Bolivien

Schutz und Perspektiven für Kinder, die Opfer von Menschenhandel, Gewalt und sexueller Ausbeutung wurden

Das Ausmass an Gewalt gegen Frauen und Mädchen, Zwangsprostitution und Menschenhandel haben in den letzten Jahren in Bolivien erheblich zugenommen. Etwa 1500 Kindern und Jugendlichen sind aktuell in den grössten Städten des Landes Opfer von kommerzieller sexueller Ausbeutung. Dieses Projekt bietet Mädchen, die davon betroffen oder bedroht sind, einen Ort der Zuflucht, Betreuung und Unterstützung. 

 

Land / Region / Ort
Bolivien / Departemente La Paz, Cochabamba und Rurrenabaque


Zielgruppe
7480 Personen (davon 4080 Kinder und Jugendliche)


Mittelbedarf
Rund 454 000 Franken pro Jahr


Projektdauer
Langfristige Kinderpatenschaft


Projektnummer
P200033


Projektziel
Kinder und Jugendliche, die Opfer von Gewalt, Menschenhandel oder kommerzieller sexueller Ausbeutung wurden oder diesem Risiko ausgesetzt sind, erhalten Schutz und eine Zukunftsperspektive. 


Projektverantwortliche
Esther Belliger, Tel: 041 419 24 41, ebelligernot shown@caritasto make life hard for spam bots.ch

 
 

Worum geht es?

Bolivien hatte sich in der Regierungszeit unter Evo Morales hohe entwicklungspolitische Ziele gesetzt. Doch trotz eines konstanten Wirtschaftswachstums lebten nach Angaben der Weltbank 2018 noch rund 35% der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Damit gehört Bolivien immer noch zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas. In den vergangenen Jahren hat in Bolivien die Migration in die Städte stark zugenommen, so dass heute rund 70% der bolivianischen Bevölkerung in urbanen Zentren des Landes Leben. Das schnelle Wachstum der Städte und fehlende Perspektiven führen zu massiven strukturellen und sozialen Problemen, wie beispielsweise hoher Arbeitslosigkeit und einer starken Zunahme des informellen Sektors, in welchem landesweit etwa 70% der Erwerbstätigen beschäftigt sind.

Obwohl der bolivianische Staat in den letzten Jahren verschiedene neue Gesetze zur Bekämpfung des Menschenhandels und zum Schutz der Frauen gegen (sexuelle) Gewalt erlassen hat, hat das Ausmass an Gewalt gegenüber von Frauen und Mädchen erheblich zugenommen. Staatlichen Studien zufolge sind in Bolivien mehr als 77% der Minderjährigen und ca. 90% der Frauen von Gewalterlebnissen geprägt. Zwangsprostitution und Menschenhandel mit Kindern und Jugendlichen nehmen in Bolivien ebenfalls zu. Jährlich werden hunderte von Mädchen und Jungen dazu genötigt, im Sexgewerbe zu arbeiten und viele von ihnen verschwinden spurlos. Offizielle Erhebungen zum Thema gibt es keine, doch Schätzungen gehe von etwa 1‘500 Kindern und Jugendlichen aus, die aktuell in den grössten Städten des Landes Opfer von kommerzieller sexueller Ausbeutung sind.

Die Ursachen für dieses Phänomen in Bolivien sind vielfältig und komplex. Die hohe Armutsrate unter den Minderjährigen bildet dazu den Nährboden. Persönliche Umstände, wie der Zerfall familiärer Bindungen und Gewalt machen sie zudem verwundbar und zu leichten Opfern von Menschenhändlern. Die Möglichkeit, schnelles Geld zu verdienen, aber auch die psychische und physische Gewalt durch die Freier, treiben Minderjährige in die Prostitution. In manchen Fällen sind es die eigenen Eltern, welche die Kinder zur Prostitution zwingen, damit diese zum Familieneinkommen beitragen. Die staatlichen Jugendämter sowie die Polizei sind mit dieser Problematik oft überfordert. Die Ämter sind chronisch unterbesetzt und wenig kompetent, um dem Bedarf zum Schutz von Kindern und Jugendlichen gerecht werden zu können.

Die Projektregioneb La Paz mit El Alto und Cochabamba sind drei der grössten Städte Boliviens, wo die Zuwanderung der Landbevölkerung in den letzten Jahren rapide angestiegen ist. Auch die neuangekommenen venezolanischen Flüchtlinge leben hauptsächlich in den städtischen Zentren. Die dritte Region Rurrenabaque, ist eine touristische Kleinstadt, wo ein hoher Bedarf an Prävention zum Thema Sextourismus besteht.

 

Was tun wir?

Die Partnerorganisationen von Caritas Schweiz verfügen über langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die Opfer von Gewalt, Menschenhandel und kommerzieller sexueller Ausbeutung wurden. Die Organisationen engagieren sich hauptsächlich in Gebieten, in denen sie bereits seit Jahren präsent sind, die lokalen Gegebenheiten bestens kennen, ihre Interventionen eng mit den Behörden oder der Polizei koordinieren und das Vertrauen der Lokalbevölkerung geniessen.

Das Projekt hat den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Gewalt, Menschenhandel und sexueller Ausbeutung zum Ziel. Es werden direkte Massnahmen zur Unterstützung der Betroffenen geleistet, um das fehlende Angebot der öffentlichen Hand an Schutzmechanismen auszugleichen. 650 bolivianischen Mädchen, Jugendliche, sowie venezolanische Migrantinnen erhalten Zugang zu einer integralen Betreuung. Die Partnerorganisationen verfügen über Übergangszentren, wo sich die Mädchen zwischen drei und zwölf Monaten aufhalten. Dort erhalten sie eine individuelle Begleitung und Betreuung. Diese reichen von Gesundheitsversorgung über Bildungsangebote bis hin zu psychologischer und rechtlicher Unterstützung. Weiter führen die Partnerorganisationen Tageseinrichtungen als Anlaufstellen für Mädchen und Jungen, die einen Grossteil ihrer Zeit auf der Strasse verbringen und somit einem hohen Risiko ausgesetzt sind, Opfer von Gewalt und Ausbeutung zu werden.

Im Rahmen des Projekts werden soziale Gemeinschaften darin befähigt, in den Städten La Paz, El Alto, Rurrenabaque und Cochabamba Schutz-, Integrations- und Meldemechanismen aufzubauen, um präventiv gegen das Gewaltproblem und das Risiko der kommerziellen sexuellen Ausbeutung vorzugehen. Dabei arbeiten die Partner direkt mit schulischen Einrichtungen zusammen und bieten Workshops für 3’210 Kinder, 1’200 Väter und Mütter der Schüler/innen, sowie Lehrpersonen an. Darin lernen diese wie sie Risikosituationen besser einschätzen können und wie in konkreten Fällen vorzugehen ist. Weiter werden 800 Mitarbeitende und Mitglieder von gemeinnützigen Organisationen zum Thema Kinderschutz geschult und Interventionsmöglichkeiten aufgezeigt.

Um staatliche und private Stellen darin zu unterstützen, ihre Verantwortung zum Schutz der Kinder und Jugendlichen wahrzunehmen und das bolivianische Justizsystem zu stärken, werden Kurse und Schulungen für rund 1'400 Mitarbeitende von Jugendämtern und der Polizei durchgeführt. Dabei werden sie darin geschult, Vorfälle von sexueller Ausbeutung besser zu identifizieren und die Straftaten entsprechend zu verfolgen. Zusätzlich werden 300 Mitarbeitende von Tourismusunternehmen in der Anwendung eines Verhaltenskodex geschult.

Präventionsarbeit ist ebenfalls von grosser Wichtigkeit. Die Partnerorganisationen bauen ein Netzwerk mit den Behörden und anderen Organisationen auf, um den Erfahrungsaustausch zu ermöglichen und Wissen, Erfahrungen und Publikationen zu teilen. Eine gemeinsame und koordinierte Arbeit von Organisationen trägt dazu bei, die Problematik vulnerabler Kinder und Jugendlicher sichtbar zu machen und die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Dazu wirken die Partnerorganisationen in Netzwerken mit, um nationale Gesetze und Normen zu monitoren und das politische Lobbying zu verstärken.

 

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