Navigation mit Access Keys

 
Libanon

Schutz durch Soforthilfe mit Geldzahlungen

Kein anderes Land weltweit hat pro Kopf mehr Flüchtlinge aufgenommen als der Libanon – eine enorme Belastung für die Menschen und die Wirtschaft. Die Caritas unterstützt die ärmsten Haushalte mit Bargeldzahlungen, damit sie kurzfristig über die Runden kommen oder Krankenkosten begleichen können. Zudem unterstützt sie die Partnerorganisation bei der Weiterbildung von Sozialarbeitenden und bei der Projektweiterentwicklung.

 

Land / Region / Ort
Bekaa-Ebene, Libanon


Zielgruppe
1’250 syrische Flüchtlinge (70 Prozent) und 220 libanesische Begünstigte (30 Prozent), 27 Sozialarbeiter


Mittelbedarf
599'651 Schweizer Franken


Projektdauer
01.07.2018 bis 30.06.2019


Projektnummer
P180048


Projektziel
Verbesserung des sozio-ökonomischen Schutzes von bedürftigen Flüchtlingen und libanesischen Begünstigten


Projektverantwortlicher
Richard Asbeck, Tel: 041 419 22 29, rasbeckto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung
Katastrophenhilfe Ausland

 
 

Worum geht es?

Auch im achten Jahr des Krieges in Syrien ist keine politische Lösung in Sicht. 13.1 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen und 5.3 Millionen Syrer und Syrierinnen wurden in die Nachbarländer vertrieben. Dies stellt auch die Aufnahmegemeinschaften vor eine grosse Herausforderung. Im Libanon sind fast eine Million Flüchtlinge registriert - die tatsächliche Zahl wird sogar auf 1.5 Millionen geschätzt, was einem Drittel der libanesischen Bevölkerung entspricht. Kein anderes Land hat pro Kopf mehr Flüchtlinge aufgenommen als der Libanon. Dies stellt eine enorme Belastung für Libanons Wirtschaft und Infrastruktur dar, insbesondere für Grunddienstleistungen wie die öffentliche Gesundheitsversorgung.

Gemäss dem Lebanon Crisis Response Plan (LCRP) haben syrische Flüchtlinge im Libanon ihre Ersparnisse und Vermögenswerte aufgebraucht und kaum eine Möglichkeit, um Geld zu verdienen. 76 Prozent der Flüchtlingshaushalte leben unterhalb der Armutsgrenze. Infolgedessen wenden sie negative Bewältigungsstrategien an, wie die Reduzierung der Nahrungsmittelausgaben und Kauf von Nahrungsmitteln auf Kredit, Verringerung der Ausgaben für die Gesundheit oder Kinder, welche nicht mehr zur Schule gehen und stattdessen arbeiten müssen. Weil die Ersparnisse erschöpft sind, sind die Familien oft nicht in der Lage, zusätzliche sozioökonomische Schocks wie Verlust des Lebensunterhalts, Tod oder Verlust des Hauptverdieners und Unfälle oder Krankheit aufzufangen. Diese Situation verschärft sich zusätzlich, wenn betroffene Personen medizinische Versorgung benötigen. Obwohl das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) 75 Prozent der Krankenhauskosten für syrische Flüchtlinge übernimmt, sind nur überlebenswichtige Eingriffe abgedeckt - restlichen 25 Prozent der Behandlungskosten müssen von den Flüchtlingen selber bezahlt werden. Das können sich jedoch viele nicht leisten.

Aber auch libanesische Haushalte verarmen zusehends und haben Mühe, über die Runden zu kommen. Viele arbeiten im informellen Sektor, einschliesslich Landwirtschaft, Baugewerbe und Dienstleistungen. Die Jobs sind sehr schlecht bezahlt und ohne festen Arbeitsvertrag, was zu Unsicherheit und unregelmässigem Einkommen führt. Dies zwingt auch viele libanesische Haushalte zu einer Reihe negativer Bewältigungsmechanismen wie dem Kauf billigerer und minderwertiger Nahrungsmittel, Schulabbruch und Aufschiebung von Gesundheitsausgaben.

Obwohl es verschiedene soziale Auffangmechanismen für Flüchtlinge und arme libanesische Familien gibt, ist die Deckung nicht ausreichend und schliesst oft gerade diejenigen aus, welche die Hilfe am meisten benötigen würden. Gefährdete Haushalte, welche vom informellen Arbeitsmarkt abhängig sind, haben keinen oder nur unzureichenden Zugang zu Sozial- und Schutzangeboten, weil diese in der Regel nur formal beschäftigte Arbeitsnehmende erfassen. Unzureichende Finanzierung, langsame Aufnahme neuer Begünstigter, Zersplitterung der Angebote in staatliche, gemeindebasierte und zivilgesellschaftliche Sozialdienstleister sowie Korruption reduzieren die effektive Unterstützung der Bedürftigsten weiter. Während die Grundbedürfnisse meist durch humanitäre Organisationen und staatliche Institutionen gedeckt werden, bleiben sozioökonomische Schocks somit weitgehend ungedeckt. Betroffene Familien leiden unter höheren Ausgaben und Einkommensverlusten nach einem Schock. Dies setzt die Haushalte ernsthaften Risiken aus und führt zu negativen Bewältigungsstrategien wie Kinderarbeit. Zudem besteht die Gefahr, dass Familien langfristig weiter unter die Armutsgrenze fallen.

 

Was tun wir?

Das Projekt wird von der Partnerorganisation Caritas Libanon implementiert. Es unterstützt die ärmsten Haushalte, welche von sozioökonomischen Schocks betroffen sind, durch Soforthilfe in Form von Geldzahlungen. Diese kommen 1’470 bedürftigen syrischen Flüchtlingen und libanesischen Begünstigten zugute.

Die Bargeldzahlungen stellen eine aussergewöhnliche Hilfe für besonders gefährdete Menschen dar, welche von sozioökonomischen Schocks betroffen sind. Nach solchen Schocks steigen die Gesamtausgaben der Haushalte, während das Einkommen stagniert oder sogar sinkt, wenn zum Beispiel der Hauptverdiener betroffen ist und nicht mehr arbeiten kann. Das Projekt schliesst folgende Arten von Schocks ein: vorübergehende Arbeitsunfähigkeit aufgrund akuter medizinischer Bedingungen, verbunden mit Lohnausfällen; Einkommensverluste durch Inhaftierung oder Strafverfolgung im Zusammenhang mit der Flüchtlingssituation; Diebstahl und/oder Zerstörung von Nutzpflanzen, Vieh, Unterkünften, Werkzeugen oder Gebrauchsgütern; Tod des Ernährers; kürzlich eingetretene Behinderung oder Krankheit; Scheidung, Trennung etc. Um negative Bewältigungsstrategien und den Fall in noch grössere Armut zu reduzieren, profitieren 515 Flüchtlinge und 220 libanesische Begünstigte von kurzfristigen Geldzahlungen, um zusätzliche Kosten und Einkommensverluste zu decken. Der Geldbetrag ist auf den jeweiligen Fall zugeschnitten und liegt zwischen 200 und 300 USD pro Monat für einen Zeitraum von maximal 3-6 Monaten. Um die Bedürftigkeit und spezifischen Bedürfnisse zu ermitteln, werden alle Begünstigten im Gemeinschaftszentrum von Caritas Libanon anhand eines standardisierten Fragebogens erfasst. Danach besuchen Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter die Familien zu Hause, um die Informationen zu überprüfen.

Zusätzlich deckt das Projekt für 220 Familien die verbleibenden 25 Prozent Krankenhauskosten, welche nicht von UNHCR übernommen werden. Davon profitieren 735 Einzelpersonen. Konkret sind dies einmalige Geldtransfers an Einzelpersonen oder Krankenhäuser und nur für lebensrettende Eingriffe oder Operationen, welche es der betroffenen Person wieder ermöglicht, einer Arbeit nachzugehen und zum Haushaltseinkommen beizutragen. Die Geldtransfers betragen durchschnittlich 550 USD pro Person, in Ausnahmefällen können bis 2'500 USD gesprochen werden. Die Partnerorganisation registriert alle Patienten in einem ihrer Gemeinschaftszentren und verweist sie an das nächstgelegene Krankenhaus. Ein Facharzt prüft die Unterlagen sorgfältig und gibt eine Empfehlung zur Genehmigung ab. Die endgültige Genehmigung basiert auf der Einschätzung des Facharztes, der Bedürftigkeit des Haushalts, den Behandlungskosten, der Unterstützung anderer Beitragszahler, dem ungedeckten Betrag und der Verfügbarkeit der Mittel. Die stationären Behandlungskosten werden dem Krankenhaus direkt nach Zustellung und Erhalt der Originalquittung zurückerstattet. In Ausnahmefällen wird den Patienten, welche Gebühren bereits mit geliehenem Geld deckten, direkt an die betroffene Person überwiesen.

Um die Sozialarbeit der Partnerorganisation langfristig zu stärken und auszubauen, werden 27 Sozialarbeiter von Caritas Libanon weitergebildet. Zudem wird durch das Projekt die Implementierung eines Datenmanagementsystems gefördert, welches die Effektivität und Kohärenz zwischen den verschiedenen Aktivitäten und Akteuren im sozialen Bereich erhöht. Das System wird die Erfassungs- Nachsorge- und Berichterstattungsmechanismen zwischen den Abteilungen optimieren, Lücken in der Unterstützung aufdecken und sicherstellen, dass jeder Fall ordnungsgemäss aufgenommen und behandelt wird.

 

Ihre Spende

Ersatzinhalte