Vom Wunsch, ein Mechaniker zu sein

Tschad

Der Tschad zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Vielen Menschen fehlt der Zugang zu einer Berufsbildung, dabei wäre das ein Weg aus der Armut. Caritas Schweiz unterstützt junge Menschen mit Ausbildungen dabei, ihre Perspektiven zu verbessern.

Alain Mendjiormel ist 30 Jahre alt und hat einen Plan: Er will Motorradmechaniker werden. In seinem Wohnort Timbéri und der umliegenden Gegend gibt es aber keine entsprechende Ausbildung. Mehrere Jahre schlägt er sich als Bauer durch und versucht alles, um seine Frau Olive und die vier Kinder zu ernähren. Doch das Geld reicht selten bis zum Ende des Monats. Die Felder sind längst nicht mehr so fruchtbar wie früher und Ochsen, die die Arbeit erleichtern würden, teuer.

Caritas Schweiz füllt Lücken im Ausbildungssystem

Die beruflichen Möglichkeiten für junge Menschen wie Alain sind im Süden des Tschads begrenzt. Ein Grossteil der Bevölkerung kann weder lesen noch schreiben. Zudem sind lokale Ausbildungszentren rar und kostspielig. Eine feste Anstellung zu erhalten, ist unter diesen Umständen schwierig. Caritas Schweiz schafft in drei südlichen Provinzen Möglichkeiten für eine Berufsbildung und einen verbesserten Zugang zum Arbeitsmarkt.

Jugendliche und junge Erwachsene können eine dreimonatige Ausbildung zum Schneider, zur Schreinerin, in Motorradmechanik oder Stricken absolvieren. Im Anschluss erhalten sie eine Grundausstattung an Werkzeugen und Material, um selbst ein Geschäft zu eröffnen. Das benötigte unternehmerische Wissen eignen sie sich in Trainings an.

Alain wird Motorradmechaniker – und Geschäftsmann

Als die Caritas im Frühjahr 2021 junge Menschen für die Ausbildung zum Motorradmechaniker suchte, nutzte Alain Mendjiormel die Chance: «Ich meldete mich umgehend an und absolvierte die dreimonatige Ausbildung kurze Zeit später. Seither repariere ich die Motorräder der Landwirte in Timbéri in meiner eigenen Werkstatt. Das Einkommen reicht endlich, um meine Familie zu ernähren.»

Das Projekt hat in Alain einen grossen Geschäftssinn geweckt. Seither nutzt er jede Gelegenheit, um zusätzliche Gewinne zu erwirtschaften. Beispielsweise mit dem An- und Verkauf von Motorrädern, dem Handel von Hirse und bald auch mit der Zucht von Ziegen.

«Zum ersten Mal in meinem Leben kann ich sogar etwas Geld zur Seite legen.»Alain Mendjiormel

Er und seine Frau konnten bereits das Strohdach ihres Hauses durch ein Blechdach ersetzen und eine Ziege kaufen. Das Ehepaar hat grosse Pläne für die Zukunft und sie möchten ihren Kindern bestmögliche Lebensbedingungen bieten.

Weitere Informationen

Titelbild: Alain Mendjiormel (30): «Ich wollte schon lange Mechaniker werden, aber das war nicht möglich. Heute habe ich meine eigene Werkstatt.» © Simon Huber/Caritas Schweiz