

Vernetzte Interventionen für Notfälle und wirtschaftliche Stabilität (LIFE II)
Überblick
Humanitäre Hilfe
4'423'845 Schweizer Franken
Ländliches Damaskus, Aleppo, Homs und Hama
24'709 gefährdete Syrierinnen und Syrier
P240036
Caritas Polen, Deza
Projekt im Detail
Syrien steht derzeit vor einer der weltweit volatilsten und komplexesten Notlagen. Der 14-jährige Konflikt, verschärft durch den Zusammenbruch des alten Regimes, hat die bereits katastrophale humanitäre Krise weiter verschlimmert. Laut dem Syria Humanitarian Needs Overview (HNO) 2024 benötigen 16,7 Millionen Menschen Unterstützung – die höchste Zahl seit Beginn der Krise im Jahr 2011. Syrien bleibt eines der Länder mit der weltweit höchsten Zahl an Vertriebenen, mit 7,2 Millionen Binnenvertriebenen. Von den 1,1 Millionen Menschen, die Ende November durch die Eskalation der Feindseligkeiten vertrieben wurden, sind etwa 627'000 weiterhin neu vertrieben, davon sind 75 % Frauen und Kinder. Der langanhaltende Konflikt hat die Infrastruktur, Wirtschaft und das soziale Gefüge des Landes schwer beschädigt. Die ohnehin schon prekäre Lage wurde zusätzlich durch die Folgen der Erdbeben im Februar 2023 verschärft.
Diese kumulativen Faktoren bedeuten, dass betroffene Haushalte grosse Schwierigkeiten haben, ihre Lebensgrundlagen wiederherzustellen. Die Arbeitslosenquote ist stark gestiegen und lag 2022 bei fast 50 % der erwerbsfähigen Bevölkerung. Gleichzeitig bleibt das Bildungssystem zersplittert, was den Zugang von Kindern zur Bildung einschränkt. Mindestens 2,4 Millionen Kinder gingen 2024 nicht zur Schule. Zudem verschlechtern sich die Bewältigungsstrategien der Haushalte zunehmend, was dazu führt, dass Kinder aus der Schule genommen und zur Arbeit geschickt werden – in einigen Regionen betrifft das bis zu 30 % der Kinder, wodurch sie einem hohen Schutzrisiko ausgesetzt sind.
Das Projekt zielt darauf ab, den Schutz, die verbesserten Lebensbedingungen und die gesteigerte Resilienz konfliktbetroffener Gemeinschaften in Syrien zu fördern, indem lebensrettende und lebensunterstützende Hilfe durch Geldtransfers, Bildungs- und Lebensunterhaltsdienste für insgesamt 24'709 Syrerinnen und Syrer bereitgestellt wird. Ein zusätzlicher Schwerpunkt liegt auf der Integration von Aspekten des sozialen Zusammenhalts sowie auf einer umfassenden Lokalisierungskomponente. Durch diesen integrierten und ganzheitlichen Ansatz soll eine Wirkung über die 24-monatige Projektlaufzeit hinaus erzielt werden.
Das Projekt möchte das Personal der Umsetzungspartner, öffentliche Akteure und lokale Interessengruppen durch spezielle Kapazitätsaufbau-Massnahmen befähigen, „Wandelakteure“ zu werden, die den Prozess der Nothilfe und des Wiederaufbaus eigenständig leiten und umsetzen können. 2'593 Personen werden von diesen Projektaktivitäten profitieren.
Die Teilnehmenden des Projekts erhalten bedarfsorientierte Unterstützung durch Geldtransfers, Bildungs- und Lebensunterhaltsmassnahmen, um die Haushalte zu stabilisieren und zu ihrem aktuellen und zukünftigen Einkommen beizutragen. Dazu gehören finanzielle Unterstützung, Schulungen zur Steigerung der Einkommensmöglichkeiten, Unternehmenszuschüsse und Haushaltsmentoring. Kinder von Haushalten, die Geld- oder Unternehmenshilfen erhalten, können von Bildungs- und Schutzmassnahmen profitieren. Zusätzliche informelle Bildungsangebote (NFE) sollen die schulischen Leistungen von Kindern verbessern, die Schwierigkeiten haben oder die formale Schule abgebrochen haben. Sie werden in das formale Bildungssystem integriert. Zusätzlich erhalten Lehrerinnen und Lehrer an öffentlichen Schulen massgeschneiderte Schulungen zu Lehrmethoden und Schutzmassnahmen. Gruppentherapiesitzungen für Kinder, Jugendliche, Betreuungspersonen und Lehrkräfte sollen Schutzbedürfnisse adressieren. 13'510 Personen werden von diesen Projektaktivitäten profitieren.
Der soziale Zusammenhalt wird im Rahmen des Projekts gefördert und durch gemeinsame Aktivitäten gestärkt. Diskussionen in demografisch abgestimmten Gruppen adressieren spezifische Gemeinschaftsbedürfnisse, einschliesslich der von Menschen mit Behinderungen. Vertreterinnen und Vertreter dieser Gruppen sowie Freiwillige der Umsetzungspartner bilden eine Kernarbeitsgruppe, die gemeinsam Projekte zur Unterstützung der Gemeinschaft entwickelt und umsetzt, basierend auf dem Feedback aus dem Haushaltsmentoring. Dieser kollaborative Ansatz stärkt langfristige Bewältigungsmechanismen und trägt zur Stabilität und zum sozialen Zusammenhalt in der Gemeinschaft bei. 25'078 Personen werden von diesen Aktivitäten profitieren.
Die Gesamtzahl der einzigartigen Projektteilnehmenden wird auf 24'709 geschätzt, basierend auf der Annahme, dass 40 % der Personen von verschiedenen im Projekt angebotenen Dienstleistungen profitieren. Angesichts des hohen Bedarfs in allen Sektoren in Syrien ist es entscheidend, die Bedürfnisse der Teilnehmenden so ganzheitlich wie möglich zu erfüllen, um langfristige Resilienz und Selbstständigkeit aufzubauen.
Weitere Projekte Engagement für eine Welt ohne Armut
Titelbild: Ein syrisches Mädchen auf dem Weg durch die zerstörten Strassen Aleppos – durch das Projekt werden gefährdete Familien mit lebensrettender Hilfe unterstützt. © Hasan Belal


