Brasilien

Strassenkinder in Rio de Janeiro geben ihrem Leben eine neue Richtung

Bandenkriminalität, Prostitution, Drogen und Polizeigewalt gehören zum Alltag ungezählter Strassenkinder in Rio de Janeiro. Die Caritas bietet ihnen Zuflucht und hilft ihnen, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. Sie erhalten Sozial- und Rechtsberatung, Hilfe bei der Re-Integration in die Familie, Bildung, Freizeitangebote und Unterstützung bei der Arbeitssuche. 

 

Land / Region / Ort
Brasilien / Rio de Janeiro


Zielgruppe
1800 vulnerable Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen sechs und 24 Jahren sowie 500 Familien, welche sich am Leben und an den Aktivitäten ihrer Kinder in der Organisation beteiligen


Mittelbedarf
Rund 279 000 Franken pro Jahr


Projektdauer
Langfristige Kinderpatenschaft


Projektnummer
P200003


Projektziel
Die Lebensbedingungen von gefährdeten, sozial verwundbaren Kindern und Jugendlichen in der Stadt Rio de Janeiro sind verbessert.


Projektverantwortliche
Esther Belliger, Tel: 041 419 24 41, ebelligernot shown@caritasto make life hard for spam bots.ch

 
 

Worum geht es?

2018 waren rund 13 der insgesamt 210 Millionen Brasilianerinnen und Brasilianer arbeitslos (12,3% der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter) und jede fünfte Person (42 Mio.) lebt noch immer unter der Armutsgrenze von weniger als USD 5,5 am Tag.

Mit jährlich 64’000 Morden gehört Brasilien zu den gewalttätigsten Ländern der Welt und den von Finanzkrisen geplagten Behörden entgleitet vielerorts die Kontrolle, während das organisierte Verbrechen sich ausbreitet. Brasiliens Drogenkartelle sind internationale Player, denen der mit korrupten Beamten durchsetzte Sicherheitsapparat wenig entgegensetzen kann.

Im Februar 2018 übernahm das Militär die Verantwortung für die innere Sicherheit. Seither ist die Gewalt seitens der Polizeikräfte im Bundesstaat Rio de Janeiro kontinuierlich gestiegen. 1’534 Menschen wurden im vergangenen Jahr bei Polizeieinsätzen getötet – das ist die höchste Zahl seit das Institut für öffentliche Sicherheit 1998 anfing, diese Daten zu erheben. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation wird die Mordrate Brasiliens an Kindern und Jugendlichen nur noch von jener Mexikos und El Salvadors übertroffen. In Brasilien sind 54,9 Morde pro 100.000 Jugendlicher im Alter von 15 bis 19 Jahren zu verzeichnen. Im ersten Quartal 2019 wurden sogar noch mehr Menschen getötet als jemals zuvor. 

In den brasilianischen Grossstädten sind die Quartiere, in welchen die ärmsten Bevölkerungsgruppen leben, durch das Fehlen öffentlicher Dienste, Informalität und prekäre Arbeitsbedingungen, Alkohol- und Drogenmissbrauch und ein grosses Gewaltpotential auf den Strassen und in den Familien gekennzeichnet. Diese Situation führt dazu, dass Kinder und Jugendliche Opfer sexueller Ausbeutung werden, Kinderarbeit leisten oder im Drogenhandel eingesetzt werden, was sie extrem verwundbar macht und hohen sozialen Risiken aussetzt.

 

Was tun wir?

Unter den auf der Strasse oder in besetzten Häusern lebenden Personen sind insbesondere Kinder und Jugendliche sehr hohen Risiken ausgesetzt, weil sie kaum Zugang zu sozialen Diensten und Einrichtungen haben und ihre grundlegenden Rechte nicht gewährleistet sind. Viele dieser Jugendlichen sind zudem (funktionale) Analphabeten, da sie oft nicht einmal die Grundschule abgeschlossen haben. Dies und ihr ungeregelter Tagesablauf, Drogenmissbrauch und gewalttätiges Verhalten sind fast unüberwindliche Hindernisse für einen Eintritt in die Arbeitswelt.

Unsere Partnerorganisation, die Nonprofit-Organisation São Martinho, mit der Caritas Schweiz seit rund 35 Jahren erfolgreich zusammenarbeitet, kann auf über drei Jahrzehnte Erfahrung in der Arbeit mit Strassenkindern und -jugendlichen zurückblicken. Sie hat sich in diesem Zeitraum zu einer national und international anerkannten Fachorganisation auf ihrem Gebiet entwickelt. Das Projekt zielt auf die soziale Integration von Kindern und Jugendlichen von der Strasse, besetzten Häusern oder Armenvierteln von Rio de Janeiro ab. Dies geschieht durch Freizeitgestaltung, Anwaltschaft, Integration in den Arbeitsmarkt sowie Lobbyarbeit.

Das mobile Einsatzteam von São Martinho ist täglich auf den Strassen der Armenquartiere und Favelas von Rio unterwegs. Es verteilt den Kindern und Jugendlichen von der Strasse Lebensmittel und Hygieneartikel, führt vor Ort Workshops durch und informiert sie über das Dienstleistungsangebot der Organisation. Das Projekt bietet Kindern und Jugendlichen sportliche, kulturelle, Freizeit- und Bildungsaktivitäten an. Diese sollen ihnen eine Grundlage für die Entwicklung ihrer Autonomie und «Gesellschaftsfähigkeit» verschaffen und neue persönliche, soziale und berufliche Perspektiven eröffnen.

Vulnerable Kinder und Jugendliche werden in den Zentren der Organisation beraten und betreut. Ein interdisziplinäres Team von Fachleuten (Psychologinnen, Sozialarbeiter, Pädagoginnen, Juristen) kümmert sich um die Kinder und Jugendlichen, organisiert Treffen mit ihren Familien und führt in schwierigeren Fällen Hausbesuche durch. Überdies bietet es den Begünstigten und ihren Familien Sozial- und Rechtsberatung an und arbeitet mit ihnen individuelle Begleitungs- und Betreuungspläne aus. Das Team nimmt zudem bei Bedarf Überweisungen an spezialisierte Einrichtungen des (Kinder-)rechts-Netzwerks vor.

Der berufliche Vorbereitungskurs bereitet Jugendliche auf Berufsbildungsprogramme vor und beinhaltet technische (z.B. mündliche und schriftliche Kommunikation) wie auch verhaltensrelevante (z.B. Bewerbungstraining und Umgangsformen) Inhalte. Diese Aktivitäten zielen darauf ab, mit geeigneten Berufsbildungsmassnahmen die Beschäftigungsfähigkeit von sozial vulnerablen Jugendlichen zu fördern.

Um die Nachhaltigkeit der Organisation sicherzustellen, liegt ein Fokus des Projekts auf der Diversifizierung der Einkommensquellen und Formen der Mittelbeschaffung von São Martinho. Dazu wird die Fundraisingstrategie überarbeitet, das Telemarketing weiter professionalisiert und Kooperationsvereinbarungen mit Institutionen eingegangen, welche deren Angebot ergänzen um gemeinsame Eingaben bei nationalen und internationalen Gebern zu machen.

 

Ihre Patenschaft

 
Ersatzinhalt-Startseite-Standard-DE
 
 

Caritas Schweiz
Adligenswilerstrasse 15
Postfach
CH-6002 Luzern

 

PC 60-7000-4
IBAN CH69 0900 0000 6000 7000 4
Spenden können bei den Steuern in Abzug gebracht werden.

 

Spenden­beratung

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf. Wir beraten Sie gerne persönlich. 

MEHR