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Bosnien-Herzegowina

Roma-Kinder werden in die Schule integriert

Die tägliche Diskriminierung und die fehlende Integration, unter anderem ins Schulsystem, haben die Roma zur ärmsten und am meisten vernachlässigten Bevölkerungsgruppe in Bosnien-Herzegowina gemacht. Mit Hilfe von speziellen Klassen und durch Weiterbildung von Lehrpersonen werden Roma-Kinder in die Primarschule integriert. Sozialarbeitende begleiten die Eltern und im Kanton Sarajevo werden neu Roma-Jugendliche auf den Übertritt in die Berufsschule vorbereitet. Auch «Nicht-Roma-Kinder» aus sozial benachteiligten Familien werden in das Projekt aufgenommen. 

 

Land/Region/Ort
Bosnien-Herzegowina, Kantone Sarajevo und Zenica-Doboj


Zielgruppe
Roma-Schulkinder, Jugendliche und junge Erwachsene


Mittelbedarf
1 017 658 Franken


Projektdauer
Langfristige Kinderpatenschaft


Projektnummer
P170034


Projektziel
Roma-Kinder in die Primarschule integrieren und sie und ihre Familien unterstützen und fördern, damit der obligatorische Schulabschluss erreicht wird. Roma-Jugendliche absolvieren erfolgreich die Berufsschule oder erhalten eine anerkannte Ausbildung als Fachhilfskraft.


Projektverantwortlicher
Berry Kralj, Tel: +41 41 419 24 91; bkralj@caritas.ch


Abteilung
Asien/Europa

 
 

Worum geht es?

Die Roma sind eine grosse Volksgruppe in Bosnien-Herzegowina (BiH). Heute schätzt man, dass ca. 50‘000 bis 80‘000 Roma in BiH leben. Durch die Minderheitengesetzgebung sind ihnen alle Rechte von Staatsbürgern in BiH gewährt. Doch die tägliche Diskriminierung, die fehlende Integration unter anderem auch ins Schulsystem haben sie zur ärmsten und am meisten vernachlässigten Bevölkerungsgruppe in BiH gemacht. 

Basierend auf dem Beitritt BiHs zur «Roma-Dekade 2005-2015» wurden Aktionspläne für die Bereiche Gesundheit, Bildung und Wohnen erarbeitet, die seither in Umsetzung sind. Zusätzlich entstand aus einer Zusammenarbeit des Regional Cooperation Councils, der Open Society Foundation und der Europäischen Kommission die Strategie «Roma Integration 2020». Darin ist unter anderem festgehalten, dass Staaten, die wie BiH der EU beitreten möchten, Fortschritte in den Bereichen Bildung, Beschäftigung und Wohnsituation von Roma vorweisen müssen.

Seit 2010 setzt Caritas Schweiz an elf Schulen in den Kantonen Sarajevo und Zenica-Doboy erfolgreich ein Projekt um, in dem Roma-Kinder ins Bildungssystem integriert werden. Ziel auf der Primarstufe ist, dass ältere Kinder oder solche, die noch nie eine Schule besucht haben, Verpasstes aufholen und nach einiger Zeit in ihren Jahrgangsklassen die obligatorische Schulzeit beenden.

Das Projekt hat bewirkt, dass beispielsweise an den Projektschulen im Kanton Sarajevo von vormals weniger als 20 Prozent nun mehr als 80 Prozent der Roma-Kinder die Primarschule besuchen. Seit 2013 ist auch die Sekundar- respektive die Berufsschule in das Projekt integriert, um Roma-Jugendliche beim Übertritt in die Berufswelt zu unterstützen.

2016 wurde als Übergangsjahr gestaltet, in dem die zukünftige Ausrichtung des Projekts vorbereitet werden soll. In Zukunft wird der Fokus nicht mehr ausschliesslich auf der Integration von Roma liegen, sondern soll auch andere verletzbare Gruppen umfassen. Dies insbesondere aufgrund erster Erfahrungen im Berufsbildungsbereich, aber auch um zum sozialen Zusammenhalt der bosnischen Gesellschaft als Ganzes beizutragen, in dem eine breitere Gesellschaftsschicht berücksichtigt und Neid vermieden wird. 

 

Was tun wir?

Von 2010 - 2016 baute Caritas Schweiz an elf Schulen in den Kantonen Sarajevo (8) und Zenica-Doboj (3) Nachhilfeunterricht vor allem für Roma-Kinder auf. Darauf aufbauend wurden Roma-Kinder ermutigt und unterstützt, auch die Sekundarschule zu absolvieren, die in BiH einer (theoretischen) Berufsschule ähnlich ist.

Das Modell überzeugte die Schulbehörden und einige haben inzwischen auch damit einhergehende finanzielle Verpflichtungen übernommen. Auf diesem etablierten Fundament möchten wir aufbauen und die Übernahme dieses Modells ins öffentliche Schulsystem vorantreiben. Diesbezügliche Diskussionen bestehen nebst Sarajevo und Zenica-Doboj auch bereits mit den Behörden in den Kantonen Tuzla und Zentralbosnien.

Im Primarschulbereich begleiten Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter die Eltern, damit sie die soziale Integration besser bewältigen können und insbesondere die Wichtigkeit des Schulbesuchs für ihre Kinder erkennen. Roma-Assistentinnen und Assistenten gewährleisten einen intensiven Kontakt zwischen Eltern und Schule, indem sie in den Schulen das Lehrpersonal unterstützen und weiterbilden, den Informationsaustausch fördern und gemeinsame Anlässe organisieren. Extrem benachteiligte Familien erhalten in der Anfangsphase des Projektes Essens­pakete, damit die Kinder nicht zum Lebensunterhalt beitragen müssen und für den Schulbesuch frei sind.

Roma-Jugendliche werden auf den Übertritt in die Sekundar- respektive Berufsschule vorbereitet und mit Lernhilfen unterstützt. Für ausserordentlich gute Leistungen werden Stipendien an Primar- und Sekundarschüler vergeben. Kinder aus anderen sozial benach­teiligten, marginalisierten oder vulnerablen Familien können ebenfalls in dieses Projekt aufgenommen werden. Jugendliche, für welche die Sekundarschule zu schwierig ist oder die formal die Aufnahmebedingungen nicht erfüllen, erhalten Gelegenheit, eine offiziell anerkannte Ausbildung als Fachhilfskraft zu absolvieren. Mit einer solchen Berufsbildung können sie ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt markant erhöhen und direkt zu ihrer sozialen Inklusion beitragen. Da Caritas Schweiz seit Jahren im Bereich Landwirtschaft arbeitet, ist insbesondere eine Verknüpfung dieser Aktivitäten angedacht, in dem entsprechende Trainings angeboten werden.

In Ergänzung zu diesen Aktivitäten soll eine Kampagne gegen Menschenhandel gestartet werden. Für die in diesem Projekt berücksichtigten sozial benachteiligten Bevölkerungsschichten steigt das Risiko, Opfer von Menschenhandel zu werden. Diesem Trend soll eine Informationskampagne an Schulen gegenübergestellt werden. Zusätzlich soll die Ausbildung der Sozialarbeiter vermehrt auch Roma-spezifische Inhalte vermitteln und so die Betreuung der Roma-Gemeinschaften verbessern.

In einem weiteren Projekt bietet Caritas Hilfestellung im Bereich Wohnen an, indem sie qualitativ hochwertigen und dauerhaften Wohnraum für bedürftige Roma-Familien baut oder renoviert. Diese Unterstützung in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Menschenrechte und Flüchtlinge soll verstärkt mit den oben beschriebenen Angeboten im Bereich Bildung verknüpft werden, um eine nachhaltige Verbesserung der Lebensumstände für Roma und andere sozial benachteiligte Gruppen in BiH zu erreichen.

 

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