Bangladesch

Kindertagesstätten und frühkindliche Bildung für die Ärmsten

Dieses Projekt bietet für die Kinder der Ärmsten in der Stadt Mymensingh Kindertagesstätten und frühkindliche Erziehung an. Damit werden beste Voraussetzungen geschaffen, um Bildung zu ermöglichen. Langfristig ist das ein Weg aus der Armut.

 

Land / Region / Ort
Bangladesch, Mymensingh


Zielgruppe
Vorschulkinder bzw. Kinder der Ärmsten in Mymensingh Stadt


Mittelbedarf
Rund 200'000 Franken pro Jahr


Projektdauer
Langfristige Kinderpatenschaft


Projektnummer
P180065


Projektziel
Das Projekt möchte durch das Anbieten von Kindertagesstätten und frühkindlicher Erziehung für die Kinder der Ärmsten in Mymensingh positive Voraussetzungen für Bildung und Lernen – und damit eine spätere Möglichkeit für den Weg aus der Armut – schaffen.


Projektverantwortlicher
Nicola Malacarne, Tel: 041 419 22 46; nmalacarnenot shown@caritasto make life hard for spam bots.ch

 
 

Worum geht es?

Bangladesch gehört zu den ärmsten Staaten auf dem asiatischen Kontinent: gemäss der von den UN definierten Armutsgrenze leben 24.3 Prozent der Bangladeshi in Armut (13 Prozent in extremer Armut), das entspricht knapp 39 Mio. Menschen (= über viermal die Bevölkerung der Schweiz). 75 Prozent der Bevölkerung lebt auf dem Land, aber die Landflucht ist gross, und die Städte vermögen die armen Zuwanderer nicht aufzunehmen. So enden viele Familien im slumähnlichen Ghettos (bostees). Das ist auch in Mymensingh so, einer Stadt in Zentral-Bangladesch, die offiziell zwar knapp nur 375'000 Einwohnerinnen und Einwohner hat, informell liegt die Zahl wohl aber bei einer halben Million. Die «City Health Survey 2013» hat aufgezeigt, dass jedes 2. Kind in einem bostee unterernährt und im Wachstum gehemmt ist. So bekommen dann auch nur ein Viertel der Kinder genug und regelmässig zu essen. 5 Prozent der Kinder sterben, bevor sie 5 Jahre alt werden. 50 Prozent der Kinder haben keinen Zugang zu adäquater medizinischer Versorgung. Und MATI, eine deutsch-bengalische Nichtregierungsorganisation, unsere Partnerorganisation, hat in eigener Untersuchung festgestellt, dass die Hälfte der Kinder vor dem 5. Schuljahr aus dem offiziellen Unterricht ausscheiden und praktisch kein Kind das 10. Schuljahr vollendet.

Während die Lebenshaltungskosten in der Stadt höher sind als auf dem Land (Miete, Elektrizität, Essen, Transport), fällt oft auch ein Einkommen der Familie weg: während die Frauen auf dem Land sowohl im Haus als auch auf dem Feld arbeiten, fällt dieser Verdienst in der Stadt weg. So finden denn viele Frauen nur schlecht bezahlte Arbeit, oft in reicheren Haushalten, als Köchin oder Putzfrau, oder sie gehen von Tür zu Tür, um irgendwelche Waren zu verkaufen. Sie arbeiten 7 Tage pro Woche, 9 Stunden pro Tag – und sind unter dauerndem Stress, denn sie haben meist keine Möglichkeit, ihre Kinder (zwischen 1-5 Jahren) gut unterzubringen.

Unter frühkindlicher Erziehung versteht man die Bildung und Förderung, die ein Kind bis zu seinem sechsten Lebensjahr bzw. seinem Schuleintritt geniessen darf. Sie legt den Grundstein für die folgende Bildung und Entwicklung des Kindes und gilt als Schlüsselfaktor für den späteren Lern- und Lebenserfolg. Deshalb ist sie auch besonders wichtig für benachteiligte Kinder. Dank der frühkindlichen Erziehung können Kinder Kontakte mit Gleichaltrigen knüpfen und erste soziale Kompetenzen erwerben. Ausserdem bietet sie Eltern die Möglichkeit, wieder in ihren Beruf zurückzukehren. In der Schweiz findet die frühkindliche Erziehung vor allem in Form von Betreuung in Kinderkrippen, Kindergärten und durch verschiedene Kinderprogramme statt (z.B. Sport, Musik, Tanz, Kunst).

Frühkindliche Bildung rückt in vielen Ländern erst allmählich in den Fokus der Erziehungsministerien. Vielerorts ist sie noch nicht zwingend vorgeschrieben, obwohl man um deren Bedeutung weiss. Caritas Schweiz unterstützt einige Vorschul-Projekte in Krisenländern, in denen sie aktiv ist. Oft sind es Pilot-Aktivitäten, die sich u.a. auf die Aus- und Weiterbildung der Lehrpersonen konzentrieren, damit sie auf das konkrete Beobachten, Reflektieren, Üben und Erleben der Kinder achten. Projekterfahrungen zeigen, dass kleine Kinder, die gelernt haben, mit negativem Stress umzugehen oder ein Trauma zu überwinden, sich als kommunikative, sozial aktive Schüler und Schülerinnen auszeichnen und zur Entwicklung ihrer Gesellschaft positiv beitragen können. Wichtig bei diesen Projekten ist, dass sie immer im Kontext der jeweiligen staatlichen Bildungssysteme eingerichtet wurden, um deren Nachhaltigkeit zu gewährleisten.

 

Was tun wir?

Mütter in armen Familien in Bangladesch müssen arbeiten, damit sie ihre Kinder ernähren können. Sie brauchen deshalb einen sicheren Ort für ihre Kinder, damit sie einer Arbeit nachgehen können, die genug für die Familie einbringt. Falls dies nicht der Fall ist, kann der Teufelskreis der Armut nicht durchbrochen werden: entweder müssen ältere Geschwister auf die Kleinen aufpassen, welche dann den Schulunterricht abbrechen (müssen), oder die Kinder sind auf der Strasse. Das Problem betrifft vor allem auch die Familien ethnischer Minderheiten, die in doppelter Weise benachteiligt sind: nämlich arm und stigmatisiert durch Herkunft und Religion.

Das von der Caritas unterstützte Projekt «Kindertagesstätten und frühkindliche Bildung für dei Kleisten der Ärmsten» setzt deshalb hier an: Das Anbieten von Kindertagesstätten und frühkindlicher Erziehung für die Kinder der Ärmsten in Mymensingh soll positive Voraussetzungen für frühe Bildung und Lernen schaffen, und damit langfristig den Weg aus der Armut ermöglichen. Die Caritas unterstützt dabei die deutsch-bengalische NGO MATI in der Umsetzung des Projektes mit dem von Caritas Schweiz entwickelten sogenannten «Essence of Learning»-Ansatz (EoL). Der Fokus liegt neben der Einrichtung von Kindertagesstätten auch auf der Ausbildung von Fachpersonal und vor allem Bewusstseinsbildung für die Bevölkerung und die Behörden, um ähnliche Projekte in Zukunft zu fördern.

Folgende Resultate werden im Rahmen der Projektdauer (Juli 2015 - Juni 2021) angestrebt:

  • Es werden 4 neue Kindertagesstätten für 80 Vorschulkinder der Slumregionen (bostees) von Mymensingh Stadt errichtet.
  • Es werden 3 bereits existierende Kindertagesstätten für 70 Vorschulkinder der ländlichen Gegend von Mymensingh nach dem Projektkonzept eingerichtet. Diese bieten Platz für 20 Kinder mit Behinderungen; Betreuerinnen und Betreuer werden speziell ausgebildet.
  • Es werden die 4 bereits existierende Kindertagesstätten (des vorangegangenen Projektzyklus) für 80 Vorschulkinder der Slumregionen (bostees) von Mymensingh Stadt weiterhin gefördert.
  • Mindestens 320 Kinder im Vorschulalter erhalten so die Möglichkeit für frühe Bildung durch ausgebildetes Personal in einer sicheren Umgebung.
  • Mindestens 96 Kinder (ältere Geschwister der Kinder in den Kindertagesstätten) werden vor sozialen Gefahren geschützt, indem sie sich – nach der Schule, bis zur Rückkehr der Eltern von der Arbeit – im geschützen Rahmen der Kindertagesstätten aufhalten können.
  • 26 Mitarbeitende der Kindertagesstätten, 16 Assistenteninnen und Assistenten aus der Gesellschaft sowie 5 Mitarbeitende von MATI verbessern ihre Kapazität, um den Caritas Schweiz-Ansatz «Essence of Learning» in der Kinderbetreuung anzuwenden.
  • 100-150 Mütter können durch die verbesserte Kindertagesbetreuung ihre Erwerbstätigkeit ausbauen und profitieren somit von einem erhöhten Einkommen für ihre Familien.
  • Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter von MATI unterstützen die Familien der von den Kindertagesstätten betreuten Kinder beim Zugang zu Sozialleistungen.  
  • Die Bevölkerung (einschliesslich Eltern und erweiterte Verwandtschaft, Erzieherinnen und Erzieher, wichtige Schlüsselpersonen der Stadt, insbesondere im Bereich Bildung und Entwicklung) wissen über das Projekt und den Ansatz Bescheid und sind der Umsetzung weiterer ähnlicher Projekte positiv gesinnt.
  • Als nachhaltige Eigenfinanzierungsmethode entwickelt das Projekt einen Produktekatalog mit selbstgemachten pädagogischen Holzspielzeugen zum Verkauf. Ausserdem werden 120 Erzieherinnen und Erzieher gegen eine Kursgebühr im EoL-Ansatz des Projekts geschult und mit einem offiziell gültigen Kurszertifikat ausgestattet
 

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