Navigation mit Access Keys

 
Libanon

Verbesserte Schulbildung für syrische Flüchtlingskinder und benachteiligte libanesische Kinder

Im Libanon leben auf vier Millionen Einwohner etwa 1,5 Millionen Flüchtlinge aus Syrien. Die Lage ist angespannt und hochgradig prekär. Mit einem Schulprojekt schafft Caritas ein sicheres und förderndes Lernumfeld für 9100 syrische Flüchtlingskinder und benachteiligte libanesische Kinder. So können die Kinder dem Unterricht folgen und erfolgreich den Schulalltag zu meistern. Das Lehrpersonal erhält Ausbildungen für den Unterricht der zum Teil traumatisierten und benachteiligten Kinder. Weiter werden Schuldirektorinnen und -direktoren im Schulmanagement gestärkt.

 

Region/Ort:
Gouvernements Mount Libanon, Nord-Libanon, Bekaa, Baalbek, und Beirut, Libanon


Zielgruppe:
9'100 Kinder, 340 Lehrpersonen, 100 Schuldirektoren und Mitarbeiter des Bildungsministeriums Benötigte


Mittelbedarf:
CHF 3'567'828


Projektdauer:
01.10.2016 bis 30.09.2019


Projektnummer:
P160070


Projektziel:
Verbesserung der Unterrichtsqualität und Lernumfeld zur Förderung benachteiligter syrischer und libanesischer Kinder und Jugendlicher


Projektverantwortliche:
Mandy Zeckra, Tel.: 041 419 23 91; mzeckrato make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung:
Katastrophenhilfe Ausland

 
 

Worum geht es?

Der Konflikt in Syrien dauert nun bereits sechs Jahre und noch immer ist keine politische Lösung in Sicht. Der Krieg hat 13.5 Millionen Syrier und Syrierinnen vertrieben, viele davon in die Nachbarländer. Diese stehen vor einer immensen Herausforderung und das Ausmass der humanitären Katastrophe stellt eine grosse Belastung dar. Etwa 1,5 Millionen Syrerinnen und Syrer sind in den Libanon geflüchtet. Dies entspricht rund einem Drittel der libanesischen Bevölkerung. Kein anderes Land weltweit hat pro Kopf so viele Flüchtlinge aufgenommen. 

Die meisten syrischen Flüchtlinge haben keine Arbeit, und ihre Ressourcen zur Selbstversorgung sind aufgebraucht. Aber auch die libanesische Gastgemeinschaft verarmt zusehends. Die Leidtragenden sind die Kinder. Viele Familien können sich einen Schulbesuch gar nicht leisten, oft müssen Kinder arbeiten, damit ihre Familie überleben kann. Viele Kinder leben in schwierigsten wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen und leiden unter traumatisierenden Erlebnissen. Dies führt oft zu besonderen Lernschwierigkeiten und hohen Schulabbruchraten.

Das libanesische Bildungsministerium hat sich mit einem kürzlich verabschiedeten Fünfjahresplan zum Ziel gesetzt, dass bis 2021 alle 450’000 Flüchtlingskinder die öffentliche Schule besuchen. Dies stellt das schon vor dem Krieg angeschlagene Schulsystem vor enorme Herausforderungen und ist mit massiver Überforderung und Qualitätseinbrüchen verbunden. Der grösste Druck entlädt sich auf die Lehrerinnen und Lehrer. Aufgrund der knappen vorhandenen Ressourcen wurden Massnahmen wie Schichtunterricht eingeführt, bei welchem morgens mehrheitlich die libanesischen und nachmittags die syrischen Kinder unterrichtet werden. Mancherorts werden auch einfach die Klassengrössen um bis das Zweifache erhöht. Für die häufig unterbezahlten und ungenügend qualifizierten Lehrpersonen bedeutet dies, dass sie doppelte Arbeit in einem äusserst schwierigen Lernumfeld leisten müssen und dabei kaum Unterstützung erhalten.

Obwohl viele Kinder besondere Lernschwierigkeiten und wegen verpassten Schuljahren einen unterschiedlichen Wissensstand haben, ist der Frontalunterricht im Libanon gängige Praxis. Die meisten syrischen Schülerinnen und Schüler verstehen jedoch oft nicht einmal die Unterrichtssprache. In ihrem Heimatland findet der Unterricht nur auf Arabisch statt, während im Libanon mathematische und naturwissenschaftliche Fächer entweder auf Englisch oder Französisch gelehrt werden. Lehrpersonen sind nicht genügend geschult, um auf die individuellen Lern- und Förderbedürfnisse der Kinder einzugehen. Diese Schwierigkeiten schlagen sich zusehends in der Verschlechterung der Unterrichtsqualität für alle Schulkinder nieder und führen oftmals zu Spannungen, Frustration und Ablehnung. 

 

Was tun wir?

Um den schulischen Erfolg von syrischen Flüchtlingskindern und libanesischen Kindern aus ärmlichen Verhältnissen langfristig zu verbessern, geht Caritas Schweiz zusammen mit seinen Partnern die vielschichtigen Ursachen des Problems auf verschiedenen Ebenen an. Projektziel ist, ein sicheres und unterstützendes Lernumfeld zu schaffen, welches allen Kindern ermöglicht, dem Unterricht zu folgen und erfolgreich den Schulalltag zu meistern. Dazu werden die Lehrpersonen in 25 überdurchschnittlich betroffenen Schulen geschult. Durch die gezielte Weiterbildung erhalten die Lehrerinnen und Lehrer pädagogische und didaktische Kompetenzen, um die Kinder angemessen fördern können. So besonders bei der Unterstützung der Kinder beim Nachhilfeunterricht.

Gleichzeitig engagiert sich das Projekt in enger Zusammenarbeit mit dem libanesischen Bildungsministerium darin, das Aus- und Weiterbildungskonzept für Lehrerinnen und Lehrer landesweit zu verbessern. Langfristig lernen so Lehrpersonen an allen Schulen auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen, wodurch die Leistungen des Projektes dauerhaft verankert werden. Des Weiteren stärkt das Projekt Schulleitungen, um Lehrerpersonen wie Kindern ein adäquates Arbeits- und Lernumfeld zu ermöglichen.

Das Projekt arbeitet zudem mit Caritas Österreich zusammen. Diese unterstützt halbprivate und private Schulen in Gebieten, wo sonst keine öffentliche Schulen vorhanden sind. Dadurch wird armen libanesischen und syrischen Kindern, deren Familien sich keine private Schule leisten könnten, den Zugang zu Schulbildung ermöglicht. Zusätzlich zur Lehrerweiterbildung und dem Schulmanagement unterstützt Caritas Schweiz diese Schulen im Bereich Pädagogik, psychosoziale Hilfe sowie Monitoring und Evaluation.

Das konkrete Engagement von Caritas Schweiz setzt auf drei Ebenen an:

  1. Zur Verbesserung des landesweiten Förder- und Nachhilfeunterrichts wird ein Ausbildungsmodul für angehende Lehrpersonen des Instituts für Erziehungswissenschaften an der libanesischen Universität in Beirut entwickelt. Dieses soll später in das offizielle Curriculum der Lehrerausbildung integriert werden.
  2. Unter akademischer Begleitung wird in enger Zusammenarbeit mit dem Partner und libanesischen Bildungsministerium ein Konzept zur Weiterbildung und Coaching für an öffentlichen Schulen tätigen Lehrerinnen und Lehrer begutachtet und weiterentwickelt.
  3. Coaches des Bildungsministeriums begleiten die Schulleitungen dabei, qualitative Verbesserungen des Förderunterrichts fundiert und systematisch umzusetzen. Das ermöglicht sowohl Lehrpersonen wie Schülern und Schülerinnen ein adäquates Arbeits- und Lernumfeld.

Das Projekt wird in enger Zusammenarbeit mit dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Caritas Österreich und dem libanesischen Bildungsministerium ausgearbeitet und von der libanesischen Ana Aqra Association durchgeführt. Inhaltliche Unterstützung erhält das Projekt zudem von libanesischen und schweizerischen Hochschulen, namentlich der Lebanese University und der Pädagogischen Hochschule Zug.

 

Yara (11): «Ich bin so froh, dass ich zur Schule gehen kann»

 

Ersatzinhalte