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Kolumbien

Multitrack-Programm «Semillas de Esperanza» unterstützt den Friedensprozess in der Karibikregion

Nach über fünfzig Jahren Konflikt zwischen der Regierung und verschiedenen Guerilla-Gruppen sind mehrere Millionen Menschen in Kolumbien Vertriebene in ihrem eigenen Land. Das Multitrack-Programm «Semillas de Esperanza» fördert die lokale Entwicklung, trägt zum Vertrauensaufbau bei zwischen verschiedenen Interessengruppen und unterstützt Bewegungen, die sich für eine friedliche und faire Lösung des Landkonflikts engagieren.

 

Land/Region/Ort:
Kolumbien/Karibikregion


Zielgruppe:
848 Personen (direkte Zielgruppe), 2‘610 (indirekte Zielgruppe)


Mittelbedarf:
865'415 Franken


Projektdauer:
01.10.2017 bis 30.09.2020


Projektnummer:
P170077


Projektziel:
Das Multitrack-Programm «Semillas de Esperanza» zwischen der Schweiz und Kolumbien leistet in der Karibikregion einen Beitrag zu einem gerechten und nachhaltigen Frieden durch Aktivitäten im politischen, ökonomischen und sozialen Bereich, die den Konflikt beeinflussen.


Projektverantwortliche:
Janne Christ, Tel: 041 419 22 55, jchristto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung:
Afrika/Lateinamerika


Trägerschaft:
Caritas Schweiz, Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien, COMUNDO, Fastenopfer, HEKS, Peace Brigades International, Peace Watch Switzerland, Swissaid, Terre des Hommes schweiz, Terre des Hommes Suisse

 
 

Worum geht es?

Mit dem Ende 2016 unterzeichneten und in Kraft getretenen Friedensabkommen zwischen den FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) und der Regierung sowie den Anfang 2017 begonnenen Friedensverhandlungen mit der ELN (Ejercito de Liberación Nacional), wurde in Kolumbien nach einer Dauer von über 50 Jahren einer der längsten und gewalttätigsten bewaffneten Konflikte beigelegt.

Seitdem befindet sich das Land in Aufbruchsstimmung, jedoch ist der Weg zu einem nachhaltigen Frieden ein langwieriger Prozess. Denn seit 1985 wurden etwa 7.7 Millionen Menschen im eigenen Land gewaltsam vertrieben, über 220'000 Personen getötet, mehr als 80'000 gelten als vermisst. Noch immer sind Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung. So wurden allein im Jahr 2016 insgesamt 80 Menschenrechtsaktivisten getötet, zudem gab es etwa 50 Mordversuche. Dies ist ein Anstieg von über 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Hinzu kommen tägliche Drohungen und Einschüchterungen. Der Staat zeigt in vielen Regionen wenig Präsenz und der Einfluss paramilitärischer Gruppen ist gross, so auch im Projektgebiet in der Karibikregion.

Aufgrund der tiefen Wunden, die der bewaffnete Konflikt hinterlassen hat, dem Misstrauen untereinander sowie den unterschiedlichen Interessen und Positionen innerhalb der Bevölkerung, handelt es sich bei der Umsetzung des Friedensabkommens um ein schwieriges und sensibles Unterfangen. Neben den Konfliktparteien muss auch die kolumbianische Gesellschaft ihre Motivation und Bereitschaft für ein friedliches Zusammenleben zeigen. Für den Aufbau und die Festigung eines dauerhaften Friedens ist es unabdingbar, alle Gruppen einzubeziehen, damit schlussendlich eine Versöhnung gelingt. Für die Konfliktopfer ist es wichtig, dass sich Massaker und Vertreibungen nicht wiederholen, Verbrechen aufgeklärt werden und ihnen Gerechtigkeit wiederfährt. Ein zentraler Punkt des Versöhnungsprozesses ist die Landfrage. Die Um- sowie die Durchsetzung des Rechts der Vertriebenen auf Rückkehr und Wiedergutmachung werden jedoch kaum konfliktfrei verlaufen.

Das vorliegende Programm wird in vier Departementen in der im Norden des Landes gelegenen Karibikregion umgesetzt. Diese zählt rund zehn Millionen Einwohner auf 132‘000 km2 und umfasst acht von insgesamt 32 Departementen Kolumbiens. Die Region ist durch überdurchschnittliche Armut in den ländlichen Gebieten sowie eine hohe Anzahl Intern Vertriebener gekennzeichnet. Wirtschaftlich gesehen zählt die Karibikküste infolge des konzentrierten Vorhandenseins von Rohstoffen und fruchtbarer Tiefebenen, zu den interessantesten Regionen Kolumbiens. Gleichzeitig sind nirgends im Land prozentual mehr Menschen von ihrem Grund vertrieben worden: 38% aller verlassener Grundstücke, die sich nun in Besitz von Unternehmern und Grossgrundbesitzern befinden, liegen in dieser Region. 

 

Was tun wir?

Das vorliegende Friedensförderungsprogramm «Semillas de Esperanza» schliesst an die erste Phase an, welche von 2014 bis 2017 in der Region erfolgreich umgesetzt wurde. Auch die zweite Phase wird erneut von zehn Schweizer Hilfswerken und NRO verantwortet und kofinanziert. Mitglieder der Trägerschaft sind die Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien, COMUNDO, Fastenopfer, HEKS, Peace Brigades International, Peace Watch Switzerland, Swissaid, Terre des Hommes schweiz und Terre des Hommes Suisse. Caritas Schweiz ist als Lead Agency für die operative und administrative Koordination zuständig. Das Programm wird von der Abteilung für menschliche Sicherheit (AMS) des Eidgenössischen Departements des Äusseren sowie der Schweizer Botschaft in Kolumbien begleitet und kofinanziert.

Das Programm leistet in der Karibikregion einen Beitrag zu einem gerechten und nachhaltigen Frieden und seiner Verankerung in der kolumbianischen Gesellschaft. Dies soll durch die Beeinflussung der den Konflikt antreibenden politischen, ökonomischen und sozialen Faktoren erzielt werden. Konkret unterstützt das Programm auch in seiner Folgephase die zwei kolumbianischen Partnerorganisationen Colemad und SembrandoPaz, die in der Karibikregion in insgesamt sieben Gemeinden tätig sind und zudem zehn Organisationen eng begleiten. Die Gründungsmitglieder beider Organisationen, Luz Estella und Ricardo Esquivia, wurden im Juni 2017 für ihre Arbeit mit dem Prix Caritas ausgezeichnet.

Colemad stärkt in der Karibikregion seit vielen Jahren eine Advocacy-Bewegung von Frauen und politischen Organisationen. Diese erarbeiten Vorschläge zur Lösung von Landkonflikten als Grundlage für einen gerechten und nachhaltigen Frieden in Kolumbien. Alle Frauen, die in diesen Organisationen tätig sind, setzen sich für die Anliegen benachteiligter Frauen ein, engagieren sich für alleinerziehende Mütter und ethnische Minderheiten. Sie übernehmen verantwortungsfolle Positionen in ihren Gemeinden, wenn sie sich beispielsweise für die Themen Landrechte, Gleichberechtigung, eine konstruktive Konflikttransformation sowie gegen Vertreibung und sexuelle Gewalt engagieren.

SembrandoPaz  arbeitet in fünf Gemeinden, deren Dorfbewohner von Armut, schlechten Bildungschancen und struktureller Vernachlässigung betroffen sind. Viele sind kriegstraumatisiert. Die Teilnahme am politischen Leben ist gering. Gemeinde- und Bezirksbehörden sind korrupt und setzen sich im Rahmen ihrer Aufgabe wenig für das Gemeinwohl der Dorfbewohner ein. SembrandoPaz unterstützt die lokale und regionale Entwicklung in diesen Dörfern mittels des Aufbaus von Gemeindestrukturen sowie der Stärkung zivilgesellschaftlicher Organisationen, welche sich für die Rechte der Dorfbewohner einsetzen. Mit Hilfe dieser Unterstützung und durch den Vertrauensaufbau zwischen lokalen, regionalen und nationalen Interessenvertretern, stärkt die Organisation den Friedensprozess auf regionaler Ebene. Die Prozesse sollen Modellcharakter haben und später in anderen Dörfern und Regionen umgesetzt werden.

Zusätzlichen zu den Aktivitäten der Partnerorganisationen führt Caritas Schweiz gemeinsam mit der Trägerschaft sowie der AMS eine gemeinsame sogenannte Multitrack-Komponente durch. Hierbei wird Zusammenarbeit beider Organisationen gestärkt, ihr direkter Austausch mit der Schweizer Botschaft in Bogotá gefördert und ihnen Wissen durch Experten vermittelt. So wird ihnen ermöglicht, ihre Anliegen einzubringen und programmatisch wichtige Akteure zu beeinflussen. Sei es im Rahmen von Öffentlichkeitsarbeit, oder durch das Zusammenbringen verschiedener Interessenvertreter zu spezifischen Themen – in Kolumbien und der Schweiz. Der Multitrack-Ansatz ermöglicht die Nutzung von Synergien aus dem staatlich-diplomatischen und zivilgesellschaftlichem Engagement.

Dank der Komponente sind sowohl die Schweizer Trägerschaft als auch die AMS nicht nur Finanzierer, sondern zeitgleich Akteure, indem sie die Arbeit der Partnerorganisationen unterstützen. Für die zweite Phase des Programms ist eine Laufzeit von weiteren drei Jahren vorgesehen, somit bis September 2020. 

 

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