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Palästina

Nachhaltige Verbesserung der psychischen Gesundheit

Die Zahl der psychisch Kranken in Palästina steigt immer weiter an, doch für die Behandlung fehlen Infrastruktur, Mittel und qualifiziertes Personal. Momentan helfen internationale Expertinnen und Experten aus, doch das ist teuer und nicht nachhaltig. Im Rahmen dieses Projekts bietet die Caritas eine Ausbildung in Psychotherapie angeboten. Ziel ist es, dass der Bevölkerung 30 psychologisch geschulte Personen zur Verfügung stehen, die mit der palästinensischen Kultur vertraut sind. 

 

Land / Region / Ort
Palästina / Westjordanland


Zielgruppe
Psychotherapeutische und psychosoziale Gesundheitsversorgung für mindestens 3,780 Patientinnen und Patienten; Gemeinschaften und Gesundheitsorganisationen (Sensibilisierung und Verbesserung des Wissens); Stärkung praktischer psychotherapeutischer Fähigkeiten von 30 Auszubildenden


Mittelbedarf
443’598 Franken


Projektdauer
01.09.2017 bis 31.12.2020 


Projektnummer
P170065


Projektziel
Die unter der Besatzung lebende palästinensische Bevölkerung erhält Zugang zu kultursensitiver und kontextspezifischer psychotherapeutischer und psychosozialer Betreuung, wobei Individuen, Gemeinden und Gesundheitsorganisationen von höherer Sensibilisierung innerhalb der Bevölkerung und vermehrter Qualifikation in dem Bereich mentaler Gesundheit profitieren. Die akademischen, klinischen und praktischen Fähigkeiten von 30 Ausbildungsteilnehmern und Ausbildungsteilnehmerinnen sind gestärkt.


Projektverantwortliche
Marion Schröder, Tel: 041 419 23 13, mschroederto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung
Asien / Europa

 
 

Worum geht es?

Die Besetzung der palästinensischen Gebiete Gaza und Westjordanland jährt sich 2017 zum 50ten Mal und bestimmt weiterhin massgeblich das Leben der palästinensischen Bevölkerung: Strassensperren und Barrieren, Festnahmen, militärische Aggressionen, der voranschreitende Ausbau illegaler Siedlungen, von Siedlern ausgehende Gewalttaten, der Weiterbau der Mauer, Hauszerstörungen und viele weitere Menschenrechtsverletzungen und Ungerechtigkeiten haben verheerende Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit der Bevölkerung. Während sich die physische Gesundheit während der letzten zwanzig Jahre verbessert hat, ist der mentale Gesundheitszustand der palästinensischen Bevölkerung deutlich schlechter geworden: Psychische und psychosoziale Krankheiten und Störungen wie Depressionen, Angststörungen, aggressive Verhaltensweisen und häusliche Gewalt nehmen stetig zu, wobei besonders betroffene Gruppen wie Flüchtlinge, Beduinen, Frauen und Kinder besonders betroffen sind und gleichzeitig oft aus finanziellen oder sozio-kulturellen Gründen verminderten Zugang zu Gesundheitsfürsorge haben. Insgesamt haben gemäss Schätzungen über 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung Bedarf an psychischer und psychosozialer Gesundheitsfürsorge und therapeutischer Unterstützung – womit psychische und psychosoziale Krankheiten und Störungen zu den am weitesten verbreiteten und am wenigsten beachteten Gesundheitsproblemen gehören. In der palästinensischen Bevölkerung herrscht ein Mangel an Kenntnis und Bewusstsein zu diesem Problem, zudem sind psychische und psychosoziale Krankheiten – und die, die darunter leiden – weiterhin mit einem starken Stigma behaftet.

Das bestehende Gesundheitssystem ist schlecht ausgerüstet, um den Bedarf an therapeutischer Intervention zu erfüllen: Die Infrastruktur ist ungenügend, die Mittel sind unzureichend, und es mangelt an qualifiziertem Personal. Obwohl auch die Palästinensische Autonomiebehörde bestätigt, dass dringend mehr Spezialistinnen und Spezialisten auf dem Gebiet benötigt werden, gibt es derzeit keine Strategie, die diese Lücke schliessen würde.

Zusätzlich zu der erforderlichen Erhöhung der Anzahl des spezialisierten Fachpersonal in der psychischen Gesundheitsfürsorge gibt es einen dringenden Bedarf an der Verbesserung der Ausbildung: Universitäten in Palästina bieten zumeist nur Bachelor-Studiengänge in Psychologie an. Auch von anderen bestehenden Programmen (Sozialarbeit und verwandte Felder) werden keine vertiefenden Trainings in psychischer Gesundheit für Postgraduierte angeboten. Zudem gibt es kaum die Möglichkeit einer kontinuierlichen Weiterbildung. Praktische Fähigkeiten, die notwendig und wichtig für die Arbeit mit psychisch Kranken und Belasteten sind, müssen sich Absolventinnen und Absolventen über mehrere Jahre durch kurzzeitige Trainingsprogramme verschiedener relevanter Themen und durch (nicht angeleitete) Arbeit in relevanten Einrichtungen erarbeiten. Diese Ausbildungslücke trägt zu dem Mangel an qualifizierten Psychotherapeutinnen und -therapeuten bei. Dieser Mangel wird momentan durch den Einsatz internationaler Expertinnen und Experten abgemildert, was jedoch teuer und nicht nachhaltig ist. Zudem sind die so ausgeführten Trainings und Behandlungen oft nicht dem spezifischen palästinensischen kulturellen, sozialen und geopolitischen Kontext angepasst. 

 

Was tun wir?

Das Ziel des Projektes ist die nachhaltige Verbesserung der psychischen und psychosozialen Gesundheitsfürsorge im Westjordanland für die von der Besatzung und den damit einhergehenden Belastungen betroffene palästinensische Bevölkerung.

Diese Verbesserung wird erzielt durch die bisher in der Region einzigartige duale Ausbildung in Psychotherapie von zwei Gruppen von je 15 Studierenden, die an einem langfristigen, vertieften und akkreditierten Psychotherapietraining teilnehmen (Gruppe 1: September 2017 –  August 2019; Gruppe 2: September 2018 – August 2020). Das Ausbildungsprogram wird unterstützt von der Al-Quds-Universität und verbindet akademische, klinische und praktische Elemente, wobei die Teilnehmer und Teilnehmerinnen während der Ausbildung unter Supervision therapeutische und psychosoziale Betreuung und Beratung für Individuen und Gemeinden anbieten. Nutzniesser dieses dreijährigen Ausbildungsprograms sind zunächst mindestens 3'780 Patientinnen und Patienten (inklusive Flüchtlinge, Kinder, Frauen und Beduinen), die direkt von den Beratungsangeboten der geschulten Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen profitieren.

Weiterhin Begünstigte sind etwa 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Organisationen, in denen die Ausbildungsteilnehmer tätig sind, da diese dort durch die Durchführung von internen Trainings ihr erworbenes Wissen innerhalb ihrer Organisation weitergeben.

Zusätzlich werden die Ausbildungsteilnehmerinnen und -teilnehmer in den jeweiligen Gemeinden ihrer Organisationen Veranstaltungen durchführen, um die Bevölkerung zu dem Thema mentale und psychosoziale Gesundheit / bzw. Probleme zu sensibilisieren und auch der damit verbundenen Stigmatisierung entgegenzuwirken. Hierbei werden ungefähr 1'800 Individuen erreicht, die dann auch über Hilfsangebote und -möglichkeiten sowie konstruktive Bewältigungsstrategien informiert werden.

Berücksichtigt man die derzeitig unzureichende Quantität und Qualität der verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten der palästinensischen Bevölkerung, wird diese postgraduale Ausbildung in Psychotherapie eine deutliche Verbesserung der derzeitigen Situation darstellen. Durch diese berufliche Weiterbildung lokaler Fachkräfte wird sichergestellt, dass dem palästinensischen Gesundheitssystem ein Pool von 30 qualifizierten Expertinnen und Experten dauerhaft zur Verfügung steht, die zum einen der Bevölkerung kultursensitive und kontextspezifische Betreuung anbieten können, und zum anderen selbst zur weiteren Qualifizierung von Gesundheitspersonal und zur Verbreitung von Best Practices-Verfahren beitragen können.

Zudem trägt das Projekt zu der Etablierung dieses dualen Ausbildungsprogramms bei, wobei mittelfristig eine geographische Ausbreitung (zum Beispiel in Gaza) sowie eine langfristige Verankerung in das Studienangebot der Al-Quds-Universität angestrebt wird, um den Pool an lokal ausgebildeten Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten stetig zu erweitern. So können das Leid und der Stress der unter tagtäglicher Besatzung lebenden Bevölkerung auch langfristig gemildert sowie ihre konstruktiven Bewältigungsmechanismen gestärkt werden.

 

 

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