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Bosnien-Herzegowina

Arbeitsplätze schaffen und Einkommen fördern in der Landwirtschaft

Die Produktion von Himbeeren ist im Drinatal zu einer Erfolgsgeschichte geworden. Caritas konnte im vergangenen Jahrzehnt in der von Armut und grosser Landflucht geprägten Region mehr als 1.600 Arbeitsplätze schaffen und die Emigration senken. Die neue Projektphase hält an Bewährtem fest und will gleichzeitig expandieren. Weitere Produkte sollen angebaut und neue Absatzmärkte erschlossen werden. Junge Erwachsene bilden im Projekt eine besondere Zielgruppe: Mit Praktika und Berufsbildungskursen erhalten sie reelle Zukunftschancen und können den Aufbau ihrer Heimat aktiv mitgestalten.

 

Land/Region/Ort:
Oberes Drinatal, Birac, Zentralbosnien, Sarajevo, West- und Nordwestbosnien


Zielgruppe:
Kleinbauern und -bäuerinnen sozialwirtschaftlich marginalisierter Regionen mit Landflucht- und Emigrationstendenzen; Produzenten- Vereinigungen und Beratungsdienste in Projektregionen; junge Erwachsene mit besonderem Fokus auf Frauen


Mittelbedarf:
CHF 1'987'563


Projektdauer:
01.05.2016 bis 30.04.2020


Projektnummer:
P160049


Projektziele:
Konsolidierung vergangener Erfolge (Arbeitsplätze) und Schaffung weiterer Arbeitsplätze in der Landwirtschaft zur sozialwirtschaftlichen Entwicklung und für den Wiederaufbau einer stabilen multi-ethnischen Gesellschaft. Weitere Stärkung der in Vorgängerprojekten aufgebauten Institutionen (Beratungsdienste, Produzentenvereinigungen, nationaler Dachverband).


Projektverantwortlicher:
Berry Kralj, Tel: 041 419 24 91; bkraljto make life hard for spam bots@to make life hard for spam botscaritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung:
Asien/Europa

 
 

Worum geht es?

Das ehemalige Jugoslawien gehörte zu den bedeutendsten Beerenproduzenten weltweit, insbesondere die Gebiete in Ostbosnien entlang des Flusses Drina. Die ehemaligen Produktions- und Vertriebsstrukturen wurden jedoch während des Krieges 1992-1995 vollumfänglich zerstört. 2004 startete Caritas Schweiz mit dem Aufbau neuer Produktionsstrukturen im oberen Drinatal um die Stadt Gorazde in Ostbosnien. Ziel war, in einer der ärmsten und besonders stark von Landflucht und Auswanderung betroffenen Regionen Besitzerinnen und Besitzern klein(st)er Grundstücke ein sicheres Einkommen zu ermöglichen, auch ohne dass sie dafür über fundierte Kenntnisse in der Landwirtschaft verfügen mussten.

Ausgangspunkt waren umfangreiche Untersuchungen, wonach bereits angebaute Flächen von 200 m2 ausreichen, um substanzielle Einkommen zu erzielen. Die Vision der Caritas damals wie heute war es, Einkommensmöglichkeiten zu fördern und Arbeitsstellen zu schaffen. Dieses Primärziel stellt den Grundstein dar für eine substanzielle Verbesserung der sozialwirtschaftlichen Entwicklung der Projektregionen und den Wiederaufbau einer funktionierenden multi-ethnischen Gesellschaft im Hinblick auf Stabilität und Prosperität. Mittelfristig wird damit der Emigrationsdruck in andere Regionen Bosnien-Herzegowinas und ins Ausland gemildert und ein Beitrag zur langfristigen Belebung dieser ruralen Regionen geleistet.

Der von Caritas Schweiz verfolgte Ansatz entwickelte sich über das letzte Jahrzehnt zu einer bemerkenswerten Erfolgsgeschichte: Über 1‘600 Jobs wurden nachhaltig geschaffen, ein Beitrag zur spürbar positiven sozialwirtschaftlichen Entwicklung der Projektregionen geleistet und der Emigrationstruck gemildert. Die Beerenproduktion ist heute ein wichtiger volkswirtschaftlicher Faktor in Bosnien: Während 2004 noch rund 700 Tonnen Beeren angebaut wurden, lag die Produktion 2015 bei 11'000 Tonnen. Mehr als 90% gehen in den Export. Bemerkenswert ist, dass in den letzten drei Jahren der Frischexport deutlich angestiegen ist: Ca. 700 Tonnen Beeren werden frisch exportiert, ausschliesslich in die EU. Der Weltmarktpreis ist hoch und stabil, die Abnahme der Beeren ist gemäss verschiedenen Studien und auch von Caritas Schweiz in Auftrag gegebenen externen Evaluationen auf Jahre hinaus gesichert.

Auch die in Bosnien nach wie vor substanziell präsente internationale Gemeinschaft hat erkannt, dass die Landwirtschaft, und insbesondere die Förderung von Kleinproduzentinnen und -produzen, von zentraler Bedeutung ist für das Land. Unter anderem führte die Weltbank ein Projekt im strukturellen Bereich der Landwirtschaft durch, andere bedeutende Organisationen wie beispielsweise die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), die U.S. Agency for International Development (USAID), das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP), oder der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung, eine Unterorganisation der FAO, engagieren sich ebenfalls im und für den landwirtschaftlichen Sektor. 

 

Was tun wir?

Die letzte extern durchgeführte Evaluation vom Herbst 2015 hat gezeigt, dass der von Caritas Schweiz verfolgte Ansatz wirksam und nachhaltig ist. Der Erfolg spiegelt sich auch in der Anerkennung durch andere Akteure, einschliesslich Konkurrenten. Insgesamt stellt das Caritas Programm für die Projektregionen eine echte Chance dar. Die Kernempfehlungen der Evaluation lauteten: Weiterführung des Projekts gemäss bewährtem Caritas-Ansatz sowie Konzentration auf nachhaltige Konsolidierung vergangener Erfolge bei gleichzeitig sorgfältiger regionaler Expansion und thematischer Diversifikation (Gemüseanbau, insbesondere cornichons). Demzufolge heisst das Motto von Caritas Schweiz in dieser Projektphase nun «Festhalten an Bewährtem – Diversifikation wo es Sinn macht!».

In der Vergangenheit hat sich das Programm auf die Produktion von Himbeeren konzentriert. Dieser Markt wird in Zukunft von grosser Bedeutung bleiben: Die Weltmarktpreise sind stabil auf hohem Niveau, die Nachfrage in Zielländern ist unverändert gross, Bosnien ist unter die Top Ten der Beerenproduzenten vorgerückt. Die kommende Ära wird neben einer sorgfältigen regionalen Expansion die Diversifikation in weitere Produkte und Absatzmärkte beinhalten.

Primär wird Caritas weiterhin insbesondere von Migration gefährdete Familien unterstützen und damit zur Entwicklung von armutsbetroffenen und von Landflucht und Emigrationstendenzen betroffene Regionen leisten, weil keine Einkommensmöglichkeiten bestanden haben.

Den bisherigen Ansatz weiterführend, soll die landwirtschaftliche Produktion mittels nachhaltigem Finanzierungszugang für die Begünstigten durch den Kreditfond der Caritas Schweiz gesteigert werden. Komplementär dazu werden neue Produzentenvereinigungen gegründet, um die Position der Begünstigten in der Wertschöpfungskette zu stärken. Bestehende Produzentenvereinigungen werden gleichzeitig gestärkt, sodass sie zunehmend mehr Verantwortung übernehmen und als eigenständige Vereinigungen etablieren können. Starke Vereinigungen sind das Fundament für eine positive Entwicklung im Agrarbereich und bieten den Kleinproduzentinnen und -produzenten Schutz. Auf der Ebene der Aufkäufer verhandeln sie den Preis für ihre Mitglieder. Besonderes Augenmerk gilt der Stärkung bestehender und neuer spezialisierter Beraterdienste und der Sicherung von deren Nachhaltigkeit. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Bewusstseinsförderung bei den Produzenten für mehr ownership und Teilhabe an Vereinigungen und Beraterdiensten u.a. durch Eigenfinanzierung mittels Mitgliederbeiträgen: die Beraterdienste sichern den Produzentinnen und Produzenten durch ihre hervorragende Arbeit ihre guten Erträge. Der nationale Dachverband der Beerenproduzenten muss weiter gestärkt werden, um gegenüber der Regierung die Interessen der Produzentinnen und Produzenten wirksam vertreten zu können.

Die Resilienz der Begünstigten insbesondere vor den Gefahren des Klimawechsels soll nachhaltig gestärkt werden (Schutz vor Hagelschäden, starken Regenfällen, Fluten, Dürre und anderen Naturkatastrophen). Dazu wird mit den Begünstigten eine Strategie zur Katastrophenresilienz entwickelt und einschlägiges Knowhow durch Ausbildung und Training vermittelt.

Caritas Schweiz wird insbesondere auf die Einbindung junger Erwachsener hinwirken – in Zukunft aber sowohl in ruralen wie auch in urbanen Gegenden: Einkommen und wirtschaftliche Entfaltungsmöglichkeiten durch verbessertes Praxiswissen sollen unter anderem durch Vermittlung von Praktika im In- und Ausland gefördert werden, zum Beispiel mit Berufsbildungskurse in der Landwirtschaft oder in verwandten Berufen wie Mechaniker für landwirtschaftliche Maschinen. Für die Förderung junger Erwachsener ist insbesondere auch die Finanzierung von start-ups vorgesehen, die sich durch Innovation auszeichnen.

Wünschen Sie ausführlichere Projektunterlagen? Wir stellen sie Ihnen gerne zur Verfügung. 

 

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