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Libanon

Einkommensförderung für Bauern und landwirtschaftliche Arbeiter

Schätzungsweise über die Hälfte der Menschen, die im Libanon leben, sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Die Bekaa-Ebene beherbergt über einen Drittel aller syrischen Geflüchteten im Libanon. Sie ist sehr fruchtbar, aber es fehlt unter anderem an guten Nacherntemethoden. Eine neue Nacherntevertriebsanlage für Kartoffeln hilft syrischen und libanesischen Bauern dabei, mehr Erträge zu erwirtschaften. Ausserdem unterstützt dieses Projekt die Weiterbildung von Landwirten und schafft durch die Inbetriebnahme der Anlage Stellen für wenig qualifizierte Arbeitssuchende.

 

Land / Region / Ort
Libanon / Bekaa-Ebene


Zielgruppe
250 Haushalte von syrischen Geflüchteten und Libanesen
1,225 Personen (53% Syrer / 47% Libanesen)


Mittelbedarf
595'855 Schweizer Franken


Projektdauer
15.05.2018 bis 31.05.2019


Projektnummer
P180051


Projektziel
Der neu geschaffene Zugang zu einer Nachernteverarbeitungsanlage für Kartoffeln sowie Wissensvermittlung zur Ertragssteigerung stärken die Resilienz und erhöhen das Einkommen von Bauern und landwirtschaftlichen Arbeitern.


Projektverantwortlicher
Richard Asbeck, Tel: 041 419 22 29, rasbeckto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung
Katastrophenhilfe Ausland

 
 

Worum geht es?

Der Konflikt in Syrien hat weitreichende Auswirkungen auf die politische, soziale und wirtschaftliche Lage im Libanon. Seit Beginn des Konfliktes sind Armutsrisiko und humanitäre Bedürfnisse rasant gestiegen. Die Vereinten Nationen schätzen, dass 3,3 der 5,9 Millionen (56%) im Libanon ansässigen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Dazu gehören 1,5 Millionen Libanesen, 1,5 Millionen Syrer und 0,3 Mio. Palästinenser. Der plötzliche Bevölkerungsanstieg hat den Druck auf das öffentliche Schul- und Gesundheitswesen erhöht. Hohe Arbeitslosigkeit und weit verbreitete Arbeit im informellen Sektor bestanden zwar schon vor dem Konflikt; nach dem Zuzug von Geflüchteten steht der Libanon jedoch vor grossen Herausforderungen.

Inzwischen hat sich die Situation von syrischen Geflüchteten und armutsbedrohten Libanesen verschlimmert. 87% der Syrer im Libanon haben sich verschuldet und 76% leben unter der Armutsgrenze. Inzwischen haben sie ihre Ersparnisse aufgebraucht und können nur noch mit Mühe ihre Grundversorgung an Nahrungsmitteln, Unterkunft, Gesundheitsversorgung und Bildung decken. Die stetig abnehmende internationale Hilfe und der fehlende Zugang zu Erwerbsmöglichkeiten haben ihre Situation extrem verschärft.

Das vorliegende Projekt ist in der Bekaa-Ebene angesiedelt, welche an Syrien grenzt und 36% aller im Libanon registrierten syrischen Flüchtlinge beherbergt. Mit ihren fruchtbaren Böden und ganzjähriger Wasserversorgung zählt die Bekaa-Ebene zu den wichtigsten und vielseitigsten landwirtschaftlichen Gebieten des Libanon. Dennoch ist es für viele Kleinbauern schwierig, einen landwirtschaftlichen Betrieb aufrechtzuerhalten. Zu den dringendsten Herausforderungen gehören die hohen Kosten für Saatgut und Dünger sowie die fehlende Anwendung von optimierten Nacherntepraktiken. Bauern könnten allerdings ihre Einkommen durch eine verbesserte Sortierung, Reinigung und Verpackung von Ernteprodukten deutlich steigern. Jedoch fehlen derzeit innovative Impulse, um Anbaumethoden zu verbessern und neue Technologien einzuführen. Weiterhin erleiden die Landwirte in der Bekaa-Ebene Einkommenseinbussen, da der Krieg in Syrien den traditionellen Export auf dem Landweg durch Syrien verhindert.

Im Rahmen dieses Vorhabens wird eine Nachernteverarbeitungsanlage für Kartoffelbauern in dem Dorf Ghazze errichtet. In der Umgebung von Ghazze werden vornehmlich Kartoffeln angebaut und über leicht zugängliche Hauptverkehrsachsen an die lokalen Märkte geliefert. 

 

Was tun wir?

Zu Beginn der Syrienkrise konzentrierte sich die internationale Hilfe ausschliesslich auf eine direkte überlebenswichtige Unterstützung von Geflüchteten und von schutzbedürftigen Mitgliedern der aufnehmenden Gemeinden. Diese Art von Unterstützung umfasste Geldzahlungen, Nahrungsmittelpakete und die Bereitstellung von Unterkünften. Die anhaltende Krise erfordert jedoch zusätzlich einen langfristigeren Ansatz, um die Resilienz der Betroffenen systemisch und individuell zu stärken. Vorliegendes Projekt leistet daher einen Beitrag zur Stärkung der Resilienz von Kartoffelbauern in der Bekaa-Ebene durch Einkommenssteigerung. Zusätzlich schafft dieses Projekt auch temporäre Arbeitsplätze für Geflüchtete und bietet hierdurch eine mittelfristige Unterstützung zur Deckung von Grundbedürfnissen.

Um dieses Ziel zu erreichen, nehmen Caritas Schweiz und der lokale Partner, die Gewerkschaft Landwirtschaftlicher Arbeiter (GLA), eine Nachernteverarbeitungsanlage für Kartoffeln in Betrieb. Die Anlage hat eine Verarbeitungskapazität von 3'500 t Kartoffeln pro Saison, wodurch der Wert der Ernte von mindestens 30 libanesischen und syrischen Bauern um bis zu 20% gesteigert wird. Parallel dazu wird die GLA bei der Weiterbildung von Landwirten unterstützt, um die Quantität und Qualität der Kartoffelernte zu erhöhen. Laut einer von der Caritas in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie wird die Anlage drei Jahre nach Inbetriebnahme selbsttragend sein. Der Ertrag wird von der Gewerkschaft zur Querfinanzierung von Dienstleistungen für ihre Mitglieder reinvestiert, wozu auch Versicherungsleistungen gegen Krankheit und Ernteausfall gehören.

Die Vermittlung von technischem Wissen und Weiterbildung in Betriebswirtschaft durch die GLA soll mindestens 235 Bauern zugutekommen. Das verbesserte Verständnis von Saatgut, Dünger, Schädlingen und Pestiziden sowie die Wertsteigerung durch optimierte Nacherntepraktiken wird die Produktivität der Landwirte in den ersten Jahren nach Projektbeginn um etwa 10% steigern. Dadurch werden ihre Einkommen nachhaltig verbessert.Zudem werden durch die Inbetriebnahme der Nachernteverarbeitungsanlage Stellen für wenig qualifizierte Arbeitssuchende geschaffen. 12 syrische Flüchtlingshaushalte erhalten dadurch ein sicheres und würdevolles Auskommen. Zwei Haushalte werden permanent angestellt und die restlichen zehn werden während der viermonatigen Erntezeit temporär beschäftigt. Hierdurch entstehen insgesamt 64 Monatseinkommen für die begünstigten Haushalte.

Insgesamt verbessert dieses Projekt das Einkommen von mindestens 367 Haushalte von Landwirten und Arbeitern, wovon 1'800 Menschen profitieren. Etwa die Hälfte der Haushaltsmitglieder sind weiblich und 50% sind Kinder. Die Unterstützung von Caritas Schweiz finanziert die Aufbauphase eines nachhaltigen Projekts mit einer sozialen Komponente, welches längerfristig eine bleibende Einkommensverbesserung von Kartoffelbauern und landwirtschaftlichen Arbeitern in der Bekaa-Ebene erzielt.

 

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