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Alleinerziehende vor Armut schützen

Wer in der Schweiz Kinder allein erziehen muss, lebt auf dünnem Eis. In keiner Bevölkerungsgruppe ist das Armutsrisiko vergleichbar hoch. Kinder alleine erziehen darf kein Armutsrisiko sein, findet Caritas Schweiz. Dafür müssen in der Schweiz Rahmenbedingungen verbessert werden.

 

Alleinerziehende leisten viel. Sie bringen Kindererziehung und Arbeitsleben unter einen Hut, sie managen ihre Lage mit hohem Einsatz und der Bereitschaft zu verzichten. Das Wohl der Kinder steht dabei über allem. Alleinerziehende möchten nicht, dass ihre Kinder mit dem Stempel «Armut» aufwachsen. 

Die Statistik zeigt aber deutlich, dass das Armutsrisiko hoch ist. Jede siebte Alleinerziehenden-Familie ist von Armut betroffen (14,1 Prozent), dies in vielen Fällen trotz Erwerbsarbeit. Bei Familien, in denen zwei Elternteile gemeinsam für zwei Kinder verantwortlich sind, ist das Armutsrisiko mehr als viermal geringer.

Was sind die hauptsächlichen Probleme, mit denen armutsbetroffene Alleinerziehende in der Schweiz konfrontiert sind? Eine Studie, welche die Universität Bern im Auftrag der Caritas durchgeführt hat, benennt die folgenden Punkte:

Die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung ist mangelhaft
 Viele alleinerziehende Mütter arbeiten Teilzeit, oft im Stundenlohn, in Kleinstpensen oder mit unregelmässigen Arbeitszeiten. Chancen auf eine Festanstellung haben sie selten, oft hören sie bei Absagen auf Bewerbungen, dass ihnen die Flexibilität fehle.
«Ich arbeitete 80 Prozent und dreimal im Abendverkauf. Genau wie die, die zu 100 Prozent arbeiten und mehr verdienen. Wenn jemand ausfällt, muss ich auch öfters in den Abendverkauf. Nein sagen kann ich nicht, muss flexibel sein, trotz Kind.»

Trotz strikter Budgetplanung reicht das Geld nicht
Alleinerziehende Eltern mit ungenügenden finanziellen Ressourcen sparen zuerst bei sich selbst (Hobbies, Kleider Zahnarzt). Im Alltag kaufen sie wenn immer möglich zu Aktionspreisen ein. Den Kindern dagegen, so zeigen die Gespräche mit Alleinerziehenden Eltern, soll es an nichts fehlen.
«Ja, ich kaufe keine Kleider für mich, kaufe für meinen Sohn alles günstig auf einer Internetplattform ein oder bekomme von Freunden mal was geschenkt. (...) Ich weiss nicht, wie das finanziell sonst gehen sollte.»

Fehlende Zeit für Weiter- und Nachholbildung
Für eine Verbesserung der Situation wäre oft eine Weiter- oder Nachholbildung Voraussetzung. Der Sozialhilfe fehlt es aber an Weitsicht, entsprechende Unterstützung gewährt sie kaum.

Die Prekarität hinterlässt Spuren
Bei alleinerziehenden Müttern und Vätern kann die tägliche Last zu Stress, Ängsten, Überforderung und gesundheitlicher Beeinträchtigung führen. Zeit zur Erholung fehlt völlig. Wenn Kindern schwierige Phasen durchleben, fehlt den allein erziehenden Eltern das Gegenüber, um die Problem zu besprechen.
«Keine Kraft mehr zu haben. Das ist meine grösste Angst. Denn wenn ich kippe, dann kippt alles!»

Kinder sind benachteiligt
Die fehlenden Finanzen führen dazu, dass Kindern weniger Zugang zu Früher Förderung haben, was ihre Entwicklung beeinträchtig. Ferien sind selten bis nie möglich. Freizeitaktivitäten richten sich nach den Kosten, so ist etwa Musikunterricht oft ausserhalb der Möglichkeiten.

Caritas weist mit Nachdruck darauf hin, dass die Rahmenbedingungen für Alleinerziehende in der Schweiz schlecht sind. Es besteht akuter Handlungsbedarf, denn es fehlen Krippen- und Betreuungsplätze, Tagesstrukturen für die Kinder, fair entlöhnte und flexible Teilzeitstellen, wirksame Unterstützung durch die Sozialhilfe und Arbeitslosenversicherung und oft auch die Information über Entlastungsangebote und Beratungsstellen.

 

Studie und Positionspapier

  • Wohin steuert die Schweiz in der Armutspolitik?
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  • Gegen die Armut Alleinerziehender
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  • Uni Bern: Alleinerziehende und Armut in der Schweiz
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