Navigation mit Access Keys

 
Mali

Mit Mais die Existenz von Bauern sichern

Rund 80 Prozent der Bevölkerung Malis leben von der Landwirtschaft. Oft reicht die Produktion nur für den Eigenbedarf, doch ist diese durch klimatische Veränderungen und Bodenerosionen zunehmend gefährdet. In der Region Kayes im Kreis Kita setzt Caritas auf den Ausbau von Mais, der hohes Ansehen geniesst und einfach anzubauen ist. Ausgebildete Landwirtschaftsberater schulen die Bauernfamilien in ökologischen Anbaumethoden, Kompostierung und zu Düngemitteln. Die Vernetzung der Händler ermöglicht den Zugang zu den Märkten, und mit fairen Kreditsystemen können die Bauern landwirtschaftliche Produktionsmittel erwerben.

 

Land/Region/Ort:
Mali, Region Kayes: Kreis Kita


Zielgruppe:
5'905 Kleinbäuerinnen und -bauern der Region Kayes


Mittelbedarf:
572'832.29 Franken


Projektdauer:
1.1.2017 bis 31.12.2019


Projektnummer:
P160003


Projektziel:
Mit dem vorliegenden Projekt verbessern Kleinbäuerinnen und -bauern ihre Ernährungssicherheit durch den nachhaltigen Anbau und die bessere Vermarktung von Mais.


Projektverantwortliche:
Sabine Schild, Tel: 041 419 23 48; sschildto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung:
Afrika / Lateinamerika

 
 

Worum geht es?

Mali gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Gemäss des UNO-Entwicklungsindexes belegt das Land nur den 179. Rang von 188 Ländern. Galt Mali noch vor einigen Jahren als Vorzeigemodell für erfolgreiche Dezentralisierung, brachte ein Militärputsch im Frühjahr 2012 politische Instabilität mit grossen Auswirkungen auf die Sicherheitssituation. Nach dem Eingreifen internationaler Truppen und der Unterzeichnung des Friedensabkommens im Mai 2015 bleibt die Situation weiterhin angespannt.

Der Grossteil der mehr als 17 Millionen zählenden Bevölkerung lebt von Ackerbau, Viehzucht und Fischerei. Die Agrarwirtschaft schafft Arbeit und Einkommen für 80 Prozent der Bevölkerung. Produziert wird in erster Linie in Familienbetrieben für den Eigenbedarf, mit wenig technischer Ausrüstung und unzureichendem Wissen um geeignete Anbaumethoden. Dieser Ansatz stösst nun an seine Grenzen. Aufgrund klimatischer Veränderungen wie Dürre oder Überschwemmungen kommt es immer häufiger zu Ernteausfällen. Die Erosion der Böden trägt dazu bei, dass diese immer unfruchtbarer werden. Die Kleinbäuerinnen und -bauern haben kaum Zugang zum Markt, kennen die Marktpreise für ihre Produkte nicht, verkaufen ihre Produkte zu schnell und unter Wert und generieren dadurch wenig Einkommen. Die Vernetzung zwischen Produzenten, Weiterverarbeitungsindustrie, Transportunternehmen, Händlern und Konsumenten ist noch schwach ausgeprägt.

Das vorliegende Projekt findet in der Region Kayes im Kreis Kita statt. Der lehmige Boden in diesem Gebiet eignet sich gut für den Anbau von Baumwolle, Mais, Hirse und Reis. Allerdings sind die Böden auch sehr anfällig für die Erosion durch Wasser. In Kita wird im grossen Stil Baumwolle angepflanzt. Der massive Einsatz von chemischen Düngemitteln und Pestiziden verschlechtert die Wasser- und Bodenqualität. Viele Anbauflächen sind von einer fortschreitenden Austrocknung (Desertifikation) betroffen. Da der Anbau von Baumwolle sehr viel Ackerfläche benötigt, werden immer mehr Wälder abgeholzt. Die Weideflächen werden immer kleiner, was die Viehhaltung und die Bearbeitung des Bodens immer schwieriger macht. Die Reduktion von Brachland verkürzt die Regenerationszyklen des Bodens. Auf Seiten der grossen Baumwollproduzenten und des Staates gibt es keinerlei präventive oder begleitende Massnahmen. Die lokale Bevölkerung, vor allem die Kleinbäuerinnen und -bauern, kann kaum intervenieren.

Die Wertschöpfungskette von Mais bietet grosse Chancen. Während der letzten zehn Jahre erlebte sie einen Aufschwung aufgrund eines Projektes der Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion zur Aufwertung von ertragreichen Maissorten. Mais wird nicht nur als Grundnahrungsmittel für Menschen, sondern auch als Futter für Geflügel und Vieh genutzt. Der Mais lässt sich einfach anbauen und fügt sich gut in die Fruchtfolgen von Baumwolle, Sorgho und Hirse ein. Er wird auch immer öfters als Alternative zu Hirse und Sorgho konsumiert. Dies vor allem dann, wenn die anderen Ernten schlecht ausfallen oder in der Übergangszeit kurz vor der Ernte, wenn die Vorräte der vorherigen Ernte zu Neige gehen. Das Wissen um die Anbaumethoden wird meist traditionell in der Familie weitergegeben. Dieses Wissen ist teilweise nicht aktuell oder an neue Bedingungen angepasst. Dies führt dazu, dass ungeeignete Anbaumethoden und Fehler systematisch wiederholt werden. Die Kooperativen und Produzentenvereinigungen sind noch sehr jung und brauchen Beratung.

 

Was tun wir?

Das Ziel besteht darin, dass die Bevölkerung im Kreis Kita ihre Ernährungssituation langfristig selbst sichern kann. Da Mais viele Vorteile bietet, fokussiert sich das Projekt auf diese Wertschöpfungskette. Das Projekt unterstützt Bäuerinnen und Bauern dabei, bessere Ernteerträge durch angepasste Produktionstechniken zu erzielen. Die ökologische Verträglichkeit steht dabei im Vordergrund. Darüber hinaus werden sie gefördert, um für ihre Produkte einen besseren Zugang zum Markt zu erhalten. Das vorliegende Projekt knüpft an die Erfolge des Vorgängerprojekts an.

Die verbesserte Produktion erfordert angepasste Anbaumethoden, eine bestimmte technische Ausrüstung sowie die Nutzung von bestimmten Düngern. In der ersten Projektphase wurden ökologisch verträgliche Anbaumethoden entwickelt und mit den Zielgruppen getestet. Im vorliegenden Projekt werden die Erfahrungen besprochen, um häufige Probleme zu erkennen und geeignete Techniken zur Bearbeitung zu finden. Die in der ersten Phase ausgebildeten Landwirtschaftsberater werden zu den Themen Kompostierung und Einsatz von Düngemitteln weitergebildet. Es werden Materialien in lokalen Sprachen entwickelt, die die Landwirtschaftsberater bei der Ausbildung von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern anwenden können. Die in der ersten Projektphase besonders aktiven und dynamischen Bäuerinnen und Bauern werden nun im Rahmen von Produzentenvereinigungen mit technischem Gerät und Saatgut ausgestattet.

Um die Nutzung natürlicher Ressourcen besser zu organisieren, werden die Gemeinden dabei unterstützt, kommunale Abkommen zum Umgang mit natürlichen Ressourcen sowie Aktionspläne zu erarbeiten. Die kommunalen Komitees werden zu ihren Rollen und Verantwortlichkeiten ausgebildet. Sie erhalten auch Trainings zu Vermittlungsansätzen in Konfliktsituationen, um betroffene Akteure bei der Erarbeitung friedlicher Lösungen zu unterstützen.

Zu einem verbesserten Marktzugang gehört der Zugang zu Krediten, die Vernetzung mit Händlern und anderen wichtigen Akteuren sowie Einhaltung von Qualitätsstandards. Der Zugang zu Krediten wird durch ein sogenanntes warrantage-System verbessert. Die Bauern erhalten einen Kredit zu fair ausgehandelten Bedingungen, um Produktionsmittel zu kaufen. Als Sicherheitspfand für die Bank lagern sie ihre Ernte in einem Lagerhaus. Wenn die Marktpreise steigen, verkaufen sie ihre Produkte und zahlen der Bank den Kredit zurück. Auf diese Weise erzielen sie bessere Preise und können Rücklagen für Investitionen bilden. Ausgewählte Mitglieder der Verwaltungskomitees von Maiskooperativen werden zu diesem Kreditsystem ausgebildet. Zudem erhalten die Kooperativen ein Startkapital, um die notwendigen Lagerhäuser zu bauen und mit einem Anfangsbestand an Mais auszustatten. Ergänzend zum Kreditsystem werden die Produzentenverbände gestärkt, sodass sie Beziehungen zu agrarindustriellen Unternehmen und Händlern aufbauen. Durch den gemeinsamen Verkauf der Produkte der Kooperativen können sie dann Vorzugspreise verhandeln. Um ihre Produkte für Grosshändler und Exporteure interessant zu machen, erhalten die Kooperativen Trainings zu Qualitätsstandards für die Lagerung, Verarbeitung und Verpackung von Produkten.

Das vorliegende Projekt wird in Zusammenarbeit mit der lokalen Partnerorganisation ACORD Mali (Association de Coopération et de Recherche pour le Développement) umgesetzt. ACORD ist eine panafrikanische Nichtregierungsorganisation, die sich seit 1976 in verschiedenen Ländern Afrikas in den Bereichen Armutsbekämpfung und der sozialen Gerechtigkeit engagiert. Sie verfügt über eine langjährige Erfahrung in der Durchführung von Ernährungssicherungsprojekten im Interventionsgebiet und geniesst grosses Vertrauen der Bevölkerung.

Ersatzinhalte