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Indien

Schutz für Hausangestellte

Viele junge Frauen verlassen ihre Heimatdörfern, um in Delhi als Hausangestellte zu arbeiten. Dort werden sie oft ausgenutzt oder gar misshandelt. Caritas hat eine Selbsthilfe-Organisation mit inzwischen 4000 Mitgliedern aufgebaut und bietet Weiterbildungen und Rechtsberatung.

 

Land/Region/Ort:
Indien, Delhi sowie Jarkhand, Chattisgarh und Assam


Zielgruppe:
10 000 junge Mädchen aus Dörfern ethnischer Minderheiten, die in Delhi als Hausangestellte bei reichen indischen Familien arbeiten.


Mittelbedarf:
599 734 Franken


Projektdauer:
01.04.2014 bis 30.09.2017


Projektnummer:
P140078


Projektziel:
Hausangestellte werden respektvoll und anständig behandelt. Sie organisieren sich in ihrem Forum für Hausangestellte, durch welches sie ihre Grundrechte durchsetzen und vitale Hilfeleistungen einfordern. Familien und Behörden in den Herkunftsregionen wissen um die Rahmenbedingungen legaler Migration.


Projektverantwortlicher:
Jan Gruss; Tel: +41 41 419 22 51, jgrussto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung:
Asien/Europa

 
 

Worum geht es?

Die Rechte von Hausangestellten stehen weltweit in Diskussion. Die internationale Arbeitsorganisation in Genf (ILO) hat im Jahr 2011 Standards für Hausangestellte verabschiedet. Diese beinhalten anständige Arbeitsbedingungen und Grundrechte für Hausangestellte, die uns allen selbstverständlich erscheinen: Mindestlohn, vereinbarte Arbeitszeiten, geregelte Frei- und Ferientage, eine schriftliche Arbeitsvereinbarung, Wahl des Wohnsitzes sowie Einschluss in die Sozialversicherungen. Ausserdem wird der Arbeitgeber zu einem gewaltfreien Umgang mit der Hausangestellten verpflichtet und er darf keine Minderjährigen beschäftigen.

Indien gehört zu den grossen Wirtschaftsräumen der Welt; gleichzeitig leben in Indien rund ein Drittel der Armen weltweit. Fast 70% der Bevölkerung leben von weniger als 2 USD/Tag und über 35% der Bevölkerung leben gar mit weniger als 0.90 Rappen pro Tag. Migration ist an der Tagesordnung. Die rasante Entwicklung in den Städten schafft eine grosse Nachfrage nach Hausangestellten („pull“ Faktor). Durch die zunehmende Verarmung der ländlichen Urbevölkerung - die unter anderem von ihrem Land vertrieben werden im Namen von Entwicklung (Rohstoffabbau) - verlieren ganze Bevölkerungsgruppen ihre Existenzgrundlage. Die prekäre wirtschaftliche und soziale Situation in den Dörfern ethnischer Minderheiten im östlichen Indien treibt viele Familienmitglieder auf der Suche nach Arbeit und Einkommen in die Städte, insbesondere junge Mädchen („push“ Faktor). Schätzungen gehen davon aus, dass zwischen 100‘000 – 300‘000 junge Frauen als Hausangestellte bei reicheren indischen Familien in Delhi arbeiten, oftmals zu äusserst schlechten Bedingungen. Sie kommen aus den Randregionen, u.a. aus Jarkhand, Chattisgarh und Assam. Organisationen wie die Caritas-Partnerorganisation Chetanalaya unterstützen die Hausangestellten in ihrer schwierigen Situation und verhelfen ihnen zu ihren Rechten.

 

Was tun wir?

Indien hat die internationalen Standards der ILO nicht unterzeichnet, obwohl Indien gemäss eigenen Schätzungen davon ausgeht, dass 4.75 Millionen Personen als Hausangestellte arbeiten, davon fast 80 Prozent Frauen. Dies heisst, dass rund jede dritte Frau in Indien als Hausangestellte arbeitet.

Caritas Schweiz engagiert sich für die Hausangestellten in Delhi seit 2004 und entschied mit dem lokalen Partner und den Vertreterinnen der Hausangestellten sowohl in der Herkunfts- wie auch in der Arbeitsregion zu arbeiten: Information in der Herkunftsregion mit verschiedenen Partnern, Aufbau einer eigenen Organisation der Hausangestellten in Delhi, Lobbying und Advocacyarbeit für die rechtliche Anerkennung und den Schutz der Arbeit der Hausangestellten, «Hot-Lines» für die Hausangestellten in Not.

Die Hausangestellten bauen ihre eigene Organisation auf: In den letzten vier Jahren wurden 4‘000 junge Frauen aktive Mitglieder des «Hausangestellten Forums» in Delhi, einer Organisation der Hausangestellten selbst. Sie sind organisiert in den Quartieren, treffen sich regelmässig in über 280 Gruppen in ihren Gruppen, diskutieren ihre Arbeitssituation und entwerfen Handlungsstrategien, wie sie ihre Grundrechte einfordern können. Und dies mit Erfolg: in einzelnen Quartieren konnten sie eine verbesserte Entlöhnung durchsetzen. Rund 10‘000 Frauen haben sich an den Weiterbildungsangeboten beteiligt, nahmen Rechtshilfe in Anspruch, engagierten sich in Advocay Programmen, an Grossveranstaltungen und verhandelten mit Politikern und Polizisten. Die Caritas-Partnerorganisation Chetanalaya unterstützt die Frauen, ihre eigene Organisation im Grossraum Delhi aufzubauen und sich die Unterstützung wichtiger Akteure wie Politikerinnen, Frauenorganisationen, Fachpersonen, Anwälte und anderer zu sichern.

Erfolgreiche Schritte der Kampagnenarbeit: 2012 wurden die Hausangestellten in die neuen Gesetze gegen sexuelle Belästigung einbezogen, eine wichtige erste Anerkennung seitens der indischen Regierung. Die nächsten Jahre sind der konsequenten Förderung und Ausbildung der Leiterinnen, der Verbreiterung und Verankerung des Forums gewidmet sowie der Kampagnenarbeit für die gesetzliche Anerkennung der Hausangestellten. Schwerpunkt werden dabei jene Hausangestellten sein, die beim Arbeitgeber wohnen, aber nur schwer erreichbar sind. Ausserdem werden Hilfsangebote wie Vermittlungsarbeit bei Konflikten für Frauen in Not verstärkt: Für Opfer von Gewalt stehen Nothilfeteams bereit. Anwältinnen und Anwälte reichen Klagen ein und vertreten die Mädchen und jungen Frauen vor Gericht.

Chetanalaya und das Forum der Hausangestellten intensivieren die Aufklärungsarbeit in den Herkunftsregionen und setzen den Schwerpunkt auf « informierte Migration». Jugendliche, Erwachsene, Gemeinden und Behörden sollen über Rahmenbedingungen von legaler Migration informiert sein, Missbrauch vorbeugen und bekämpfen. Dies geschieht im Wesentlichen über die Zusammenarbeit mit Organisationen in den Herkunftsregionen.

Die Organisation Chetanalaya ist seit den 1960er Jahren aktiv, in Delhi und in über hundert Dörfern im benachbarten Staat Haryana. Ihre Arbeit umfasst eine breite Palette: Entwicklungsarbeit, Fürsprache und Lobbyarbeit in den Slums und Ansiedlungszonen von Delhi, Aufbau von aktiven Organisationen unter den benachteiligten Bevölkerungsgruppen, Rechtshilfe, Nothilfeprogramme in der gesamten Region, aber auch Sozialhilfe und Kick-off-Programme für Jungunternehmerinnen und -unternehmer. Im Bereich Fürsprache und Lobbyarbeit arbeitet sie eng im Caritas Netz, mit anderen Akteuren, mit der Justice and Peace-Kommission und der Regierung zusammen.

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