kriminelle Jugendbanden spielen dabei eine wichtige Rolle. Häufig werden diese von bewaffneten Akteuren kontrolliert. Damit einher geht ein hoher Grad an Verunsicherung in der Bevölkerung.

Die schwierigen Lebensbedingungen führen dazu, dass insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene ihren einzigen Ausweg darin sehen, sich bewaffneten oder kriminellen Banden anzuschliessen. Sie erhoffen sich dadurch wirtschaftliche Sicherheit und das Erlangen sozialer Anerkennung. Die Jugendlichen werden als Drogenschmuggler, Botschafter oder gar als Auftragsmörder eingesetzt. Mädchen werden sexuell ausgebeutet oder müssen als Prostituierte arbeiten. Die Gewalt gegenüber Jugendlichen in den beiden Gebieten ist enorm. Allein im ersten Halbjahr 2015 wurden im Stadtteil Ciudad Bolivar 125 Jugendliche getötet.

Gemeinsam mit drei lokalen Partnern führt Caritas Schweiz unterschiedliche Massnahmen durch, durch welche sich die Lebensumstände Jugendlicher und junger Erwachsener in Bogotá und Soacha verbessern sollen. Das Risiko der Kriminalität soll minimiert werden, um ihnen ein Leben in Würde zu ermöglichen.

 

Was tun wir?

Das vorliegende Projekt hat das Ziel, die Lebensbedingungen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in marginalisierten Stadtteilen Bogotás und Soachas zu verbessern. Das Projekt richtet sich dabei an Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren sowie junge Erwachsenen im Alter zwischen 19 und 25, die in den vergangenen fünf Jahren als Intern Vertriebene nach Bogotá und Soacha gekommen sind und heute in den Stadtteilen Ciudad Bolivar (Bogotá) und Comuna 6 (Soacha) leben. Insgesamt werden etwa 980 Jugendliche und junge Erwachsene von den Projektaktivitäten profitieren.

Ziel von Caritas und den lokalen Partnerorganisationen ist es zur Integration von Jugendlichen zwischen 15 und 18 beizutragen. Zentral ist hierbei, die Arbeit an die Interessen und Bedürfnisse der jungen Menschen anzuknüpfen, damit diese die Möglichkeit erhalten sie beeinflussen und mitgestalten zu können. Die Jugendlichen sollen so zur Selbstbestimmung befähigt und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung sowie sozialem Engagement angeregt werden. Die Jugendlichen erhalten die Möglichkeit in ihrer Freizeit spezifische Anlaufstellen aufzusuchen und im Rahmen offener Jugendarbeit werden sie in ihrem Alltag eng begleitet. Diese Arbeit hat einen präventiven Charakter, indem sie Sucht, Gewalt, Delinquenz, Kriminalität und (psychischen) Krankheiten vorbeugt.

Das Projekt beinhaltet zudem eine psychosoziale Komponente, im Rahmen derer jene Jugendliche, die besonderen psychischen Belastungen ausgesetzt waren oder noch immer sind, individuell durch geschultes Personal begleitet werden. Die Betreuung reicht von Gruppensitzungen hin zu Einzelgesprächen und im Zweifelsfall einer Weitervermittlung zu Spezialisten. Hierbei werden die Familien teilweise einbezogen, jedoch wird jeder Fall individuell entschieden.

Um Jugendliche als Akteure der Zivilgesellschaft zu mobilisieren, werden sie über ihre Rechte als kolumbianische Bürgerinnen und Bürger und Leidtragende des bewaffneten Konflikts, aber auch über ihre Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung aufgeklärt. Um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen, werden zudem Jugendorganisationen gestärkt, die sich auch nach Beendigung des Projekts für die Anliegen und Bedürfnisse der Jugendlichen in Ciudad Bolivar und Soacha einsetzen.

Eine weitere Projektkomponente richtet sich primär an junge Erwachsene zwischen 19 und 25 Jahren. Da sie in einem prekären Umfeld wie Soacha und Ciudad Bolivar leben, sehen sie häufig im Drogengeschäft, dem Anschluss an kriminelle Banden oder bewaffnete Gruppen ihre einzige Chance, sich ein gewisses gesellschaftliches Ansehen und etwas Wohlstand zu verschaffen. Durch Massnahmen, die den Zugang junger Erwachsener zum Arbeitsmarkt fördern, zeigen die Partnerorganisationen in Zusammenarbeit mit Caritas den jungen Menschen alternative Perspektiven auf.

Die jungen Erwachsenen werden darin unterstützt sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren, beispielsweise durch das Angebot einer auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittenen Berufsberatung. Durch das Erlernen praktikscher Fähigkeiten sollen sich zudem ihre Chancen für die Qualifizierung auf dem Arbeitsmarkt erhöhen. Hierzu zählen Angebote aus der non-formalen und formalen Bildung. So werden Stipendien vergeben, die ein Studium an der Universität und einen akademischen Werdegang ermöglichen, hinzu kommen diverse Fortbildungsmassnahmen sowie materielle Hilfe für den Aufbau einer selbständigen Tätigkeit. Ziel dieser Massnahmen ist es, den Anreiz einer kriminellen Laufbahn und das Risiko der Rekrutierung einzelner Personen durch gewalttätige Banden zu minimieren.

 

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