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Bangladesch

Schutz vor Katastrophenrisiken für Slumbewohnerinnen und -bewohner

In Bangladesch leben so viele Menschen auf engstem Raum wie kaum irgendwo. Das Leben der Slumbewohnerinnen und -bewohner ist ein täglicher Kampf ums Überleben. Denn die Slums sind an Orten gebaut, an denen die Menschen keinen Schutz vor Naturkatstrophen haben und ihnen schutzlos ausgeliefert sind. Das Projekt trägt zur Verbesserung der Lebenssituation bei. Die Slumbewohnerinnen- und bewohner werden geschult in der Katastrophenprävention und man baut mit ihnen wirksame Schutzmassnahmen auf.

 

Region/Ort:
Lalmath & Bauniabadh Slums in Dhaka Masghat & Labanchara Slums in Khulna


Zielgruppe:
26'070 Slumbewohner/innen aus 5'250 Haushalten


Mittelbedarf:
CHF 871'724


Projektdauer:
01.12.2016 bis 30.11.2019


Projektnummer:
P160047


Projektziel:
Die Resilienz der städtischen Slumbevölkerung gegenüber Naturkatastrophen und Alltagsrisiken ist gestärkt und die ökonomische Situation der Ärmsten hat sich verbessert.


Projektverantwortlicher:
Jan Gruss, Tel: 041 419 22 51, jgrussto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung:
Asien/Europa

 
 

Worum geht es?

Industrialisierung und Land-Stadt-Migration

Bangladesh ist eines der bevölkerungsreichsten Länder der Welt mit über 162 Mio. Einwohner/innen auf einer Fläche von nur 147’570 km2 (3.5 Mal die Fläche der Schweiz). Das Land hat eine Bevölkerungsdichte von ca. 1’319 Menschen pro km2 (Schweiz: 200). Früher war der Haupterwerbszweig in Bangladesh die Landwirtschaft. In den letzten drei Jahrzehnten hat sich die Wirtschaft gewandelt. Der Dienstleistungssektor und die Industrie gewinnen an Bedeutung, insbesondere die exportorientierte Textilindustrie. Die industriellen Zentren bilden sich an den Peripherien der wachsenden Grossstädte. Viele dieser Arbeitsplätze werden durch unqualifizierte und halbqualifizierte Arbeitskräfte besetzt, ein Grossteil von ihnen Migranten aus ländlichen Gebieten. Mangels Alternativen landen Neuzuzüger vom Land oft in einem der unzähligen Slums – und bleiben dort, ohne Perspektiven auf eine Änderung der Situation.

 

Urbanisierung und Entstehen von Slums

In den städtischen Gebieten Bangladeschs lebten 2015 insgesamt 55 Mio. Menschen, mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung. In Dhaka leben 23’000 Menschen dichtgedrängt auf einem Quadratkilometer (Zürich oder Genf: etwa 1’000 pro km2) und die Bevölkerung wächst jeden Tag um 1'400 Menschen. Die Situation in anderen Städten wie Khulna ist ähnlich. Die Slums befinden oft an unattraktiven, unbenutzbaren Standorten, die in hohem Mass Naturgefahren ausgesetzt sind, so beispielsweise in Überschwemmungs- und Küstengebieten sowie geologischen Störungszonen. Daraus resultiert ein hohes Gefahrenpotenzial. Nebst Naturkatastrophen wie Hitzewellen, schweren Regenfällen mit Überschwemmungen, Wirbelstürmen und Erdbeben sind die Slums auch durch menschgemachte Katastrophen wie Feuer, Luftverschmutzung, Verkehrsunfälle sowie Gewalt und Vertreibung bedroht.

 

Die Lebensbedingungen der Slumbevölkerung

Das Dasein der Slumbewohner ist ein täglicher Kampf ums Überleben. Ein grosser Anteil leidet unter einer prekären Einkommenssituation und ist armutsbetroffen. Das Anrecht auf städtische Dienstleistungen und Grundversorgung wie beispielsweise Elektrizität und medizinische Versorgung bleibt diesen Menschen zumeist verwehrt. Angemessene Unterkunft, sanitäre Einrichtungen und andere grundlegende Bedürfnisse bleiben unbefriedigt. Für uns selbstverständliche Dienstleistungen wie Wasserversorgung und das Abfallwesen sind unterentwickelt oder gar nicht vorhanden. Diese Unzulänglichkeiten, gepaart mit einer schlechten Hygiene, machen die Bewohner/innen sehr verletzlich und haben denselben negativen Effekt wie schleichende Katastrophen.

 

Komplexe Herausforderungen

Die Risikoreduktion in Städten muss sich einer Vielfalt von Herausforderungen stellen, die sich aus dem Aufeinandertreffen von gebauten und natürlichen, sozioökonomischen und gesetzgebenden Faktoren ergibt. Je dichter gebaut wird und folglich die Bevölkerung lebt, desto höher ist das Risiko eines Dominoeffekts, wo ein Ereignis das nächste und oftmals noch schlimmere auslöst.

Eine verstärkte Selbstverwaltung sowie das Fördern einer offiziellen Anerkennung von informellen Siedlungsgebieten sind Strategien, welche dazu beitragen, dass die Bevölkerung den Risiken mit mehr Widerstandskraft entgegentreten kann. Es gilt, unter Einbezug von Bevölkerung und Regierung in den Slums sowohl Ursachen wie Auswirkungen von Naturgefahren anzugehen sowie den Zugang zu Infrastruktur, Dienstleistungen und Einkommensmöglichkeiten zu verbessern.

 

Was tun wir?

Die Projektziele

Dieses Projekt trägt zur Verbesserung der Lebenssituation von Slumbewohner/innen bei, indem es Möglichkeiten und Fähigkeiten vermittelt, die es der betroffenen Bevölkerung erlaubt, sich besser gegen die spezifischen Gefahren und Risiken ihres Lebensraumes zu schützen, sowie Schäden zu minimieren.

Die Zielgruppe besteht aus 26’070 Personen aus 5’250 Haushalten in den Slums Lalmath und Bauniabadh in Dhaka und Labanchara und Masghat in Khulna. Das Projekt umfasst eine Kombination von Interventionen auf verschiedenen Ebenen. Gewisse Aktivitäten werden auf Haushaltebene realisiert, andere in Zusammenarbeit mit der ganzen Community. Eine grosse Rolle auch hinsichtlich Nachhaltigkeit spielt die Kooperation mit den städtischen Behörden. 

Durch das Projekt werden die Bewohner/innen der Slumgebiete sich der Katastrophenrisiken mehr bewusst und profitieren von einer besseren Infrastruktur und breiteren Auswahl an Einkommensmöglichkeiten. Mit der Unterstützung des Projekts wird der Dialog mit den zuständigen Behörden verstärkt, um nachhaltige Lösungen für die Probleme der städtischen Slumbevölkerung zu finden.

In einem partizipativen Prozess soll ein Risk Reduction Action Plan für jeden Slum erarbeitet werden. Dazu werden Slum Disaster Management Committees gegründet, welche gemeinsam mit den Behördenvertretern und Dienstleistern die Aktionspläne erarbeiten. Darin werden die Bedürfnisse nach benötigter Infrastruktur und Aufbau von Kapazitäten für die Bevölkerung formuliert.

Das Projekt wird von Caritas Bangladesh und Habitat for Humanity in Bangladesh unter der Leitung von Caritas Schweiz durchgeführt. Caritas Bangladesh besitzt langjährige Erfahrung in ländlicher Katastrophenrisikominderung und arbeitet in vielen städtischen Slums in den Bereichen Gesundheit, Ausbildung und Armutsreduktion. Habitat for Humanity hat ein grosses Wissen zum Aufbau städtischer Infrastruktur. Zusammen mit dem Know-how von Caritas Schweiz auf dem Gebiet von DRR bilden die drei Partner ein exzellentes Konsortium, um die Projektaktivitäten erfolgreich durchzuführen.

Es gab bisher sehr wenige DRR Aktivitäten in städtischen Gebieten in Bangladesh. Deshalb verfolgt das vorliegende Projekt das Ziel, das Wissen dazu für alle beteiligten Akteure zugänglich und sichtbar zu machen und den richtigen Ansatz für die Verbesserung der Lebensumstände der städtischen Armen zu finden. Nach erfolgreicher Umsetzung ist es das Ziel, den Ansatz in vielen anderen Slums der städtischen Zentren in Bangladesh zu replizieren.

 

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