Libanon

Bessere Unterrichtsqualität und ein stärkeres Bildungssystem für syrische Flüchtlingskinder und benachteiligte libanesische Kinder

Im Libanon leben auf vier Millionen Einwohnerinnen und Einwohner etwa 1,5 Millionen Flüchtlinge aus Syrien. Die Lage ist angespannt und hochgradig prekär. Mit einem Schulprojekt schafft Caritas ein sicheres und förderndes Lernumfeld für syrische Flüchtlingskinder und benachteiligte libanesische Kinder: Sie schult an vier öffentlichen und vier (halb-)privaten Schulen Lehrerinnen und Lehrer im innovativen QTL-Unterrichtsmodell für die zum Teil traumatisierten und benachteiligten Kinder. Zusammen mit den verschiedenen Institutionen des Bildungssektors arbeitet sie zudem daran, das QTL-Modell offiziell und nachhaltig ins libanesische Schulsystem zu integrieren. 

 

Land / Region / Ort 
Beirut und ausgewählte Regionen des Landes, Libanon


Zielgruppe
Rund 1‘400 syrische und vulnerable libanesische Kinder, 100 Lehrpersonen, 8 Projektschulen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Institutionen des libanesischen Bildungssystems


Mittelbedarf
1‘107‘180 Schweizer Franken


Projektdauer
01.12.2019 bis 31.08.2021


Projektnummer
P190057


Projektziel
Beitrag zur Verbesserung der Qualität des Unterrichts für syrische und bedürftige libanesische Kinder sowie zur Stärkung des libanesischen Bildungssystems


Projektverantwortlicher
Richard Asbeck, Tel: 041 419 22 29, rasbecknot shown@caritasto make life hard for spam bots.ch

 
 

Worum geht es?

Seit dem Ausbruch der Syrienkrise im Jahr 2011 haben mehr als 1.5 Millionen Syrerinnen und Syrer Zuflucht im Nachbarland Libanon gesucht. Das kleine Land am Mittelmeer beherbergt weltweit den grössten Anteil an Flüchtlingen gemessen an seiner Gesamtbevölkerung. Die stark von Auslandszahlungen abhängige Wirtschaft des Landes wurde durch die langjährige Krise weiter strapaziert. Das Haushaltsdefizit wächst kontinuierlich und Investitionen der öffentlichen Hand sind seit Jahren beträchtlich eingeschränkt. 

Unter anderem hat der Bildungssektor die grösste Last zu tragen: Mehr als 600'000 syrische Flüchtlingskinder im Schulalter sind auf Zugang zu Grundbildung angewiesen. Obwohl die libanesische Regierung in Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft im Rahmen einer nationalen Strategie im Bildungssektor grosse Anstrengungen unternimmt, um syrische Kinder in das öffentliche Schulwesen zu integrieren, hatten im Jahr 2018 mehr als 300'000 Flüchtlingskinder keinerlei Möglichkeiten, formale oder nicht-formale Bildungseinrichtungen zu besuchen. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies sogar einen Anstieg. Hinzu kommt, dass seit Beginn der Syrienkrise auch bedürftige libanesische Kinder immer häufiger vorzeitig die Schule abbrechen. 

Auf der anderen Seite bestehen grosse Defizite, was die Qualität des Lehrens und Lernens betrifft. Bereits vor Ausbruch der Krise war das libanesische Bildungssystem von Schwächen bei der Aus- und Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern betroffen. So existiert kein einheitliches System, das den Eintritt der Lehrpersonen in das öffentliche Schulwesen klar definiert. Vorherrschende pädagogische Methoden sind zum grossen Teil veraltet und nicht kindgerecht. Aufgrund eines Mangels an Fortbildungsmöglichkeiten und fehlender kontinuierlicher Begleitung sind Lehrerinnen und Lehrer nicht in der Lage, auf die besonderen Bedürfnisse von traumatisierten Kindern einzugehen und ihnen neben dem zu vermittelnden Wissen auch mit psychosozialer Unterstützung zur Verfügung zu stehen. Finanzielle Engpässe und schlechte materielle Vergütung machen den Lehrberuf im öffentlichen Sektor zudem unattraktiv.

Schliesslich haben sich Herausforderungen und Kapazitätsengpässe des libanesischen Bildungswesens im Rahmen der Krise auch auf institutioneller und systemischer Ebene verschärft. Der Sektor ist von einer institutionellen Fragmentierung und dadurch in vielerlei Hinsicht von Ineffizienz geprägt. Langwierige politische Prozesse, fehlende landesweit harmonisierte Strategien zur Fortentwicklung des Lehrerberufes sowie veraltete Systeme zur Sammlung und Auswertung von Daten verhindern Fortschritte in Bezug auf eine qualitativ hochwertige Schulbildung. Nach wie vor wird anhand eines längst nicht mehr zeitgemässen Lehrplans unterrichtet, der teils autoritäre Unterrichtsmethoden entlang veralteter Schulbücher vorsieht.

Bereits seit 2016 arbeitet Caritas Schweiz zusammen mit der lokalen Partnerorganisation Ana Aqra an der Erarbeitung eines Modells, das Lehrpersonen kindgerechtes und schülerzentriertes Unterrichten näherbringt. Das sogenannte QTL-Modell wurde in einer Kooperation mit verschiedenen Institutionen des libanesischen Bildungssystems erstellt und im Rahmen eines Handbuchs zur praktischen Aus- und Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern formalisiert. Somit hat Caritas Schweiz bereits dazu beigetragen, Brücken zwischen den verschiedenen Bildungsinstitutionen zu bauen und dadurch betroffene Kinder mit einer verbesserten Unterrichtsqualität zu unterstützen. Der regelmässige Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern des Bildungsministeriums führte zudem dazu, dass diese heute den Mehrwert des Modells anerkennen und bereit sind, Elemente daraus teilweise in das libanesische Bildungssystem zu integrieren. 

 

Was tun wir?

Im Rahmen dieses Projektes baut Caritas Schweiz gemeinsam mit Ana Aqra auf dem schon Erreichten auf und führt weitere Aktivitäten durch, um syrischen Flüchtlingskindern und vulnerablen libanesischen Schülern durch die Weiterverbreitung des QTL-Modells eine qualitativ höherwertige Schulbildung zu ermöglichen. Erstmals soll QTL nun auch Einzug in die formelle Grundbildung und das staatliche Schulwesen erhalten, nachdem in der Vergangenheit lediglich Aktivitäten im Rahmen von unterrichtsbegleitendem Förderunterricht möglich waren. 

In diesem Zusammenhang wird Caritas Schweiz zusammen mit Ana Aqra sowie libanesischen Institutionen mit Zuständigkeit für die Aus- und Fortbildung von Lehrpersonen das QTL-Modell weiterentwickeln und validieren. Eine aktive Anwendung findet das Modell in vier öffentlichen Schulen, die einen hohen Anteil an syrischen Flüchtlingskindern aufweisen und von hohem Schulabbruch charakterisiert sind. Projektaktivitäten werden auch in vier (halb-)privaten Schulen durchgeführt. Durch Trainings sowie regelmässige Unterrichtsbesuche werden insgesamt 100 Lehrerinnen und Lehrer in der Anwendung des kinderfreundlichen und im Libanon innovativen pädagogischen QTL-Ansatzes gestärkt. Rund 1'400 Kinder in vier öffentlichen und vier (halb-)privaten Schulen in verschiedenen Regionen des Landes profitieren somit direkt von einer erhöhten Qualität des Unterrichts, was unmittelbare Auswirkungen auf ihre schulischen Leistungen sowie auf ihre Lern- und Problemlösungsstrategien hat. Zusätzlich profitieren weitere Kinder indirekt durch bessere Kenntnisse und durch die Anwendung moderner pädagogischer Konzepte ihrer Lehrpersonen. Die Durchführung des QTL-Ansatzes schliesst zudem die Ausstattung ausgewählter Schulen mit geeignetem Unterrichtsmaterial wie Büchern oder Teppichen sowie den kontinuierlichen Austausch mit Schulleiterinnen und -leitern und Einbezug von Eltern mit ein. Weiterhin werden Transportkosten von Kindern in die Schulen übernommen, um ihre Teilnahme am Unterricht zu garantieren.

Auf der anderen Seite sieht das Projekt vor, zusammen mit den verschiedenen Institutionen des Bildungssektors eine offizielle Strategie für die Integration, Weiterverbreitung und Verwendung des QTL-Modells innerhalb des libanesischen Schulsystems zu erarbeiten. Eine erste notwendige Voraussetzung hierfür wird das Projekt durch die wissenschaftliche Validierung des QTL-Modells sowie seiner positiven Wirkungen erfüllen. Gleichzeitig soll durch die intensive Unterstützung vonseiten Caritas Schweiz und Ana Aqra ein strategischer Plan für die systemweite Anwendung des Ansatzes in libanesischen Schulen entwickelt und bereits teilweise umgesetzt werden. Weiterhin profitieren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bildungsministeriums sowie seiner verschiedenen Zweiginstitutionen direkt von Schulungen zum QTL-Modell. Dies wird sie befähigen, anschliessend mit Unterstützung von AAA selbst Lehrer entsprechend fortzubilden und zu begleiten, wodurch der Ansatz direkt in das staatliche System übertragen wird. Durch Aktivitäten zur Bewusstseinsförderung wie Kampagnen oder Seminare wird schliesslich das Wissen über das QTL-Modell sowie seine positiven Ergebnisse innerhalb des Sektors weiterverbreitet. 

Der Einbezug von allen Schlüsselorganisationen des libanesischen Bildungssystems leistet somit einen weiteren wichtigen Beitrag zum Abbau von Barrieren und zu einer stärkeren Harmonisierung innerhalb des Sektors. 

 

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