Kambodscha

Kinder vor Menschenhandel schützen und Perspektiven schaffen

Viele kambodschanische Familien ziehen auf der Suche nach Arbeit in die grösseren Städte. Doch dort fehlt es an Arbeitsplätzen für schlecht ausgebildete Leute vom Land. Die Armutsspirale dreht sich weiter. Das Zusammenspiel von Armut, Verzweiflung, Verschuldung und doch Hoffnung auf ein besseres Leben ist der perfekte Nährboden für Menschenhandel und Ausbeutung, besonders in Kombination mit einem schwachen Rechtssystem. Kinder sind diesen Risiken besonders ausgesetzt: Sie werden an Bordelle verkauft, zur Arbeit oder zum Betteln gezwungen. Caritas rettet Kinder und Jugendliche, schützt sie und hilft, dass sie zu einem normalen Leben zurückfinden können.

 

Land / Region / Ort
Kambodscha / Poipet und Provinz Banteay Meanchey


Zielgruppe
3500 sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche, welche Opfer von Menschenhandel wurden oder einem hohen Risiko ausgesetzt sind


Mittelbedarf
Rund 672'000 Schweizer Franken pro Jahr


Projektdauer
Langfristige Kinderpatenschaft


Projektnummer
P200007


Projektziel
Sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche, Strassenkinder und Opfer von Menschenhandel erhalten umfassenden Schutz, können wieder zur Schule gehen und berufliche Perspektiven entwickeln. Ausserdem soll die Sensibilisierung von Kindern, Eltern und den Gemeinden sowie Lobbying bei lokalen Behörden zu einer nachhaltigen Verbesserung der Situation der Kinder führen.


Projektverantwortliche
Ethel Grabher, Tel: 041 419 23 52, egrabhernot shown@caritasto make life hard for spam bots.ch

 
 

Worum geht es?

Kambodscha erlebt ein Wirtschaftswachstum von jährlich sieben Prozent. Die Mittelschicht wächst, und es geht aufwärts in Kambodscha.

Leider nicht für alle.  Dürreperioden, Überschuldung und Armut treiben immer mehr auf dem Land lebende Familien – die überwiegende Mehrheit der kambodschanischen Bevölkerung – auf der Suche nach Arbeit in eine grössere Stadt. Doch es gibt auch in den Städten von Kambodscha kaum Arbeitsplätze für schlecht ausgebildete Leute vom Land. Als einziger Ausweg erscheint ein Job im Ausland, wo höhere Löhne locken. Insgesamt befinden sich gegenwärtig rund 1-2 Millionen kambodschanische Arbeiterinnen und Arbeiter allein in Thailand. Weniger als 10% wählen den legalen Weg, sondern gelangen über Schlepper oder Agenturen ins Ausland. Als illegale Migranten finden sich viele in der Rechtslosigkeit wieder und sind sowohl den Launen der Arbeitgeber wie der Behörden ausgesetzt.  

Die Lage ist prekär in Kambodscha. Das belegen die globalen Studien, deren Resultate jährlich erscheinen. Im Sklaverei-Index bringt es Kambodscha unter die Top-10. In kaum einem Land ist es einfacher, Menschen auszubeuten. Perspektivenlosigkeit und Not macht Menschen besonders verletzlich und zwingt viele Familien zu harten Entscheidungen und Lebensformen. Das Zusammenspiel von Armut, Verzweiflung, Verschuldung und doch Hoffnung auf ein besseres Leben ist der perfekte Nährboden für Menschenhandel und Ausbeutung, besonders in Kombination mit einem schwachen Rechtssystem. Auch im Menschenhandel-Index hat Kambodscha die Nase vorn. Es sind die Kinder, welche es besonders trifft. Der nationale Anteil der Kinderarbeit bei unter 14-jährigen liegt aktuell bei 36%, wobei der Anteil der Jugendlichen an der Gesamtbevölkerung knapp 50% beträgt.

In der Projektstadt Poipet ist die Teilnahme von Minderjährigen am Wirtschaftsleben noch wesentlich höher. Poipet liegt in der Provinz Banteay Meanchey im Nordwesten von Kambodscha und bildet den wichtigsten Grenzübergang des Landes zum benachbarten Thailand. 500'000-Einwohner-Stadt zieht als Stadt der Hoffnung jedes Jahr Tausende von Einzelpersonen und Familien an. Die Menschen migrieren aus ihren Dörfern hierher im Glauben, dass sie hier gut bezahlte Arbeit finden. Die Realität sieht anders aus. Sie enden als Handlanger, Träger oder Abfallsammler und hausen in einer teuer gemieteten Hütte in einem der wachsenden Elendsquartiere. Die Familien kämpfen mit Problemen wie wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung und häuslicher Gewalt. Kinder und Jugendliche als verletzlichste Gesellschaftsmitglieder sind solchen Ausbeutungsmechanismen besonders ausgesetzt. Wegen fehlender Bildung, Aufklärung sowie Mangel an Alternativen werden sie an Leib und Seele ausgenutzt oder geraten in die Fänge von Kinderhändlern.

Bei den Familien in Poipet handelt es sich zudem oft um unfreiwillige Rückkehrer, welche die thailändischen Behörden zurückschaffen - Hunderte jeden Monat, davon zehn Prozent Kinder. Nicht selten handelt es sich dabei um von ihren Eltern getrennte Kinder, oft Opfer von Menschenhändlern. Das macht komplizierte Familienzusammenführungen nötig – falls die Familien überhaupt ausfindig gemacht werden können. Oft jedoch sind die Kinder zu klein und können keine zielführende Auskunft geben. Für sie müssen geeignete Lösungen gefunden werden.

 

Was tun wir?

Damnok Toek (Khmer für «Regentropfen»), die Partnerorganisation von Caritas Schweiz, hat ihre Arbeit 1997 begonnen und ist seit 2001 als unabhängige, kambodschanische NGO registriert. Mit ihrem Programm leistet die Organisation Prävention, lebensrettenden Schutz und Reintegrations-Massnahmen für Kinder und Jugendliche, welche Opfer von Menschenhandel wurden oder einem hohen Risiko dafür ausgesetzt sind.

Seit 2015 unterstützt Caritas Schweiz das umfassende Programm von Damnok Toek. Sie finanziert es mit und begleitet die Organisation technisch und administrativ eng. Die laufende Finanzierungsphase umfasst 2020 und 2021. Das Programm besteht aus mehreren, sich gegenseitig ergänzenden Projekten. Die Caritas konnte die EU überzeugen, dem Programm Mittel aus dem Fond «European Instrument for Democracy and Human Rights» zur Verfügung zu stellen.

Informelle Schulbildung: Die Ausbildung passt sich der Realität der Kinder an: der Unterricht findet halbtags statt und ermöglicht so den Kindern, weiterhin an das Familieneinkommen beizutragen. Jährlich können etwa 150 der Kinder ins öffentliche Schulsystem integriert werden. Um deren langfristiges Einverständnis zu sichern, werden die Eltern miteinbezogen und über die Vorteile von Bildung informiert. Das Primarschulangebot wird ergänzt durch Kindergärten für die Kinder arbeitstätiger Eltern. Das Tagesangebot vermittelt Bildung und schützt die Jüngsten vor den Gefahren der Strasse. Täglich besuchen fast 500 Kinder das Bildungsprogramm.

Beratungsstelle für arbeitstätige Kinder in Poipet: Dieses Drop-in-Zentrum bietet minderjährigen Opfern von Menschenhandel eine Anlaufstelle. Das Zentrum wird auch von vielen arbeitstätigen Strassenkindern genutzt, um sich einige Stunden zu erholen von Gewalt, Ausbeutung und harter Arbeit auf der Strasse, um eine warme Mahlzeit zu sich zu nehmen oder zu duschen. Jährlich geniessen etwa 600 Kinder regelmässig eine Verschnaufpause im Drop-in Zentrum.

«Futures Employment Resource Centres» für Jugendliche: Die Beratungsstelle in Poipet bietet Jugendlichen aus einem schwierigen Umfeld relevante Informationen zu beruflicher Ausbildung. In enger Zusammenarbeit mit Betrieben der Privatwirtschaft vermitteln die «Futures» zudem Lehrstellen, Praktika und Jobs für Jugendliche. 

Präventions- und Reintegrationsprojekt «Safe Migration»: «Safe Migration» umfasst mehrere Komponenten. Zum einen bietet es Erstbetreuung für die etwa 500 Kinder, welche jedes Jahr als «illegale Migrantinnen und Migranten» aus Thailand deportiert und in Poipet den Behörden übergeben werden. Viele von ihnen sind schwer traumatisiert. Etwa 200 Kinder reisen unbegleitet. Soweit möglich und solange dies für das Kindswohl vertretbar ist, werden diese Kinder wieder mit ihren Verwandten zusammengeführt.

Ein wichtiger Teil der Arbeit von Damnok Toek besteht in Präventionsarbeit. Sozialarbeiter besuchen regelmässig die Familien in den Slums und in den Dörfern, um sie über die Risiken von schlecht geplanter Migration aufzuklären und sie über ihre Rechte und zur Verfügung stehende Dienstleistungen zu informieren. Eine mobile Bibliothek bietet Informationen über sicherere Möglichkeiten der Migration.

Koordination: Migration und Menschenhandel sind komplexe, grenzüberschreitende Phänomene und können nicht punktuell betrachtet und angegangen werden. Damnok Toek agiert deshalb in einem Netzwerk von staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen, welche sich auf verschiedene Aspekte rund um Migration und Menschenhandel spezialisiert haben. Dieses Netz wird gezielt gestärkt und die Koordination der verschiedenen Beteiligten verbessert.

 
 

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