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Indien

Kinderhandel unterbinden

In den ländlichen Gebieten von Indien werden viele Kinder vermisst. Diese Kinder fielen meist dem Kinderhandel zum Opfer. Es ist zentral, die Wahrnehmung der Bevölkerung gegenüber den Rechten der Kinder zu schärfen. Um die Kinder zu schützen, muss das ganze Dorf zusammenarbeiten.

 

Land/Region/Ort
Indien, Supaul, Araria und Katihar


Zielgruppe
Marginalisierte Jugendliche und Erwachsene aus 91 Dörfern


Mittelbedarf
823 680 Franken


Projektdauer
01.05.2016 - 30.04.2019


Projektnummer
P160032


Projektziel
Die Bevölkerung in 91 Dörfern in drei Regionen in Bihar weiss um die Risiken von Kinderhandel und kennt die Rechte der Kinder, dank Präventionsmassnahmen. Eltern und Kinder kennen die Fallstricke der Händler, die Bevölkerung ist vernetzt, unterstützt sich und ist aufmerksam. Heiraten sollen nicht unter 18 Jahren stattfinden. Knaben und Mädchen werden alle eingeschult - was keineswegs Praxis ist - und ihre Präsenz wird kontrolliert.


Projektverantwortlicher
Jan Gruss, Tel: +41 41 419 22 51, jgrussto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung
Asien/Europa

 
 

Worum geht es?

Obwohl Indien zu den grossen Wirtschaftsräumen der Welt gehört, leben im Land rund ein Drittel der Armen weltweit. Fast 70 Prozent der Bevölkerung leben von weniger als 2 USD/Tag und über 35 Prozent der Bevölkerung haben gar weniger als 90 Rappen pro Tag zur Verfügung. Obwohl die Gleichberechtigung aller Bürger und Bürgerinnen, die Abschaffung der Leibeigenschaft und Kinderarbeit, die Überwindung des Kastensystems vorbildlich in der Verfassung festgehalten sind, ist das Versprechen in der Praxis nicht eingelöst.

In Supaul, Araria und Katihar im nordindischen Bundesstaat Bihar führen ausgeprägte Feudalstrukturen auf dem Land zu erbitterten Auseinandersetzungen zwischen Grossgrundbesitzern, die ihre Interessen mit allen Mitteln verteidigen auf Kosten der Land- und Rechtlosen sowie der verarmten Landbevölkerung. Die Zielbevölkerung des Projektes setzt sich zusammen aus Musahars (Rattenesser-Kaste) und anderen Tiefkastigen aus 91 Dörfern, die als Billigarbeitskräfte von den Hochkastigen abhängig sind. Für letztere Bessergestellte ist es oft ein leichtes, Behörden zu bestechen, um auch an die für Verarmte vorgesehenen Entwicklungsprogramme heran zu kommen.

Die Verletzlichkeit der Bevölkerung ist gross: Die Lebensverhältnisse sind prekär, die Gesundheitssituation ist alarmierend, die Migration eine gängige Überlebensstrategie. Die Bevölkerung in den 91 Dörfern ist sehr jung. Wie bekannt, ist der Anteil an Mädchen im Verhältnis zu Jungen in Indien sehr tief, was ein «pull- Faktor» für Mädchenmissbrauch ist. Die Zahlen zu Kinderarbeit und verschwundenen Kinder sind beängstigend.

 

Was tun wir?

Es begann vor sieben Jahren bei den schweren Fluten im Supaul Distrikt in Bihar. Familien konnten während Monaten nicht in ihre Dörfer zurückkehren. Diese Notsituation in der Region von Supaul war der Einstieg für Caritas Schweiz im Kampf gegen Kinderhandel in Bihar. Eine Studie ergab, wie viele Kinder tatsächlich in den Dörfern vermisst wurden. Mit Blick auf die Zukunft wurden Frauengruppen gegründet und spezielle Kinderzentren eingerichtet, wo besonders Mädchen spielen, singen, lesen und schreiben lernten, und wo sie die schwierige Zeit nach den Fluten verarbeiten konnten. Die Arbeit in den Zentren hat viele Eltern überzeugt, dass für die Zukunft der Mädchen eine Ausbildung wichtig ist. Diese niederschwelligen Angebote werden nun in allen Dörfern aufgebaut, um alle Kinder zu erreichen und schrittweise einzuschulen. Es ist aus einer Studie in den älteren Dörfern bekannt, wie schwierig die Situation der Kinder und Jugendlichen ist, sie zeigte die Verletzlichkeit der Kinder und besonders der Mädchen auf: Viele Mädchen wurden vernachlässigt, nahezu ein Drittel der Kinder arbeitete und besonders viele Kinder galten als vermisst. Fast 40 Prozent der Kinder gingen nicht zur Schule, weil die Schulen schlecht funktionierten und weil viele von ihnen arbeiten mussten.

Es ist zentral, gegen die ausbeuterische Kinderarbeit, gegen die Verheiratung von Kindern und gegen den Kinderhandel vorzugehen und die Wahrnehmung zu den Rechten der Kinder in den Dörfern zu schärfen. Für eine Sensibilisierung ist der Einbezug der Dorfbevölkerung über Familien, Netzwerke und Frauengruppen entscheidend. Dorfkomitees werden aufgebaut, um den Schutz der Kinder sicherzustellen, die Ausbeutung durch Kinderarbeit sowie die Mechanismen des Kinderhandels zu kennen und zu wissen, was sie dagegen unternehmen können. Die Arbeit in den «alten Dörfern» war erfolgreich: Keines der Kinder ist in den letzten zwei Jahren in Supaul verschwunden, viele arbeitende Kinder wurden zurückgebracht und eingeschult. Die Qualität der Schulen wird heute von der Bevölkerung überwacht. Nun wird dieses Programm auf die Distrikte Kathihar und Araria ausgedehnt – und damit auch der Einfluss auf die Gemeinde- und Distriktbehörden und auf die bundestaatliche Ebene vergrössert.

Die indische Regierung hat für arme Familien Arbeitsprogramme vorgesehen, die den Haushalten 90 Tage Einkommen im Jahr sichern. Sie hat Sozialprogramme für Witwen, Schwangere, Kleinkinder und Schulkinder verabschiedet und Unterstützungen beschlossen – nur erreichen diese die Familien nicht, wenn die Dorfbevölkerung nicht organisiert und selbstbewusst auftritt. Die Partner von Caritas Schweiz setzen sich zum Ziel, diese Sozialprogramme der indischen Regierung Realität werden zu lassen und damit der Armut – einem zentralen Faktor im Kinderhandel – entgegenzuwirken.

Für die Kinder sind informierte und wache Dorfgemeinschaften sowie aktive Frauen- und Nachbarschaftsgruppen entscheidend. Dorfkomitees und Beobachtungskomitees werden geschult, kennen die Grundrechte der Kinder und stellen sicher, dass die Lehrer unterrichten, dass 90 Prozent der Kinder bis 2019 eingeschult werden, dass die Qualität des Unterrichtes verbessert wird und dass Rechte der Kinder respektiert werden. Sie werden unterstützt von «Barfussanwältinnen», um die Kontakte zur Dorfregierung, zu staatlichen Stellen und zu den Ordnungshütern gezielt anzugehen, zu vertiefen und um Vorstösse zu lancieren und Forderungen durchzusetzen. Last but not least lernen sie die Behörden in die Pflicht zu nehmen, damit sie bei Verletzungen der Grundrechte von Kindern und Jugendlichen ordnungsgemäss handeln.

 

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