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Uganda

Existenzsicherheit für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern

In der ugandischen Region Teso können die meisten Bauern und Bäuerinnen nur gerade ihren Eigenbedarf an Nahrungsmitteln decken. Auch das schnelle Bevölkerungswachstum und klimatische Veränderungen gefährden die Ernährungssicherheit. Um diese wieder zu stärken, hat die Caritas sogenannte Clan Investment Units einberufen. Die Mitglieder dieser Einheiten werden in nachhaltigen Anbautechniken, Freiland-Hühnerzucht, Kleinsparen und Schlichtung von Konflikten geschult. 

 

Land / Region / Ort
Uganda, Teso-Region


Zielgruppe
1’600 Kleinbauern, Frauen und Männer, und ihre insgesamt rund 12'800 Familienmitglieder


Mittelbedarf
599‘499 Franken


Projektdauer
01.11.2017 bis 31.10.2020


Projektnummer
P170095


Projektziel
Ernährungssicherheit und Zugang zu Einkommen für Kleinbauern und deren Familien mittels nachhaltiger und effizienter landwirtschaftlicher Produktion sowie der Vermarktung ausgewählter Erzeugnisse


Projektverantwortliche
Kathrin Wyss, Tel. 041 419 22 39; kwyssto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung
Afrika / Lateinamerika

 
 

Worum geht es?

Die Gesellschaft sowie die soziale und wirtschaftliche Infrastruktur weiter Gebiete im nördlichen Osten Ugandas sind nachwievor gezeichnet von den Folgen verschiedener kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen der Regierung, der Lord Resistance Army oder der Uganda People‘s Army, sowie den Folgen bewaffneter Viehdiebstähle durch die Volksgruppe der Karimojong zeichnen nach. Ein Grossteil der Bevölkerung wurde intern vertrieben und erlebte massive Gewalt und Entbehrung.

Zwischen 2012 und 2017 stieg die Zahl der von Armut betroffenen Uganderinnen und Ugander von 20 auf 27 Prozent – trotz einer schnell wachsenden Wirtschaft. Prekär ist die Lage vor allem im Projektgebiet, in der Region Teso, wo bis zu 84 Prozent der Menschen in Armut leben. Hier sind die meisten Menschen abhängig von Subsistenz-Landwirtschaft, doch ist die Nahrungsproduktion zunehmend beschränkt. Landkonflikte und der damit verbundene fehlende Zugang zu Land sowie eine rasant wachsende Bevölkerung und klimatische Veränderungen setzen die Ernährungssicherheit und die Einkommensgrundlage der Menschen unter Druck. Dazu kommt, dass die Regierung des Landes von autoritärer Politik und Patronage geprägt ist und staatliche Dienstleistungen durch Korruption massiv geschwächt werden. All diese Herausforderungen führen jedoch auch zu einer ständigen Zunahme der Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten. Mit dem Einsatz ökologisch nachhaltiger Anbau- und Haltungsmethoden liesse sich die Situation der betroffenen ländlichen Bevölkerung langfristig verbessern, indem sie nicht nur ihren unmittelbaren Eigenbedarf besser abdecken, sondern Überschüsse erwirtschaften und gewinnbringend vermarkten könnten.

Die Familie und der Klan prägen nach wie vor die gesellschaftliche Ordnung. Sie sind die wichtigsten sozialen Bezugsrahmen für den Einzelnen und befördern Identität und Vertrauen. Gleichzeitig kontrollieren die Klans das Land und dessen Verteilung, und damit ein, wenn nicht das momentan wichtigste, wirtschaftliches Kapital. Rund 90 Prozent des Landes in Norduganda gehört damit der Gemeinschaft und untersteht offiziell dem Gewohnheitsrecht. Das heisst, dass Übertragung und Vollzug von Landrechten oden traditionellen Autoritäten obliegen, namentlich den Oberhäuptern der einzelnen Klans. Bei Konflikten sind es dieselben Autoritäten, die Recht sprechen. Das Gewohnheitsrecht ist ein faires und unparteiisches System, das allen Gesellschaftsmitgliedern ohne Unterschied Landrechte zugesteht. Durch die Einbindung der Klan-Strukturen auch in wirtschaftliche Aktivitäten könnten diese kollektiv gesteuert und kontrolliert werden und erhielten grösseren Einfluss und Macht, letztlich im allgemeinen Interesse ihrer Mitglieder.

Die Teso Initiative for Peace (TIP), eine nordugandische Nichtregierungsorganisation, hat ein höchst innovatives Klan-Kooperativen-System entwickelt, das Teso Livelihoods Support Project (TELIS), das sie im Rahmen des vorliegenden Projekts im Distrikt Soroti in der Teso-Region umsetzt. Dabei geht es um die systematische Stärkung von technischem Knowhow, um umweltschonend die gängigsten landwirtschaftlichen Konsumgüter für den Eigenkonsum zu produzieren und über die Freilandzucht und den Verkauf von Hühnern und Eiern monetäres Einkommen zu erwirtschaften und effektiv zu verwalten. Ausserdem soll der Landzugang gesichert werden durch die friedliche Lösung von Landkonflikten, einschliesslich der Identifizierung, Demarkierung und Kartographierung von umstrittenen Landgrenzen. Witwen und geschiedene Frauen sowie benachteiligte Kinder und Jugendliche geniessen besondere Aufmerksamkeit.

 

Was tun wir?

Das Projekt zielt auf die nachhaltige und inklusive Stärkung und Sicherung der Existenzgrundlage von rund 1'600 Subsistenz-Haushalten. Um dies zu erreichen baut es auf die unter den Iteso und Kumam Völkern in Soroti stark verwurzelten Klanstrukturen, die in 80 sogenannten Clan Investment Units (CIU) organisiert werden. Jede CIU besteht aus 20 Mitgliedern, die in den Bereichen nachhaltige und klimaresistente landwirtschaftliche Anbautechniken, Freiland-Hühnerzucht, Kleinsparen, und Mediation von Landkonflikten geschult werden. Die CIUs werden mit Saatgut, Setzlingen und Schösslingen ausgerüstet und durch Agrar-Expertinnen und -Experten in der praktischen Umsetzung des neuen Wissens begleitet. Deren Ernte, so die Erfahrung, wird um 50 Prozent steigen, und damit entscheidend zur Ernährungssicherheit der beteiligten Haushalte beitragen.

Um nicht nur die Subsistenzgrundlage zu verbessern, sondern auch Einkommen zu generieren, setzen die CIUs auf Hühnerzucht und die kollektive Vermarktung von Hühnern und Eiern. Da den meisten Familien in Soroti nur kleine Landstücke zur Verfügung stehen, deren Ernte knapp ihren Haushaltsbedarf deckt, bietet die Freilandhühnerzucht die Möglichkeit, mit kleinster Investition und dem gezielten Einsatz von Wissen und Technik einen vergleichsweise hohen Profit zu erwirtschaften. Die Nachfrage nach Hühnerprodukten ist gross, die ökologische Produktion, d.h. die «lokalen» Hühner werden im Vergleich zu den «exotischen» Tieren aus den Massenhaltungen im Zentrum und Süden des Landes immer mehr geschätzt. Die CIUs werden ausserdem in Entrepreneurship geschult und bei der Verhandlung von profitablen Marktzugängen unterstützt, sowie bei der Entwicklung von Kleinstspar- und Kreditmechanismen beraten. Durch diese Massnahmen wächst das Netto-Einkommen der beteiligten Haushalte um rund das Doppelte.

Damit sich schliesslich die CIUs als effiziente und effektive Klan-Kooperativen auf dem Markt behaupten, und die Interessen ihrer Mitglieder durchsetzen können, erhalten sie auch auf institutioneller und organisatorischer Ebene Unterstützung. Dabei geht es vor allem um den konstruktiven Umgang mit Gruppendynamiken, die Sicherstellung von Qualität und Standards, gezielte Advocacy, und vor allem auch um nachhaltiges und gerechtes Landmanagement und die erfolgreiche Vermittlung und Lösung von Konflikten. 

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