

Bolivien:
Geschlechtsspezifische und digitale Gewalt schränken die Sicherheit und Zukunftschancen vieler Mädchen und junger Frauen in Bolivien erheblich ein. Eine gemeinsame Studie von Caritas Schweiz und Solidar Suisse bildet die Grundlage für ein künftiges Projekt, das die Bereiche Schutz, Selbstbestimmung und wirtschaftliche Teilhabe gezielt stärken soll.
Überblick
Einkommen
127'849 Schweizer Franken
17.08.2026 - 15.02.2027
La Paz, El Alto, Cochabamba, Santa Cruz, Beni, Pando
Akteure, Partner, Institutionen und Dienstleister, die mit Opfern geschlechtsspezifischer und anderer Gewalt, mit jugendlichen Mädchen, jungen Frauen sowie Opfern von Kinder- und Frühzwangsehen arbeiten
P260046
DEZA
Projekt im Detail
Gewalt ist in Bolivien weiterhin ein gravierendes Problem. 2025 wurden rund 38’700 Fälle geschlechtsspezifischer Gewalt gemeldet; mehr als 70 Prozent davon betrafen häusliche oder familiäre Gewalt. Frauen und Mädchen machen über 80 Prozent der Betroffenen sexueller Gewalt aus, und Santa Cruz verzeichnet die meisten Fälle. Auch digitale Gewalt nimmt zu: Rund 90 Prozent der Beschwerden wegen Online-Drohungen und der Verbreitung sexueller Inhalte werden von Frauen eingereicht. Kinder und Jugendliche sind zudem von der nicht einvernehmlichen Weitergabe von Bildern betroffen. Verlässliche Daten und ein systematisches Monitoring fehlen bislang weitgehend.
Geschlechtsspezifische Gewalt hängt eng mit Schwangerschaften im Jugendalter, frühen Partnerschaften, Schulabbrüchen und wirtschaftlicher Abhängigkeit zusammen. 2024 wurden mehr als 28’000 Schwangerschaften bei Mädchen und Jugendlichen registriert; Beni und Pando weisen landesweit die höchsten Raten jugendlicher Mutterschaft auf. Diese Faktoren schränken Bildungs- und Erwerbschancen ein und verstärken bestehende Risiken.
Caritas Schweiz und Solidar Suisse bereiten ein gemeinsames Projekt vor, das voraussichtlich im Juni 2027 startet und Gewaltprävention sowie Schutz stärken soll. Für die Wahl der Interventionsgebiete, Prioritäten, Partnerschaften und benötigten Kompetenzen braucht es aktuelle und kontextspezifische Grundlagen.
Die Studie erarbeitet evidenzbasierte Empfehlungen für das gemeinsame Projekt von Caritas Schweiz und Solidar Suisse. Sie zeigt, wo eine Intervention nötig ist, welche Themen Priorität haben und welche Kompetenzen gestärkt werden müssen. So schafft sie die Grundlage, um gefährdete Mädchen und junge Frauen besser zu schützen und ihre Selbstbestimmung sowie soziale und wirtschaftliche Teilhabe zu fördern. Die geplante Intervention wird mit lokalen Organisationen entwickelt.
Die Untersuchung verbindet sieben Analysebereiche. Sie untersucht die geografische Verteilung von geschlechtsspezifischer Gewalt, Schwangerschaften im Jugendalter sowie Kinder-, Früh- und Zwangsheiraten und -partnerschaften und erfasst bestehende Schutzangebote. Zudem analysiert sie Arbeitsmarktchancen, Berufsbildung und Möglichkeiten für unternehmerische Tätigkeiten von gefährdeten jungen Menschen. Auch die Zukunftswünsche, digitalen Bedürfnisse und geschlechtsspezifischen Hürden von jugendlichen Mädchen und jungen Frauen werden berücksichtigt.
Weitere Kapitel bewerten die Wirksamkeit und das Potenzial zur Ausweitung integrierter kommunaler Schutzdienste und Unterkünfte. Sie halten Erkenntnisse aus Programmen und Methoden zur Gewaltprävention fest und untersuchen das Wohlergehen, die Bewältigungsstrategien und die Selbstfürsorge von Fachpersonen in Schutzdiensten. Ausserdem werden die Kompetenzen möglicher Umsetzungspartner und ihr institutioneller Entwicklungsbedarf beurteilt.
Die Ergebnisse fliessen direkt in die Konzeption des künftigen Programms mit Solidar Suisse ein. Sie unterstützen Entscheidungen zur geografischen Ausweitung, zu Partnerschaften, wirtschaftlicher Teilhabe, Gewaltprävention und Kapazitätsaufbau. Caritas Schweiz und Solidar Suisse leisten technische Unterstützung; externe Fachpersonen sowie die lokalen Partner ENDA El Alto, Infante und FMK bringen ihre Expertise ein.
Weitere Projekte Engagement für eine Welt ohne Armut
Titelbild: Dyana kann dank der Unterstützung von Caritas und den Projektpartnern wieder lachen. © Pablo Quiroga/Yamil Antonio


