Kolumbien

Neue Perspektiven für gefährdete Jugendliche

Der fünfzig Jahre dauernde Konflikt vertrieb in Kolumbien mehr als sechs Millionen Menschen. Vor allem die Städte Bogotá und Soacha wurden für viele zum Zufluchtsort. Fehlende Perspektiven und Armut führen dort zu einer Spirale aus Gewalt, Drogen und Kriminalität, in die insbesondere Jugendliche geraten. In den besonders gefährdeten Stadtteilen will das Projekt die Lebensbedingungen für Jugendliche und junge Erwachsene verbessern. Offene Jugendarbeit und Anlaufstellen für die jungen Menschen wirken präventiv, angeboten werden weiter psychosoziale Betreuungen, Berufsberatungen und Massnahmen, die den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern.

 

Land / Region / Ort
Kolumbien, Stadtteile von Bogotá (Department Bogotá) und Soacha (Department Cundinamarca)


Zielgruppe
650 direkte und 1’745 indirekte Begünstigte aus marginalisierten Stadtteilen von Bogotá und Soacha 


Mittelbedarf
455‘621 Schweizer Franken


Projektdauer
01.01.2019 bis 31.12.2020


Projektnummer
P190006


Projektziel
Vulnerable, intern vertriebene Jugendliche und junge Erwachsene in den marginalisierten Stadtteilen von Bogotá und Soacha sind sozial und wirtschaftlich in ihren Gemeinden integriert. Dadurch werden ihre Lebensverhältnisse verbessert und ihr Anschluss an kriminelle Gruppen erschwert.


Projektverantwortliche
Janne Christ, Tel: 041 419 22 55, jchristnot shown@caritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung
Afrika / Lateinamerika

 
 

Worum geht es?

In Kolumbien wurde Ende 2016 ein wegweisendes Friedensabkommen zwischen der Regierung und den FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) unterzeichnet. Mit der Inkraftsetzung des Abkommens herrscht erstmals seit über 50 Jahren Frieden im Land. Neben den Konfliktparteien muss auch die kolumbianische Gesellschaft ihre Motivation und Bereitschaft für ein friedliches Zusammenleben zeigen. Für den Aufbau und die Festigung eines dauerhaften Friedens ist es unabdingbar, alle Gruppen einzubeziehen, damit schlussendlich eine Versöhnung gelingt. Nach jahrelangen, gewalttätigen Auseinandersetzungen ist die kolumbianische Gesellschaft jedoch tief gespalten und steht dem Friedensvertrag misstrauisch gegenüber. Seine Umsetzung verzögert sich, die Menschenrechtslage ist alarmierend und Vertreibungen sind noch immer an der Tagesordnung. 

Opfer der bewaffneten Auseinandersetzungen der letzten Jahre sind insbesondere die zahlreichen intern vertriebenen Personen, die sich häufig in den grossen Städten des Landes niedergelassen haben. Dies in der Hoffnung, der Gewalt zu entfliehen und die eigenen Lebensverhältnisse zu verbessern. Seit Beginn des Konflikts wurden offiziellen Angaben zufolge über sieben Millionen Kolumbianer intern vertrieben, mehr als in jedem anderen Land weltweit. In der Hoffnung der Gewalt zu entfliehen wurden insbesondere die Hauptstadt Bogotá sowie die unmittelbar südlich angrenzende Stadt Soacha im Department Cundinamarca zum Zufluchtsort für eine grosse Zahl intern Vertriebener aus unterschiedlichen Landesteilen Kolumbiens. 

Das vorliegende Projekt wird in Ciudad Bolivar in Bogotá sowie in Soacha (Cundinamarca) umgesetzt, da hier die Situation von intern vertriebenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen besonders prekär ist. Oft sehen sich die Vertriebenen in ihren Zufluchtsorten mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Die Stadtteile in denen sie sich niederlassen, sind meist geprägt von Armut, Gewalt und Arbeitslosigkeit. Während staatliche Institutionen nur unzureichend Präsenz zeigen, werden die Stadtteile von verschiedenen bewaffneten Akteuren und kriminellen Banden kontrolliert, die sich die Gebiete als strategisch wichtige Zone für den Waffen- und Drogenhandel untereinander streitig machen. Die Kriminalitäts- und Gewaltrate in dem Projektgebiet steigt kontinuierlich. 

Jugendliche und junge Erwachsene sind von der Situation am unmittelbarsten betroffen. Viele von ihnen leben unter schwierigen Bedingungen, haben kein soziales, oder familiäres Netzwerk, auf welches sie zurückgreifen könnten. Der Zugang zum Arbeitsmarkt ist unzureichend und die Arbeitslosenquote infolge hoch, was auch mit dem niedrigen Bildungsniveau zusammenhängt. Der durchschnittliche Schulbesuch in Soacha beträgt 6,8 Jahre, eine alarmierende Zahl im Vergleich zum nationalen Durchschnitt von neun Jahren. Zudem trägt das Fehlen formeller Beschäftigungsmöglichkeiten auf dem lokalen Arbeitsmarkt zur hohen Arbeitslosenquote bei. Infolge dessen werden viele Jugendliche und junge Erwachsene von kriminellen Banden rekrutiert, werden drogenabhängig, oder prostituieren sich.

Das vorliegende Projekt ist die Fortsetzung eines zweijährigen Projekts, welches im Dezember 2018 endete. Gemeinsam mit zwei lokalen Partnern führt Caritas Schweiz in der zweiten Projektphase unterschiedliche Massnahmen durch, mithilfe derer sich die Lebensumstände der Jugendlichen und jungen Erwachsener in Bogotá und Soacha verbessern sollen. Das Risiko der Kriminalität soll minimiert werden, um ihnen ein Leben in Würde zu ermöglichen. 

 

Was tun wir?

Im Rahmen einer externen Evaluation der ersten Projektphase wurde festgestellt, dass eine Fortsetzung der Aktivitäten in der Projektregion notwendig ist. Der Bedarf ist gross und, um die Nachhaltigkeit des Projekts zu garantieren, muss seine Weiterführung sichergestellt werden. Somit arbeitet Caritas Schweiz in der zweiten Projektphase mit zwei lokalen Partnerorganisationen zusammen weiter: dem Jesuit Refugee Service (JRS) und der Fundación de Atención al Migrante (FAMIG). 

Das Ziel des Projekts ist, die Lebensbedingungen von 650 intern vertriebenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in marginalisierten Stadtteilen Bogotás und in Soacha zu verbessern. Es richtet sich dabei an Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren sowie junge Erwachsenen im Alter zwischen 19 und 25, die in den vergangenen fünf Jahren als intern Vertriebene in das Projektgebiet gekommen sind und heute in dem Stadtteil Ciudad Bolivar (Bogotá) und in Soacha leben. 

Ziel von Caritas Schweiz und den lokalen Partnerorganisationen ist es zur Integration von Jugendlichen zwischen 15 und 18 beizutragen. Zentral ist hierbei, die Arbeit an die Interessen und Bedürfnisse der jungen Menschen anzupassen, damit diese die Möglichkeit erhalten sie beeinflussen und mitgestalten zu können. Die Jugendlichen sollen zur Selbstbestimmung befähigt und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung sowie sozialem Engagement motiviert werden. 

  1. Sie erhalten die Möglichkeit in ihrer Freizeit spezifische Anlaufstellen aufzusuchen und im Rahmen offener Jugendarbeit werden sie in ihrem Alltag eng begleitet. Diese Arbeit hat einen präventiven Charakter, indem sie Sucht, Gewalt, Kriminalität und (psychischen) Krankheiten vorbeugt. 
  2. Eine weitere Projektkomponente richtet sich primär an junge Erwachsene zwischen 19 und 25 Jahren. Da sie in einem prekären Umfeld wie Soacha und Ciudad Bolivar leben, sehen sie häufig im Drogengeschäft, dem Anschluss an kriminelle Banden oder bewaffnete Gruppen ihre einzige Chance, sich ein gewisses gesellschaftliches Ansehen und etwas Wohlstand zu verschaffen. Durch Massnahmen, die den Zugang junger Erwachsener zum Arbeitsmarkt fördern, werden ihnen andere Perspektiven aufgezeigt. So werden sie darin unterstützt sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren, beispielsweise durch eine individuelle Berufsberatung. Durch das Erlernen praktikscher Fähigkeiten sollen sich zudem für den Arbeitsmarkt qualifizieren und ihre Chancen erhöhen. Hierzu zählen Angebote aus der non-formalen und formalen Bildung. Die jungen Erwachsenen erhalten diverse Fortbildungen sowie materielle Hilfe für den Aufbau einer selbständigen Tätigkeit. Das Risiko der Rekrutierung durch gewalttätige Gruppierungen und des Einschlagens einer kriminellen Laufbahn sollen so minimiert werden.
  3. Um Jugendliche als Akteure der Zivilgesellschaft zu mobilisieren, werden sie über ihre Rechte als kolumbianische Bürgerinnen und Bürger und Leidtragende des bewaffneten Konflikts, aber auch über ihre Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung aufgeklärt. Um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen, werden zudem Jugendorganisationen gestärkt, die sich auch nach Beendigung des Projekts für die Anliegen und Bedürfnisse der Jugendlichen in Ciudad Bolivar und Soacha einsetzen.
  4. Das Projekt beinhaltet zudem eine psychosoziale Komponente, im Rahmen derer jene Jugendliche, die besonderen psychischen Belastungen ausgesetzt waren oder noch immer sind, individuell durch geschultes Personal begleitet werden. Die Betreuung reicht von Gruppensitzungen hin zu Einzelgesprächen und im Zweifelsfall einer Weitervermittlung zu Spezialisten. Hierbei werden die Familien teilweise einbezogen, jedoch wird jeder Fall individuell entschieden. 
 

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