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Tadschikistan

Energiesparende Heiz- und Kochtechnologien

Holz ist eine der wichtigsten Energiequellen in Tadschikistans Haushalten. Durch unkontrollierten Holzschlag hat das Land mittlerweile so grosse Waldflächen verloren, dass sich die Entwaldung massiv negativ auf das Ökosystem und damit letztendlich auch auf die Ernährungssicherheit der Bevölkerung auswirkt. In Ermangelung alternativer Energiequellen setzt das Projekt auf die Entwicklung und den Einsatz energiesparender Holzöfen, die den Brennstoffverbrauch bis zu 30 Prozent senken und die Emissionen reduzieren.

 

Land/Region/Ort:
Muminobod, Khovaling, Kulob und Shamsiddin Shohin Distrikte in der Provinz Khatlon


Zielgruppe:
Ländliche und peri-ländliche Bevölkerung, Schmiede


Mittelbedarf:
300'000 Franken


Projektdauer:
01.08.2016 bis 31.12.2018


Projektnummer:
P160063


Projektziel:
Entwicklung, Herstellung und Vertrieb energiesparender Öfen


Projektverantwortliche:
Judith Niederberger, Tel: 041 419 23 26; jniederbergerto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung:
Asien/Europa

 
 

Worum geht es?

Tadschikistan ist eines der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Länder. Bereits jetzt leidet es unter Phänomenen wie Erhöhung der Temperatur, Abschmelzen der Gletscher, welche die Flüsse speisen, und verringertem Niederschlag, der zudem häufig als Stark- oder Dauerregen erfolgt. Hierdurch kommt es zu extremen Ereignissen wie Sturzfluten, Überschwemmungen, Schlammlawinen und Bergrutschen. Dies gefährdet Menschenleben und beschädigt oder zerstört die Infrastruktur. Auch die Landwirtschaft, die die Lebensgrundlage für etwa 70 Prozent der Bevölkerung ist, wird erheblich beeinträchtigt. Dem ärmsten Land Zentralasiens fehlen die Mittel, Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel und zur Verringerung der Auswirkungen zu ergreifen. Im Gegenteil: die ungenügende infrastrukturelle Versorgung und die schlechte wirtschaftliche Lage zwingen die Bevölkerung zu Praktiken, die die Ökosysteme noch stärker schädigen und dadurch die Auswirkungen des Klimawandels verstärken.

Neben Energie aus Wasserkraft ist Tadschikistan auf Holz angewiesen, da andere Energiequellen wie Solarenergie teuer sind und wegen dem langen Winter nur bedingt zum Einsatz kommen können. Jedoch ist die Stromversorgung insbesondere in den ländlichen Gebieten unzuverlässig und gerade im Winter nur wenige Stunden am Tag gewährleistet. Aus diesem Grund nutzen in Tadschikistan ungefähr 70 Prozent der Bevölkerung – das sind etwa 5 Millionen Menschen – primär Holz als Energiequelle. Der Brennholzverbrauch ist hoch, weil zum Kochen und Heizen ineffiziente Öfen verwendet werden. Zudem beeinträchtigen die entweichenden Rauchgase die Gesundheit der Frauen, denen das Kochen obliegt, und führen zu allgemeiner Luftverschmutzung.

Durch unkontrollierten Holzeinschlag sind heute nur noch 3 Prozent der Oberfläche von Wald bedeckt. Die Entwaldung hat gravierende Auswirkungen auf die Öko- und Landnutzungssysteme in Tadschikistan. Das Niederschlagswasser fliesst rasch ab und schwemmt die fruchtbaren Bodenschichten weg, anstatt zu versickern und das Grundwasser und die Wasserläufe kontinuierlich zu speisen. Dies verringert die Wasserhaltekapazität der Böden und führt dazu, dass weniger Wasser für das Pflanzenwachstum sowie für Bewässerungszwecke in der sommerlichen Trockenzeit zur Verfügung steht. Das wiederum wirkt sich aus auf die Erträge der Landwirtschaft und letztlich auf die Ernährungssicherheit und die Einkommen der bäuerlichen Haushalte.

Es wird prognostiziert, dass in Zukunft diese negativen Entwicklungen zunehmen, wenn nicht entschlossene Gegenmassnahmen getroffen werden. Von Bedeutung sind Handlungen, welche die weitere Entwaldung verhindern, da Wälder eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Wasserhaushalts und des Bodenschutzes spielen, CO2 binden und damit als Klimaregulator wirken. Auch dienen Wälder als biologischer Filter für in Emissionen enthaltene Schadstoffe sowie als mechanischer Schutz für Siedlungen, Infrastruktur und landwirtschaftlich genutztes Land und erbringen weitere Ökosystemdienstleistungen. Der Erhalt der Wälder reduziert damit die Auswirkungen des Klimawandels und erhöht die Anpassung an den Klimawandel. Ergänzt durch Massnahmen, die den CO2-Ausstoss reduzieren, erhöht sich dadurch die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung in Bezug auf den Klimawandel.

 

Was tun wir?

Das vorliegende Projekt führt die erfolgreiche Arbeit eines Vorgängerprojekts fort. In diesem wurde ein energiesparender Holzofen aus Metall entwickelt, welcher im Distrikt Muminobod in Tadschikistan in den Markt eingeführt wurde. Der Ofen senkt den Brennstoffverbrauch um bis zu 30 Prozent und reduziert die Emissionen, einschliesslich diejenigen von CO2, und verringert damit die häusliche und die allgemeine Luftverschmutzung auf eine innovative Weise. Im aktuellen Projekt wird dieser Ofen in den Nachbardistrikten eingeführt. Zunächst sollen dazu eine Reihe von Modellen, die im Vorgängerprojekt für unterschiedliche Anforderungen entwickelt wurden, in Bezug auf Energieeinsparung, Emissionen und Nutzerfreundlichkeit weiter verbessert werden.

In einem zweiten Schritt wird die Wertschöpfungskette für energieeffiziente Öfen aufgebaut und optimiert. Die Schmiedewerkstatt in Muminobod, die bereits in zwei früheren Projekten mit Caritas zusammengearbeitet hat und mit modernen Maschinen ausgestattet ist, wird interessierte Schmiedewerkstätten in den angrenzenden Distrikten mit vorgefertigten Teilen beliefern. Diese werden dann dort gebogen und zu Öfen zusammengebaut. Ein solches Vorgehen ermöglicht den kooperierenden Werkstätten, mit relativ geringen Investitionskosten energie-effiziente Öfen herzustellen und sich somit eine neue Einnahmequelle zu erschliessen. Durch die Arbeitsteilung erhöht sich die Produktivität, sodass die Öfen kostengünstig angeboten werden können. Gleichzeitig wird dadurch die Reichweite des Projekts vergrössert, womit sich eine signifikantere Wirkung auf die Umwelt realisieren lässt.

Um die Nachhaltigkeit zu gewährleisten, erfolgt die Produktion und der Vertrieb der energiesparenden Öfen ausschliesslich nach kommerziellen Gesichtspunkten. Das heisst, die Werkstätten werden nicht vom Projekt subventioniert, sondern arbeiten auf eigene Rechnung. Desgleichen wird das Projekt keine eigene Promotions- und Vertriebsstruktur aufbauen, sondern der Verkauf erfolgt über Händler. Das Projekt übernimmt die Aufgabe, die einzelnen Akteure der Wertschöpfungskette miteinander zu vernetzen, sie bei den Vertragsverhandlungen zu beraten und bei etwaigen Problemen zu vermitteln. Zudem unterstützt es die Schmiede in betriebswirtschaftlichen Aspekten wie der Preiskalkulation, der Erstellung von Geschäftsplänen und deren Nutzung als Managementinstrument und subventioniert in geringem Ausmass notwendige Investitionen. Ferner organisiert und finanziert das Projekt die technische Ausbildung der neu hinzukommenden Schmiede. Indem das Projekt sich auf eine unterstützende und beratende Rolle konzentriert, werden die Schmiede befähigt, die neuen Herausforderungen selbständig anzugehen und zu meistern.

Neben den Produzenten arbeitet das Projekt nach denselben Prinzipien auch mit den beteiligten Zulieferern, Transportunternehmen und Händlern, um ein reibungsloses Funktionieren der Wertschöpfungskette sicherzustellen. Einzelne gezielte Promotionsmassnahmen wie die Sendung von Werbespots und eines Werbefilms im staatlichen Fernsehen sowie die Bereitstellung von Informationsmaterial ergänzen die Arbeit der Händler und verstärken den Verkaufserfolg.

Um auch armen Haushalten den Erwerb eines brennstoffsparenden Ofens zu ermöglichen, vermittelt das Projekt zudem die Vergabe von zinslosen zweckgebundenen Krediten durch Organisationen in den Gemeinden.

Die in diesem Projekt gemachten Erfahrungen sollen mittelfristig in einem anvisierten grenzübergreifenden Grossprojekt, das noch weitere Energiesparmassnahmen wie Hausisolationen propagieren wird, berücksichtigt werden.

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