Tschad

Erdnuss-, Sesam- und Karité-Wertschöpfungsketten werden aufgebaut

Veränderte klimatische Bedingungen, mangelndes landwirtschaftliches Gerät und Know-how und der fehlende Zugang zu den Märkten führen im Tschad dazu, dass die Ernteerträge gering sind. Gemeinsam mit Partnern setzt Caritas in den Regionen Moyen Chari, Mandoul und Logone Oriental auf den Ausbau der Wertschöpfungskette von Erdnüssen, Sesam und der Karitéfrucht (Sheanuss). Verbessertes Saatgut und angepasste Technologien steigern die Qualität und Quantität der Ernten. Über Dachorganisationen werden die Bauernfamilien betreut, sie können ihre Produkte besser vermarkten und durch Kleinkredite Geräte anschaffen. 

 

Land/Region/Ort:
Tschad, Provinzen Moyen-Chari, Mandoul und Logone-Orientale


Zielgruppe:
93'942 Haushalte, 705’000 Personen (davon 366'600 Frauen)


Budget:
8‘494‘535 Schweizer Franken


Projektdauer:
bis 30.06.2023


Projektnummer:
P190025


Projektziel:
Lokale Produzenten von Karité, Erdnüssen und Sesam erzielen durch funktionierende Wertschöpfungsketten und eine bessere Marktanbindung höhere Einkommen und profitieren von verbesserten Lebensbedingungen. Sie werden dabei von Kooperativen unterstützt, die ebenfalls einen Beitrag zur verbesserten Qualität der Produkte beitragen.


Projektverantwortliche:
Sabine Schild, Tel: 041 419 23 48; sschildnot shown@caritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung:
Afrika / Lateinamerika

 
 

Worum geht es?

Tschad ist das grösste Binnenland auf dem afrikanischen Kontinent. Gemäss dem Human Development Index des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) lag das Land 2018 auf Rang 186 von 189 Ländern und ist somit eines der ärmsten der Welt. Die Wirtschaft hängt von der Öl-Industrie ab, wobei sinkende Preise die Regierungsausgaben drücken und die Verschuldugn erhöhen. Die grosse Mehrheit der Bevölkerung ist jedoch in der Landwirtschaft tätig. Die zentrale Lage im Sahelgürtel macht den Tschad strukturell anfällig für Ernährungsunsicherheit und Wasserknappheit. Gleichzeitig stellt er damit für Migranten aus unsicheren Nachbarländern ein mögliches Fluchtziel dar. Zwei Drittel der Bevölkerung des Tschad können weder lesen noch schreiben, und lediglich die Hälfte der Menschen hat Zugang zu sauberem Trinkwasser. Dazu kommt die Geschlechterungleichheit. Frauen werden stark diskriminiert.

Das Projekt ist im südlichen Tschad in den Provinzen Logone-Oriental, Mandoul und Moyen-Chari angesiedelt, die grundsätzlich über ein grosses landwirtschaftliches Potenzial verfügen. In den letzten Jahren litt die Region aber vermehrt unter den Auswirkungen des Klimawandels, der Verschlechterung der Qualität der Böden und den zahlreichen Krisen in der benachbarten Zentralafrikanischen Republik. Die ärmsten lokalen Bevölkerungsgruppen haben grosse Schwierigkeiten, sich an die laufend veränderten Umstände anzupassen. Der Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen, zur Deckung der Grundbedürfnisse (Wasser, Gesundheit, Bildung und Nahrung), ist für einen grossen Teil der Bevölkerung nicht gewährleistet oder mit grossen Mühen verbunden. Besonders für junge Menschen sind die wirtschaftlichen Schwierigkeiten beträchtlich. Ihre Chancen auf eine geregelte formelle Anstellung sind gering und die Arbeitslosigkeit hoch. Lokale Ausbildungszentren sind rar, haben wenig Kapazität und sind für Interessierte oft weder physisch noch finanziell zugänglich. Zusammen mit dem eingeschränkten Zugang zu Land hat dies zu einem beispiellosen Exodus von jungen Erwachsenen aus den ländlichen Gebieten in Grossstädte geführt.

Neben den schwierigen klimatischen Bedingungen und den damit verbundenen stark schwankenden Erträgen, stellen auch die schlechte Infrastruktur,  fehlende Vermarktungsstrukturen, der Mangel an verbessertem Saatgut, schlecht angepasste Anbautechniken sowie die ungenügende technische Ausrüstung der landwirtschaftlichen Produzenten Gründe für die geringeren Erträge der letzten Jahre und den schlechten Absatz der Produkte dar.

Caritas Schweiz engagiert sich seit vielen Jahren im Tschad. Nachdem sie in den 70er-Jahren vorwiegend im humanitären Bereich gearbeitet hatte, engagierte sie sich in den 80er-Jahren zunehmend in der Entwicklungs-zusammenarbeit. Mit diesem Projekt werden Massnahmen eines vorhergehenden Projekts nahtlos weitergeführt, das zwischen 2015 und 2019 in denselben Provinzen und mit denselben Partnern ebenfalls im Bereich Ernährungs-sicherheit umgesetzt wurde. Die Interventionen von Caritas Schweiz im ländlichen Bereich basieren dabei alle auf zwei zentralen Ansätzen: der Förderung der nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen sowie der lokalen wirtschaftlichen Entwicklung. 

 

Was tun wir?

Das Projekt hat zum Ziel, die Wertschöpfungsketten Erdnuss, Karité und Sesam in den südlichen Provinzen Moyen-Chari, Mandoul und Logone-Oriental in Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren und den tschadischen Behörden zu fördern. Das Projekt wird im Mandat für die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) des Schweizer Aussendepartements umgesetzt und sieht eine Laufzeit von zwölf Jahren vor. Nachdem die erste Projektphase von vier Jahren im Juni 2019 endet, startet im Juli 2019 die zweite Phase (2019-2023).

In der ersten Projektphase zwischen 2015 und 2019 wurden über 100 Kooperativen dabei unterstützt, ihre Strukturen zu formalisieren und sich besser zu organisieren. Durch den koordinierten Verkauf von Erdnüssen, die Lagerhaltung sowie den Aufbau eines Informationssystems über die Entwicklung der Märkte und deren Preise konnte die Position der Kooperativen generell und in den Preisverhandlungen mit den Händlern verbessert werden. Die Einkommen der Kleinproduzenten sind dadurch gestiegen und die Transparenz in der Verteilung der Einnahmen der Kooperativen wurde erhöht. Daneben konnte die wirtschaftliche Situation von Frauen, die sich in der Verarbeitung von Kariténüssen engagierten, verbessert und ihre Unabhängigkeit gestärkt werden. Zudem führten Sensibilisierungsaktivitäten zu einem besseren Schutz der Karitébäume und zur Anpflanzung von neuen Setzlingen. Die Zusammenarbeit der Produzentinnen und Produzenten von Karité mit den lokalen Forstbehörden konnte ebenfalls verbessert werden.

Die zweite Projektphase (2019 – 2023) sieht vor, die erreichten strukturellen Verbesserungen auf einen dritten Sektor auszudehnen. Das grösste Potential in den drei Regionen hat Sesam. Neben der Aufnahme der Wertschöpfungskette Sesam wird ein stärkerer Fokus auf die nachhaltige Produktion landwirtschaftlicher Produkte gelegt und die Professionalisierung der Kooperativen, Kleinproduzenten/-innen und der Akteure in der Produkteverarbeitung vorangetrieben. Zudem ist die teilweise Umstellung auf eine biologische Produktion angedacht. Weiter kommen die Optimierung der Qualität und die Anwendung von Qualitätsstandards, angepasstes Saatgut sowie die verbesserte Bodenfruchtbarkeit, der Ausbau der unternehmerischen Fähigkeiten und der mögliche Anschluss an den internationalen Markt als geplante Massnahmen dazu.

Das Projekt reiht sich ein in die drei aktuellen Arbeitsfelder des Landesprogramms Tschad (2017-2020): «Ernährungssicherung und Märkte», «DRR und Klima» und «Humanitäre Hilfe». Die Projektinhalte führen dabei nahtlos die Bestrebungen der ersten Phase des DEZA-Mandats «Soutien au développement des filières karité et arachide au Tchad» (SODEFIKA) weiter. Zudem profitiert das Projekt von Synergien mit anderen Projekten von Caritas Schweiz, die ebenfalls im Tschad und teilweise sogar in denselben Provinzen realisiert werden. Dies ist einerseits das DEZA-Mandat zu Bildung und Einkommen (FORMI) und andererseits das Projekt zur nachhaltigen Verbesserung der Lebensbedingungen der einheimischen Bevölkerung und von Vertriebenen, unterstützt durch die Europäische Union (DIZA). Alle gegenwärtigen Projekte von Caritas Schweiz werden mit verschiedenen teilweise langjährigen lokalen Partnern umgesetzt. Die zweite Phase des SODEFIKA-Projekts hat eine Laufzeit von vier Jahren. Caritas Schweiz übernimmt im Konsortium mit Swissaid die Leitung und damit die volle Verantwortung der Implementierung.

 

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