Libanon: Projekt P220032

Notfallbargeldhilfe für Sicherheit und Gesundheit

 
 

Kontext und Problemstellung

Der Libanon erlebt seit Ende 2019 eine Wirtschafts- und Finanzkrise, die laut Warnungen der Weltbank eine der drei weltweit schwersten Krisen in der Geschichte der Moderne sein könnte. In den vergangenen 18 Monaten hat das libanesische Pfund über 85 % seines Wertes verloren und die Arbeitslosigkeit ist Ende 2021 auf 33 % gestiegen. Die sich verschlechternde Lage hat sich durch die Corona-Pandemie, die Explosion im Hafen von Beirut im Augst 2020 und die langjährige regionale Notlage syrischer Flüchtlinge weiter verschärft. 90 % der syrischen Flüchtlinge im Libanon leben derzeit in extremer Armut und rund 1,5 Millionen Libanesinnen und Libanesen werden als vulnerabel eingestuft. Viele von ihnen sind nicht in der Lage, ihre Grundbedürfnisse wie Nahrungsmittel und Gesundheitsversorgung zu decken. Die Lage wird verschlimmert durch extremen Mangel an Medikamenten, Treibstoff und Elektrizität. Dadurch wird das ohnehin überlastete Gesundheitssystem zusätzlich beeinträchtigt. Die Menschen versuchen händeringend, verschriebene lebensrettende Arzneimittel aus dem Ausland zu importieren, Spitäler müssen Operationen verschieben oder bisweilen ganz schliessen.

Flüchtlinge und sozial schwache libanesische Haushalte haben vielfach ihre Ersparnisse aufgebraucht und können sich keine weitere Gesundheitsversorgung leisten. Viele Familien ringen um Spitalplätze, ohne sich weiter zu verschulden, erfahren mangelnden Schutz und greifen zunehmend auf negative Bewältigungsstrategien zurück. Diese fatalen Umstände vergrössern den Bedarf an psychischer Gesundheitsfürsorge sowohl in den Flüchtlings- als auch in den Aufnahmegemeinschaften. Qualitativ gute, bezahlbare psychologische Unterstützungsdienstleitungen sind allerdings kaum oder gar nicht zu finden.

 

Unsere Ziele

Caritas Schweiz baut ein temporäres soziales Sicherheitsnetz für schutzbedürftige Haushalte von Migrantinnen und Migranten sowie Libanesinnen und Libanesen in Beirut und Mount Libanon auf. Ziel ist, Familien zu unterstützen, die einen unerwarteten gesundheitsbezogenen und damit zusammenhängenden sozio-ökonomischen Schock erlitten haben, damit sich ihr physischer und psychischer Gesundheitszustand verbessern kann und sie sich wirtschaftlich erholen können. Dadurch reduziert sich auch die Gefahr, dass diese Familien aufgrund ihrer Notlage auf negative Bewältigungsstrategien zurückzugreifen, wie Verschuldung, gefährliche Arbeit, Kinderarbeit oder Kinderehen.

 

Unsere Wirkung

Caritas Schweiz ermöglicht gemeinsam mit ihrer langjährigen Partnerorganisation Caritas Libanon Zugang zu ärztlicher Behandlung durch eine subventionierte Deckung der Spitalkosten und Bargeldhilfen zur Genesung, um Flüchtlinge und Libanesinnen und Libanesen vor den Folgen kurzzeitiger gesundheitsbezogener Schocks zu bewahren.

212 Patientinnen und Patienten sowie ihre Familien (gesamthaft 1'060 Einzelpersonen) profitieren davon, dass ihre Spitalbehandlungskosten übernommen werden. Je nach Art des Falls variiert der Betrag für die Behandlungskostenübernahme zwischen USD 400 und USD 1’000 und wird entweder direkt an das Spital oder an den Patienten/die Patientin ausgezahlt.

Unterstützte Haushalte benötigen keine Privatversicherung und werden je nach erlittenem gesundheitsbezogenen Schock ausgewählt. Ihr Gesundheitszustand muss entweder in akuter Gefahr oder lebensbedrohend sein bzw. sie daran hindern, ihren Tätigkeiten zur Sicherung der Existenzgrundlage nachzugehen. Erfahrene Gesundheits- und Sozialarbeitende werden die Haushalte aufsuchen, um die medizinische und sozio-ökonomische Familiensituationen zu eruieren und eine Entscheidung über die Einbeziehung der Haushalte in das Projekt zu treffen. Ein wichtiges Kriterium für die Auswahl der Familien ist das Fehlen eines laufenden Einkommens.

Während der Genesung von dem gesundheitsbezogenen Schock werden die 212 Haushalte mit drei monatlichen Bargeldtransfers in Höhe von jeweils USD 100 unterstützt, damit sie ihre Lebensmittel- und Sachgüter-Grundbedürfnisse decken können. Die Bargeldtransfers werden über einen lokalen Finanzdienstleister abgewickelt.

Bei den Hausbesuchen evaluieren ausgebildete Sozialarbeitende auch den mentalen Gesundheitszustand der Patientinnen und Patienten und ihrer Familien. Bis zu 900 psychologische Unterstützungssitzungen kommen denjenigen Menschen zugute, die diese psychologische Unterstützung durch Fachkräfte der Haupt-Gesundheitszentren von Caritas Libanon am meisten benötigen. 5-6 ausgewählte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Caritas Libanon werden in Trauma-Behandlung fortgebildet, um ihr Tätigkeitsgebiet durch Kenntnisse über psychische Gesundheit zu erweitern.

 

Themen und Ansätze

In harter Währung ausgezahlte Bargeldhilfe ist eine effektive und effiziente Unterstützung, die es Familien ermöglicht, ihre dringlichsten Bedürfnisse gemäss ihren eigenen Prioritäten zu decken. Sie wahrt nicht nur die Würde der Haushaltsmitglieder, sondern sichert auch den Wert des in den Libanon transferierten Geldes. Interne Empfehlungen (von Caritas Libanon) und externe Empfehlungen (von anderen Hilfswerken und Akteuren) können bei der Auswahl der sozial schwachen Haushalte berücksichtigt werden.

 

Projekt P220032

Thema
Migration


Projektdauer
15.03.2022 – 14.09.2022


Budget
385'404 Schweizer Franken


Projektgebiete
Beirut/Mount Libanon


Zielgruppen
1’060 vulnerable syrische und libanesische Familien, die von einer Gesundheitskrise und dem damit verbundenen sozio-ökonomischen Schock betroffen sind


Finanziert durch
DEZA, Americares

 

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