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Brasilien

Eine Zukunftsperspektive für verletzbare Kinder und Jugendliche

Dieses Caritas-Projekt will die Lebensbedingungen von 600 jungen Menschen in zwei Schutzgebieten Amazoniens verbessern und Zukunftsperspektiven schaffen. Dies geschieht unter anderem dadurch, dass die junge Generation in der Einforderung ihrer Rechte gestärkt wird. Des Weiteren soll ein Berufsbildungsprogramm verhindern, dass Jugendliche in die Städte abwandern oder in die Kriminalität rutschen.

 

Land / Region / Ort
Brasilien, Bundesstaat Pará


Zielgruppe
600 Kinder und Jugendliche, die von der Partnerorganisation regelmässig begleitet und betreut werden sowie 3'000 Familien- und Gemeindemitglieder aus Schutzgebieten Amazoniens


Mittelbedarf
Rund 212’000 Franken pro Jahr


Projektdauer
Langfristige Kinderpatenschaft


Projektnummer
P180017


Projektziel
Einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen und zur Stärkung der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in den Schutzgebieten Amazoniens leisten und Zukunftsperspektiven schaffen


Projektverantwortliche
Esther Belliger, Tel: 041 419 41 41, ebelligerto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung
Afrika / Lateinamerika

 
 

Worum geht es?

Nach Jahren des Wirtschaftsbooms befindet sich Brasilien seit 2011 in einer schweren wirtschaftlichen und politischen Krise. Dies wiederspiegelt sich im durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen, welches zwischen 2011 und 2016 von rund 13‘200 um über 30% auf knapp 8‘700 US-Dollar gesunken ist. Zwar konnte seit 1990 der Anteil der Brasilianer und Brasilianerinnen, die in absoluter Armut leben, wesentlich reduziert werden und die brasilianischen Sozialprogramme gelten international als beispielhaft. Diese und weitere soziale Errungenschaften sind indes wegen der sich verschlechternden wirtschaftlichen Situation akut gefährdet.

Trotz aller Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte bestehen in Brasilien nach wie vor gewaltige soziale und regionale Ungleichheiten und Defizite zwischen einzelnen Regionen und Bevölkerungsgruppen. So sind im Norden, in der Amazonasregion wo das Projekt angesiedelt ist und Nordosten, gewisse Sozialindikatoren auf dem Niveau von Ländern Subsahara-Afrikas - 54% aller Armen und 72% aller extrem Armen leben dort und die Kindersterblichkeitsrate liegt fast 25% über dem Landesdurchschnitt.

Das vorliegende Projekt ist in zwei Schutzgebieten bei Santarem angesiedelt, am Zusammenfluss des Tapajós mit dem Amazonas: der Floresta Nacional do Tapajós (FLONA) und der Reserva Extrativista Tapajós-Arapiuns (RESEX). Auf einer Gesamtfläche von 1'170’000 ha leben ca. 23'000 Menschen in 97 Gemeinden mit einer durchschnittlichen Grösse von 30 bis 200 Familien. Die meisten Gemeinden der beiden Projektgebiete sind nur per Boot erreichbar. In der RESEX gibt es ausser Pfaden, welche auch mit Mopeds zugänglich sind, keine Strassen.

Die Bevölkerung der abgelegenen Gemeinden sind mehrheitlich traditionelle Bevölkerungsgruppen die im Wesentlichen von der Subsistenzlandwirtschaft, dem Fischfang, der Jagd und dem Sammeln von Nichtholzprodukten wie Kautschuk und Nüssen leben. Die meisten Haushalte in den beiden Schutzgebieten verfügen über keinerlei Wasser-, Abwasser- und Stromanschlüsse und nur in grösseren Gemeinden gibt es vereinzelt einen Dieselgenerator, um wenige Gebäude für einige Stunden mit Strom zu versorgen. Auch die Abdeckung mit Mobilfunkfrequenzen ist äusserst mangelhaft und somit ist das Radio das einzige verlässliche, in allen Gemeinden verfügbare Kommunikationsmittel.

Neben der illegalen Abholzung des Regenwaldes ist die völlig unzureichende lokale Präsenz von staatlichen Strukturen und Durchsetzungsorganen eine der grössten Herausforderungen in der Amazonasregion. Abseits der grösseren Städte mangelt es an Dienstleistungen wie Gesundheits- und Polizeistationen, Sozialhilfezentren und Rechtsbeistände – oft sind sie gar nicht präsent oder nur rudimentär verfügbar. Für die junge Generation fehlt es an schulischem Angebot, kulturellen Möglichkeiten und Arbeitsplätzen beziehungsweise legalen Einnahmequellen. Auf der Suche nach Zukunftsperspektiven wandern die Jugendlichen in die Städte ab, um dort, unter Verlust ihrer Kultur und oft mit schwerwiegenderen Problemen konfrontiert, im informellen Sektor oder der Kriminalität ein Einkommen zu generieren.

 

Was tun wir?

Seit ihrer Gründung vor über 30 Jahren führt die Partnerorganisation CEAPS (Saúde e Alegria) sozialpädagogische Aktivitäten für Kinder und Jugendliche in abgelegenen Gemeinden Amazoniens durch und stärkt sie in der Wahrnehmung und Durchsetzung ihrer Rechte. Auf Grund ihrer regionalen und nationalen Vernetzung und Anerkennung, ihrer Kenntnisse der Region und der Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen, war CEAPS bereits mehrmals erfolgreich in der Umsetzung von Advocacy- und Lobbying-Aktionen.

Im vorliegenden Projekt werden die Lebensbedingungen von 600 Kindern und Jugendlichen in zwei Schutzgebieten Amazoniens verbessert und Zukunftsperspektiven geschaffen, um der Abwanderung in urbane Räume entgegenzuwirken. Im Rahmen ausserschulischer Bildungsaktivitäten werden gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen sensible Themen wie Kinder- und Jugendrechte, Missbrauchsprävention, kulturelle Identität, Umweltfragen, Sexualität und Gender erarbeitet. Diese Querschnittsthemen sind zwar Teil des brasilianischen Lehrplans, werden jedoch in der Praxis auf Grund mangelnder Kompetenzen der Lehrer und einer weitreichenden Tabuisierung der Themen kaum umgesetzt. Ziel ist es darum, die junge Generation aufzuklären, zu sensibilisieren und in der Einforderung ihrer Rechte zu stärken und mit Tabus zu brechen. Zu diesem Zweck werden auch die Lehrpersonen durch die CEAPS-Mitarbeitenden begleitet und geschult, damit sie später alleine in der Lage sind, diese Querschnittsthemen in ihren Unterricht einzubauen und professionell zu behandeln.

CEAPS verfügt über langjährig erprobte Methodologien zur Durchführung und Gestaltung dieser Aktivitäten und sensibilisiert die Kinder und Jugendlichen spielerisch für die identifizierten Themen. Mit Hilfe des Multiplikatoren-Ansatzes können die logistischen Herausforderungen der Region überwunden werden. Indem einzelne Jugendliche vernetzt und dazu ausgebildet werden, die Aktivitäten in anderen Gemeinden zu replizieren, kann mit den gegebenen Ressourcen eine möglichst grosse Zielgruppe abgedeckt werden.

Darüber hinaus motiviert CEAPS die Jugendlichen zur Teilnahme an einem dreistufigen Berufsbildungsprogramm, das sie zur Entwicklung und Implementierung eigener Geschäftsideen befähigt und ihnen somit Alternativen der Beschäftigung und Einkommensgenerierung in ihren Gemeinden aufzeigt. Das heisst einerseits ergänzende Beschäftigungsmöglichkeiten zu den traditionell dort vorherrschenden Erwerbsformen zu schaffen. Andererseits werden Möglichkeiten ausgearbeitet, um die traditionellen Wege zu verbessern, zu vereinfachen oder wo nötig Alternativen zu generieren. Dieses Berufsbildungsmodell ist nicht mit den herkömmlichen brasilianischen Modellen vergleichbar, da sowohl die Zielgruppe als auch der «potentielle Arbeitsmarkt» der Teilnehmenden anders ist. Ziel ist es, neue Erwerbsmöglichkeiten unter Einbezug eines Schutzgebiets zu schaffen, die nicht notwendigerweise mit denen aus den klassischen ruralen und urbanen Gebieten Nordbrasiliens vergleichbar sind.

Um die Rechte der Kinder und Jugendlichen zu stärken und den Zugang zu staatlichen Dienstleistungen zu verbessern, wird der Erfahrungs- und Informationsaustausch innerhalb der Gemeinde, zwischen den Gemeinden und über die Schutzgebietsgrenzen hinaus gestärkt. Dafür bedient sich CEAPS verschiedenen Mitteln wie gemeindeübergreifenden Treffen der Multiplikatoren, gezielter Öffentlichkeitsarbeit über Kommunikationskampagnen in den Bereichen Bildung und Kultur und einem wöchentlichen im CEAPS-Studio produzierten Radioprogramm zu Themen, die die Jugendlichen selbst aufbereiten und moderieren. Der Sendebereich umfasst sowohl die Bewohner und Bewohnerinnen aller Gemeinden der beiden Schutzgebiete als auch der Stadt Santarém (insgesamt ca. 230’000 Menschen).

 

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