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Bolivien

Schutz und Perspektiven für sexuell ausgebeutete Kinder

Schätzungen gehen davon aus, dass aktuell etwa 1'450 Kinder und Jugendliche in den grössten Städten Boliviens Opfer von kommerzieller sexueller Ausbeutung sind. Dieses Projekt bietet Mädchen, die davon betroffen oder bedroht sind, einen Ort der Zuflucht, Betreuung und Unterstützung. 

 

Land / Region / Ort
Bolivien, La Paz und El Alto


Zielgruppe
5'475 Personen (davon 1‘875 Kinder und Jugendliche)


Mittelbedarf
Rund 213'000 Franken pro Jahr


Projektdauer
Langfristige Kinderpatenschaft


Projektnummer
P180012


Projektziel
Die Lebensbedingungen und Rechte von Kindern und Jugendlichen in El Alto und La Paz, die Opfer kommerzieller sexueller Gewalt wurden oder diesem Risiko ausgesetzt sind, sind verbessert und werden geltend gemacht. 


Projektverantwortliche
Esther Belliger, Tel: 041 419 24 41, ebelligernot shown@caritasto make life hard for spam bots.ch


Abteilung
Afrika / Lateinamerika

 
 

Worum geht es?

Bolivien erlebt seit der Wahl des Präsidenten Evo Morales im Jahr 2006 einen tiefgreifenden Reformprozess, der insbesondere darauf abzielt, die politische, wirtschaftliche und kulturelle Beteiligung der indigenen Bevölkerung zu verbessern und die allgemeine Armut zu vermindern. Durch die Implementierung verschiedener Sozialprogramme wurde die Zahl der in extremer Armut lebenden Bevölkerung reduziert. Dennoch leben nach Angaben der Weltbank nach wie vor knapp 40 Prozent der bolivianischen Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Damit gehört Bolivien zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas.

Zwangsprostitution und Menschenhandel mit Kindern und Jugendlichen nehmen in Bolivien stetig zu. Jährlich werden hunderte von Mädchen und Jungen dazu genötigt, im Sexgewerbe zu arbeiten und viele von ihnen verschwinden spurlos. Auch wenn es keine offiziellen Statistiken gibt, so gehen Schätzungen von etwa 1‘450 Kindern und Jugendlichen aus, die aktuell in den grössten Städten des Landes Opfer von kommerzieller sexueller Ausbeutung sind.

Die Gründe für dieses Phänomen in Bolivien sind vielfältig und komplex. Strukturelle Probleme wie die hohe Armutsrate unter den Minderjährigen bilden dazu den Nährboden. Persönliche Umstände, wie der Zerfall familiärer Bindungen und Gewalt machen sie zudem vulnerabel und zu leichten Opfern von Menschenhändlern. Die Möglichkeit, schnelles Geld zu verdienen, die emotionale Abhängigkeit von Freiern, aber auch psychische und physische Gewalt durch diese treiben Minderjährige in die Prostitution. In manchen Fällen sind es die eigenen Eltern, welche die Kinder zur Prostitution zwingen, damit diese zum Familieneinkommen beitragen. Die staatlichen Jugendämter sowie die Polizei sind mit dieser Problematik oft überfordert. Die Ämter sind chronisch unterfinanziert, unterbesetzt sowie wenig kompetent und werden dem Bedarf zum Schutz von Kindern und Jugendlichen nicht gerecht.

Die Projektregion El Alto und La Paz sind zwei der grössten Städte Boliviens und liegen unmittelbar nebeneinander. Der Hauptfokus des Projekts liegt auf El Alto. In den vergangenen Jahren ist die Einwohnerzahl in El Alto durch die Zuwanderung der Landbevölkerung rapide angestiegen. El Alto ist eine der ärmsten Städte des Landes, in der 69 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze und 36 Prozent in extremer Armut leben. Im Zuge des schnellen und ungeregelten Wachstums fehlt es zudem an ausreichend Infrastruktur und staatlichen Serviceleistungen.

Die wirtschaftliche und soziale Lage in El Alto stellt insbesondere für Kinder und Jugendliche eine Risikosituation dar. Schätzungen gehen von 1'200 bis 1‘500 Kindern und Jugendlichen aus, die in El Alto auf der Strasse leben, davon sind 37 Prozent Mädchen und junge Frauen. Die Anzahl Minderjähriger, die sich prostituieren, ist in der Stadt hoch; 2013 wurden 230 Kinder und Jugendliche in El Alto Opfer von kommerzieller sexueller Ausbeutung.

 

Was tun wir?

Die Partnerorganisation Fundación Munasim Kullakita (FMK) verfügt über langjährige Erfahrung in der rechtebasierten sozialen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die Opfer kommerzieller sexueller Ausbeutung im Kontext von El Alto und La Paz wurden. Die Organisation verfolgt einen integralen Ansatz, welcher sowohl die direkte Betreuung von Kindern und Jugendlichen, als auch gemeindebasierte Präventionsarbeit beinhaltet. Zudem stärkt sie staatliche Institutionen, welche den Schutz von Kindern und Jugendlichen zum Ziel haben. Das vorliegende Projekt ergänzt und stärkt mit seinen Aktivitäten das mangelhafte Angebot der öffentlichen Hand zum Schutz von Kindern und Jugendlichen, die Opfer von kommerzieller sexueller Ausbeutung wurden oder diesem Risiko ausgesetzt sind.

Im Rahmen des Projekts erhalten 75 Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren, die Opfer kommerzieller sexueller Ausbeutung wurden, eine integrale Betreuung. FMK verfügt über ein Übergangszentrum, in welchem sich die Mädchen zwischen drei und zwölf Monaten aufhalten. Dort erhalten sie individuelle Begleitung und Betreuung, die von Gesundheitsversorgung über Schulbetreuung bis hin zu psychologischer Unterstützung reicht. Zudem erhalten sie juristische Beratung und Begleitung. Um die Mädchen wieder in ein geschütztes soziales Umfeld zu integrieren, arbeitet das Projekt bei Möglichkeit eng mit deren Familien zusammen. Ein zusätzlicher Schwerpunkt liegt auf der wirtschaftlichen Unabhängigkeit der jungen Frauen und ermöglicht ihnen den Zugang zu verschiedenen Ausbildungsoptionen. 

Nebst dem Zentrum verfügt FMK über eine Tageseinrichtung, welche als Anlaufstelle für Mädchen und Jungen aus der Gemeinde dient, die einen Grossteil ihrer Zeit auf der Strasse verbringen, Opfer kommerzieller sexueller Ausbeutung wurden oder diesem Risiko ausgesetzt sind. Das Zentrum befindet sich in El Alto. Dort erhalten 120 Mädchen und Jungen während der Projektlaufzeit individuelle Unterstützung wie beispielsweise Schulmaterialien oder Nahrungsmittel, aber auch durch juristische, sozialpädagogische und psychologische Betreuung. Ziel der Arbeit ist es, Kindern und Jugendlichen von der Strasse neue Lebensperspektiven aufzuzeigen und das Risiko zu minimieren, dass sie Opfer kommerzieller sexueller Ausbeutung werden.

Neben der direkten Betreuung setzt FMK einen Fokus auf die Stärkung des bolivianischen Justizsystems. Mitarbeitende der Jugendämter und der Polizei werden in der Identifikation und Verfolgung von Delikten weitergebildet, die mit kommerzieller sexueller Ausbeutung in Verbindung stehen. Hierfür führt FMK Workshops für 1‘600 Personen durch, erstellt einen Leitfaden zur Anwendung innerhalb der Polizeieinheiten und führt gemeinsam mit einer lokalen Universität einen dreimonatigen Aufbaustudiengang durch, in welchem sich Mitarbeitende der Polizei und der Jugendämter fortbilden können.

Auch Präventionsarbeit ist für FMK wichtig. An acht Schulen in El Alto und La Paz werden Workshops durchgeführt, um das Schulpersonal, Eltern und die Lernenden für die Gefahren der kommerziellen sexuellen Ausbeutung im direkten Schulumfeld zu sensibilisieren. Um diese Arbeit auch in Zukunft fortzusetzen, werden in jeder Schule Gruppen gebildet, die regelmässig Aktivitäten zu diesem Thema durchführen und als erste Anlaufstelle im Fall von Verdachtsfällen im schulischen Umfeld dienen. FMK gibt den Kindern und Jugendlichen eine Stimme, indem sie diese darin unterstützt, sich zu organisieren und sich politisch zu positionieren.

 

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