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Brasilien

Strassenkinder in Rio de Janeiro geben ihrem Leben eine neue Richtung

Bandenkriminalität, Prostitution, Drogen und Polizeigewalt gehören zum Alltag ungezählter Strassenkinder in Rio de Janeiro. Die Caritas bietet ihnen Zuflucht und hilft ihnen, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. Sie erhalten Sozial- und Rechtsberatung, Hilfe bei der Re-Integration in die Familie, Bildung, Freizeitangebote und Unterstützung bei der Arbeitssuche. 

 

Land / Region / Ort
Brasilien / Rio de Janeiro


Zielgruppe
1‘800 Kinder und Jugendliche, die von der Partnerorganisation regelmässig begleitet und betreut werden sowie 530 Familien von betreuten Jugendlichen, welche sich am Leben und an den Aktivitäten ihrer Kinder in der Organisation beteiligen


Mittelbedarf
Rund 298'000 Franken pro Jahr


Projektdauer
Langfristige Kinderpatenschaft


Projektnummer
P170004 


Projektziel
Die Lebensbedingungen von gefährdeten, sozial verwundbaren Kindern und Jugendlichen in der Stadt Rio de Janeiro sind verbessert.


Projektverantwortliche
Esther Belliger, Tel: 041 419 24 41, ebelligerto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung
Afrika / Lateinamerika

 
 

Worum geht es?

Mit einem Bruttoinlandprodukt von 1‘775 Milliarden US-Dollar im Jahr 2015 ist Brasilien die neuntgrösste Volkswirtschaft der Welt, noch vor Kanada, Australien und Russland. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen liegt mit rund 8‘500 Dollar (2015) – trotz einer starken Schrumpfung in den letzten Jahren – nach wie vor weit über jenem der grossen Mehrheit der Entwicklungsländer.

Diese Durchschnittswerte verdecken jedoch enorme Einkommens- und Vermögensunterschiede zwischen einzelnen Regionen und verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Die wirtschaftliche und soziale Kluft zwischen armen und reichen Brasilianern/innen ist enorm: 64 Prozent des Volkseinkommens fliesst zu den reichsten 20 Prozent der Bevölkerung, während sich die ärmsten Prozent mit gerade einmal 2,5 Prozent begnügen müssen.

Rio de Janeiro, wo das vorliegende Projekt angesiedelt ist, ist nach São Paulo die zweitgrößte Stadt Brasiliens. Im administrativen Stadtgebiet leben rund 6,4 Millionen Menschen, die Metropolregion zählt rund 12 Millionen Einwohner (2010). Laut einer Erhebung aus dem Jahre 2008 lebten zu diesem Zeitpunkt im Grossraum Rio de Janeiro rund 5‘100 Kinder und Jugendliche auf der Strasse.

In den brasilianischen Grossstädten sind die Quartiere, in welchen die ärmsten Bevölkerungsgruppen leben, durch das Fehlen öffentlicher Dienste, Informalität und prekäre Arbeitsbedingungen, Alkohol- und Drogenmissbrauch und ein grosses Gewaltpotential auf den Strassen und in den Familien gekennzeichnet. Diese Situation führt dazu, dass Kinder und Jugendliche Opfer sexueller Ausbeutung werden, Kinderarbeit leisten oder im Drogenhandel eingesetzt werden, was sie extrem verwundbar macht und hohen sozialen Risiken aussetzt.

 

Was tun wir?

Unsere Partnerorganisation für dieses Projekt, die Nonprofit-Organisation São Martinho, mit der Caritas Schweiz seit 30 Jahren erfolgreich zusammenarbeitet, kann auf über drei Jahrzehnte Erfahrung in der Arbeit mit Strassenkindern und -jugendlichen zurückblicken. Sie hat sich in diesem Zeitraum zu einer national und international anerkannten Fachorganisation auf ihrem Gebiet entwickelt. Im Vorgängerprojekt ist es ihr gelungen, rund 1‘500 Jugendliche in einem Vorbereitungskurs auf eine Lehre in einer ihrer Partnerinstitutionen vorzubereiten und permanent 800 Jugendliche in einer Lehrstelle zu betreuen.

Das Programm von São Martinho zielt auf die soziale Integration von Kindern und Jugendlichen in prekären Lebenssituationen ab. Dies geschieht durch Freizeitgestaltung, Anwaltschaft, Integration in den Arbeitsmarkt sowie Lobbyarbeit. Im hier beschriebenen Projekt arbeitet die Organisation mit einem neuen, vierstufigen Unterstützungsmodell. Dieses beruht auf einem integrierten, auf die längerfristige Entwicklung des einzelnen Kindes oder Jugendlichen ausgerichteten Ansatz. Es erlaubt es den beteiligten Kindern und Jugendlichen, sich - je nach Neigung und Motivation – durch die verschiedenen Stufen «durchzuarbeiten», idealerweise bis zum Endziel des Entwicklungsweges, der Integration in den Arbeitsmarkt.

Die erste Stufe besteht darin, mit bedrohten Kindern und Jugendlichen, die auf der Strasse leben, in Kontakt zu treten und sie in ihrem Lebensumfeld zu unterstützen. Zu diesem Zweck ist ein mobiles Einsatzteam von São Martinho täglich auf den Strassen der Armenquartiere und Favelas von Rio unterwegs. Es verteilt den Jugendlichen Lebensmittel und Hygieneartikel, führt vor Ort Workshops durch und informiert die Jugendlichen über das Dienstleistungsangebot der Organisation.

In der zweiten Phase werden die Kinder und Jugendlichen, die dies wünschen, in den Einrichtungen der Organisation beraten und betreut. Ein interdisziplinäres Team von Fachleuten (Psychologinnen, Sozialarbeiter, Pädagoginnen, Juristen) kümmert sich um die registrierten Kinder und Jugendlichen, organisiert Treffen mit ihren Familien und führt in schwierigeren Fällen Hausbesuche durch. Überdies bietet es den Begünstigten und ihren Familien Sozial- und Rechtsberatung an und arbeitet mit ihnen individuelle Begleitungs- und Betreuungspläne aus.

In einer weiteren Aktionslinie bietet São Martinho den Kindern und Jugendlichen sportliche, kulturelle, Freizeit- und Bildungsaktivitäten an. Diese sollen ihnen eine Grundlage für die Entwicklung ihrer Autonomie und «Gesellschaftsfähigkeit» verschaffen und neue persönliche, soziale und berufliche Perspektiven eröffnen. Die kulturellen Aktivitäten umfassen Musikunterricht (Schlagzeug, Gesang, Chor, Gitarre) sowie Kochen und im Sport stehen Judo und Capoeira auf dem Programm. Zudem können die Jugendlichen im Hinblick auf eine potentielle erste Arbeitsstelle einen Grundkurs besuchen, in dem Fächer wie Portugiesisch, mündliche und schriftliche Kommunikation, Grundlagen der Administration, Informatik, Bürgerkunde usw. angeboten werden.

Hat ein Jugendlicher einmal den Grundkurs erfolgreich absolviert und erfüllt er oder sie bestimmte weitere Voraussetzungen, kann er/sie sich am Selektionsprozess für junge Lehrlinge beteiligen. Falls er für eine Lehrstelle bei einem der Partnerunternehmen von São Martinho ausgewählt wird, erhält der/die Begünstigte – je nach Vereinbarung - einen Arbeitsvertrag über 11 bis 17 Monate und wird im entsprechenden Betrieb als Administrationsassistent/in, Hilfselektriker/in oder Logistikassistent/in arbeiten.

 

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