Eine bittere und skandalöse Realität

Stellen Sie sich vor, Sie hätten höchstens 2,15 US Dollar am Tag zum Leben. Und mit diesem Geld müssten Sie alle Kosten für sich und ihre Familie decken. Nicht möglich? Doch, vielmehr sogar bittere und skandalöse Realität für 700 Millionen Menschen auf der Welt, vornehmlich im Globalen Süden. Die Weltbank definiert das als «extreme Armut». Konkret bedeutet es, dass diese Menschen nicht einmal genügend Geld haben, ihre existenziellen Grundbedürfnisse zu decken.

Viele von ihnen leben in konfliktgeplagten Regionen, hinzu kommen klimabedingte Katastrophen, Epidemien oder wirtschaftliche Krisen.

Der Jahrzehnte lange Einsatz gegen die Armut in der Welt hat Wirkung gezeigt. Auch dank professioneller und moderner Entwicklungszusammenarbeit ging die Zahl derer, die in extremer Armut leben, in den vergangenen 25 Jahren kontinuierlich zurück.

 

Ich lebte jahrelang von der Hand in den Mund und wusste nicht, wie ich mein Neugeborenes ernähren soll. Erst eine Ausbildung der Caritas brachte Besserung und Stabilität in unser Leben.

Pierre Evena Delinois (41), Haiti

 

Erstmals wächst die globale Armut wieder

Das Jahr 2020 brachte eine negative Wende und machte viele Erfolge in der Armutsbekämpfung zunichte.

Die Covid-Pandemie sowie politische, finanzielle sowie klimabedingte Krisen haben die Lebensbedingungen von mehr als zwei Milliarden Menschen auf der südlichen Halbkugel dramatisch zugespitzt. Hinzu kommt besonders in Ostafrika und der Sahelzone eine extreme Dürre. Immer mehr Menschen müssen ihre Heimat verlassen, weil sie auf den ausgetrockneten Äckern keine Nahrungsmittel mehr anbauen können und ihre Viehherden verenden.

Der Krieg in der Ukraine verknappt die Versorgung mit Getreide und Öl. Dadurch schnellen die Kosten für Grundnahrungsmittel in die Höhe, in vielen Ländern der Subsahara haben sie sich durch die Inflation mehr als verdoppelt. Die Energie- und Treibstoffpreise steigen ebenfalls massiv an.

Die Welt sieht sich mit einer Mehrfachkrise konfrontiert. Die fatale Überschneidung von mehreren Krisen gleichzeitig führt zu Hunger, wachsender Armut und bedeutet für die Menschen im Globalen Süden einen täglichen Kampf ums Überleben. Einmal mehr trifft es die Ärmsten zuerst und am stärksten, und dies, obwohl sie kaum zu diesen Krisen beigetragen haben und sie nicht über die Mittel verfügen sich dagegen zu wehren.

 

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Ja zu einer Welt ohne Armut

Armut zu verhindern, zu bekämpfen und zu lindern – mehr noch, Armut zu beenden, überall und für alle: Das ist der Grundauftrag der Caritas, dem sie seit ihrer Gründung im Jahr 1901 verpflichtet ist. Das Ziel – eine Welt ohne Armut – ist immer dasselbe, aber die Wege dorthin passen sich den Bedürfnissen an.

Heute steht der ganzheitliche Ansatz für eine nachhaltige Armutsbekämpfung im Zentrum. Daher koppelt Caritas Schweiz Nothilfe mit langfristigen Entwicklungsprojekten und fokussiert auf kurz- und langfristige Veränderungen im Leben der Menschen.

So verstandene Entwicklungszusammenarbeit leistet einen entscheidenden Beitrag, dass sich die Lebenssituation von besonders armen und benachteiligten Menschen verbessert.

Caritas Schweiz sagt «Ja zu einer Welt ohne Armut».

 
Wissenswertes zur Armut
 

Was ist Armut?

Armut ist mehr als ein Mangel an Geld. Armut zwingt Menschen, unter unwürdigen Bedingungen zu leben, ob wegen materieller Notlagen wie ausfallender Ernten oder immaterieller Hindernisse, etwa durch politische Unruhen.

Armut bedeutet auch

  • keinen Zugang zu Bildung zu haben
  • sich keine adäquate Gesundheitsversorgung leisten zu können
  • in einem unsicheren Arbeitsverhältnis zu stehen
  • in ungesunden Verhältnissen wohnen zu müssen
  • durch eine Katastrophe die Existenzgrundlage zu verlieren
  • fehlende Einkommensperspektiven
  • die Heimat verlassen zu müssen, weil Klimaveränderungen, Krieg oder Gewalt die Lebensgrundlage entziehen

Armut hat viele Gesichter, aber sie verstösst immer gegen die Würde des Menschen.

 

Bis 2030 will die internationale Gemeinschaft «extreme Armut» beenden (Agenda 2030). Die Weltbank erwartet, dass das grosse Millenniumsziel nicht mehr zu erreichen ist und dann stattdessen – und noch immer – mehr als eine halbe Milliarde Menschen ein Dasein in extremer Armut fristen. Auch Caritas Schweiz leistet national und international einen Beitrag Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG), die von der Uno in der Agenda 2030 festgelegt wurden.

Die Caritas engagiert sich für die Agenda 2030

 

Wenn Armut ihr Gesicht zeigt - Porträts aus der ganzen Welt