

Sozio-ökonomische Integration benachteiligter Bevölkerungsgruppen im ländlichen Raumbeendet
Überblick
Einkommen, Humanitäte Hilfe
3'094'398 Schweizer Franken
01.10.2019 - 30.12.2024
Ostbosnien, Obere Drina-Region
Benachteiligte Bevölkerungsgruppen in Randgebieten
P190056
Projekt im Detail
Die Obere Drina-Region in Bosnien-Herzegowina ist seit dem Krieg von einer schwachen Wirtschaft und von Auswanderung geprägt. Eines der Hauptprobleme sind fehlende Arbeitsplätze. Zusammen mit den Gemeinden entwickelt dieses Projekt Modelle für die Unterstützung benachteiligter Bevölkerungsgruppen und die Förderung lokaler Initiativen. So schafft die Caritas nachhaltige Einkommensquellen insbesondere für benachteiligte Gruppen wie Menschen arbeitslose Jugendliche, ältere Menschen, gering Qualifizierte und alleinstehende Frauen, verbessert ihre wirtschaftliche Situation und soziale Integration.
Benachteiligte Bevölkerungsgruppen in Randgebieten erhalten bessere Unterstützung durch ihre Wohngemeinden, haben neue Einkommensmöglichkeiten und beteiligen sich am sozialen und wirtschaftlichen Leben in ihrer Region.
Die Obere Drina-Region (Upper Drina Region, UDR) liegt in einem abgelegenen ländlichen Gebiet im Osten Bosnien-Herzegowinas (BiH), auf der Grenze zwischen den beiden politischen Entitäten des Landes: der Republika Srpska (RS) und der Föderation von Bosnien und Herzegovina (FBiH). Seit dem Krieg ist die UDR von einer schwachen Wirtschaft und von Auswanderung geprägt. Während gut ausgebildete und wirtschaftlich aktive Bevölkerungsgruppen in städtische Gebiete oder ins Ausland abwandern, bleiben benachteiligte Gruppen wie ältere, gering qualifizierte, gesundheitlich angeschlagene und arme Menschen zurück.
Fehlende Arbeitsplätze sind eines der Hauptprobleme der lokalen Bevölkerung. Sie sind ein wesentlicher Faktor für den Auswanderungsdruck, der die Bevölkerung zwingt, in städtische Gebiete des Landes oder weiter weg, nach Westeuropa oder Übersee, zu ziehen.
Grosse Teile der Bevölkerung in der UDR sind Subsistenzlandwirte. Verdienstmöglichkeiten gibt es bei einigen spezifischen Aktivitäten, wie beispielsweise in der Beerenproduktion, für Wildkräuter oder in der Holzwirtschaft. Aber die landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten in der UDR sind unterentwickelt und die Märkte befinden sich in grösseren Gemeinden (wie Višegrad, Foča, Goražde) und in grösserer Entfernung in Sarajevo. Begrenzte Möglichkeiten, eine Anstellung zu finden, gibt es nur in den stärker industrialisierten Gebieten (wie Goražde) oder im öffentlichen Dienst. Deshalb sind viele arme Haushalte abhängig von Geldüberweisungen von Verwandten im Ausland, staatlichen Renten und anderen Unterstützungsbeiträgen.
Viele Gemeinden in der UDR haben den politischen Willen, benachteiligte Familien zu unterstützen und die wirtschaftliche Entwicklung der Region voranzutreiben. Oft fehlen jedoch das notwendige Wissen und die Ressourcen. Die EU und andere Geber finanzieren zwar Beschäftigungsprogramme. Ihr Umfang ist jedoch zu begrenzt, um alle Bedürfnisse abzudecken und auch die besonders benachteiligten Gruppen zu erreichen.
Caritas Schweiz ist in der UDR seit mehreren Jahren mit einer Reihe von Projekten tätig, darunter im Wiederaufbau, in der Einkommensförderung und Schaffung von Arbeitsplätzen, aber auch mit Aktivitäten zu Versöhnung und zur Förderung der regionalen Entwicklung. Die Gemeinden der Region haben die Arbeit der Caritas Schweiz kennen und schätzen gelernt und vertrauen der Organisation.
Ergänzend zu bestehenden Beschäftigungsprogrammen soll das Projekt Socio-Economic and Liveli-hoods Local Support (SELLS) durch die Förderung von Kleinunternehmen und Kooperativen zur wirtschaftlichen Entwicklung in der UDR beitragen. Das Projekt richtet sich insbesondere an benachteiligte Gruppen wie Menschen in abgelegenen Gebieten, arbeitslose Jugendliche, ältere Menschen, gering Qualifizierte und alleinstehende Frauen. Durch die Schaffung nachhaltiger Einkommensquellen zielt SELLS darauf ab, ihre wirtschaftliche Situation und soziale Integration zu verbessern. Ein weitergehendes, indirektes Projektziel ist es, Alternativen zur Migration zu schaffen, indem die lokalen Lebensgrundlagen verbessert werden
Zweiseitige Interventionslogik
Einerseits werden die Gemeinden in der UDR in ihren Fähigkeiten gestärkt, benachteiligte Bevölkerungsgruppen zu unterstützen und insbesondere die Entwicklung von Kleinunternehmen und Kooperativen zu fördern. Andererseits werden benachteiligte Personen und lokale zivilgesellschaftliche Organisationen – wie Verbände und Genossenschaften – ermutigt, Geschäftsideen und wirtschaftliche Initiativen zu entwickeln, welche zur Schaffung von Verdienstmöglichkeiten und zur regionalen Entwicklung beitragen sollen.
Jede Partnergemeinde beteiligt sich finanziell am Projekt. Sie stellt eine/n Beauftragte/n für Gemeindeentwicklung ein, welche/r zusammen mit Caritas Schweiz eine Situationsanalyse macht, mögliche Partner aus dem Privatsektor kontaktiert, Unterstützungsmodelle entwickelt und die Projektaktivitäten umsetzt. Die Partnergemeinden kommen aus beiden politischen Entitäten und stehen während der Projektimplemen¬tierung in engem Austausch, um Erfahrungen zu kapitalisieren und die regionale Zusammenarbeit zu stärken.
In jeder Gemeinde gibt es öffentliche Aufrufe an benachteiligte Personen und lokale Vereinigungen, sich für die Teilnahme am Projekt zu bewerben. Danach werden die ausgewählten Personen unterstützt bei der Ausarbeitung einer Geschäftsidee. Sie erhalten eine finanzielle Starthilfe und fachliche Beratung bei der Umsetzung. Caritas Schweiz und die Gemeinden begleiten die Neuunternehmer und werten ihren Erfolg aus, um bei Bedarf die Unterstützungsmodalitäten anzupassen und zu verbessern.
Das übergeordnete Ziel von SELLS ist es, zusammen mit den Gemeinden Modelle für die Unter-stützung benachteiligter Bevölkerungsgruppen und die Förderung lokaler Initiativen zu entwickeln, welche auch nach Ende des Projektes weitergeführt und gegebenenfalls auch von anderen Gemeinden in der Region übernommen und adaptiert werden können.
Weitere Projekte Engagement für eine Welt ohne Armut
Das Projekt wird finanziert durch:
- DEZA
- Caritas Schweiz
Titelbild: © Norman Tahirovic


