

Armut in der Schweiz: Ursachen, Vorurteile und Realität
Armut in der Schweiz ist häufig eine unsichtbare Realität. Sie zeigt sich nicht auf der Strasse, sondern in überfüllten Briefkästen, unbezahlten Rechnungen und in der ständigen Angst vor dem Monatsende. Viele Betroffene leben unter uns – im selben Quartier, im selben Haus, manchmal im gleichen Büro. Doch Armut wird oft falsch verstanden und viele Vorurteile halten sich hartnäckig. Zeit, damit aufzuräumen.
Drei verbreitete Mythen über Armut in der Schweiz
Mythos 1: «In der Schweiz gibt es keine echte Armut»
Realität: Über 1,4 Millionen Menschen in der Schweiz sind von Armut betroffen oder bedroht, darunter mehr als 110'000 Kinder. Sie leben unter oder nur knapp oberhalb der Armutsgrenze. Schon kleine Veränderungen – höhere Prämien für die Krankenkasse, eine Mietzinserhöhung oder eine kaputte Waschmaschine – können ihr ohnehin knappes Budget ins Wanken bringen und finanzielle Not verursachen. Viele Betroffene sind erwerbstätig, einige arbeiten sogar in mehreren Jobs. Trotzdem reicht das Einkommen nicht aus, um grundlegende Lebenshaltungskosten wie Miete, Krankenkasse, Mobilität oder Kinderbetreuung zu decken.
👉 Armut ist nicht laut und auffällig. Sie ist häufig still und wohnt nebenan.
Mythos 2: «Wer in der Schweiz arm ist, ist selber schuld»
Realität: Armut ist selten das Resultat einer einzelnen Entscheidung oder persönlichen Verhaltens. Armut entsteht meist im Zusammenspiel von individuellen Umständen wie fehlender Ausbildung, unbezahlter Care-Arbeit oder Schicksalsschlägen und ungünstigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen wie zu teurer familienexterner Kinderbetreuung, prekären Arbeitsverhältnissen oder hohen Lebenshaltungskosten.
👉 Armut kann jede und jeden treffen – unabhängig von Willen, Leistung oder Einsatz.
Mythos 3: «Wer arbeitet, kann gar nicht arm sein»
Realität: Arbeit schützt nicht automatisch vor Armut. In der Schweiz gibt es rund 375'000 Menschen, die trotz einem hohen Erwerbspensum oder mehreren Teilzeitjobs kaum über die Runden kommen. Sie gehören zu den sogenannten «Working Poor». Ihr Einkommen reicht zwar häufig knapp für das Nötigste – aber sehr selten für ein finanzielles Polster oder unerwartete Ausgaben. Schon kleine Veränderungen im Alltag können zur Herausforderung werden: eine höhere Miete, steigende Krankenkassenprämien oder zusätzliche Kosten für die Kinderbetreuung.
👉 Armut trotz Arbeit ist kein Ausnahmefall, sondern Realität in vielen Haushalten.
Auf unserer neuen Webplattform finden Sie viele Fakten, Zahlen und Hintergrundinformationen zu Armut in der Schweiz – von der Armutsgrenze über Kinderarmut bis zu den Ursachen von Working Poor.

Doch wie ist es wirklich, von Armut betroffen zu sein?
Wenn das Geld Monat für Monat knapp ist, wird der Alltag zur ständigen Abwägung: Was ist wirklich nötig – was muss warten? Unerwartete Ausgaben werden schnell zur Belastung und Haushaltsbudgets geraten ins Wanken. Unser Armutsparcours, Beispielbudgets und das Video über Claudia Schwarz, eine betroffenen Mutter, geben Einblick in diese Realität und zeigen, wie sich Armut im Alltag auswirkt.
Hinter jeder Statistik stehen Menschen mit einer Geschichte. Im Video erzählt Claudia Schwarz, eine betroffene alleinerziehende Mutter aus der Schweiz, wie sich finanzielle Unsicherheit im Alltag anfühlt.
Caritas Schweiz unterstützt armutsbetroffene Menschen in der Schweiz dabei, ihre Situation besser zu meistern und neue Perspektiven zu entwickeln. Mit Angeboten wie Schulden- und Sozialberatung, KulturLegi oder den Caritas-Märkten schaffen wir Entlastung und fördern Wege aus schwierigen Lebenssituationen.
Wir engagieren uns auch politisch für bessere Rahmenbedingungen, beispielsweise für ein Sozialsystem, das den heutigen Lebensrealitäten entspricht oder den Zugang zu Weiterbildung für armutsbetroffene Erwachsene.
youngCaritas, der Jugendbereich der Caritas Schweiz, fördert freiwilliges Engagement, unterstützt Projekte junger Menschen und bringt soziale Themen in Schulen

Gemeinsam für eine Schweiz ohne Armut
Armut ist keine Randerscheinung. Sie ist Teil unserer Gesellschaft – auch wenn sie oft übersehen wird. Auch Sie können dazu beitragen, Armut sichtbarer zu machen. Sprechen Sie in Ihrem Umfeld darüber; abonnieren Sie unseren Newsletter, um up to date zu bleiben; oder unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende. Vielen Dank für Ihre Solidarität! ❤️
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