

Bessere Lebensbedingungen und lokale wirtschaftliche Entwicklung für Einheimische, Flüchtlinge und Rückkehrendebeendet
Projekt im Detail
Der Tschad ist das grösste Binnenland auf dem afrikanischen Kontinent und gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Zwei Drittel der Bevölkerung können weder lesen noch schreiben, und lediglich die Hälfte der Menschen hat Zugang zu sauberem Trinkwasser. Dazu kommt die Geschlechterungleichheit: Frauen werden stark diskriminiert. Das Projekt ist im südlichen Tschad angesiedelt. Die Interventionen von Caritas Schweiz im ländlichen Bereich basieren auf zwei zentralen Ansätzen: der Förderung der nachhaltigen Nutzung von natürlichen Ressourcen und der lokalen wirtschaftlichen Entwicklung.
Das Projekt strebt die nachhaltige Verbesserung der Lebensbedingungen der einheimischen Bevölkerung und von Vertriebenen (Flüchtlinge und Rückkehrer) an. Dies erfolgt durch die Stärkung der Selbstversorgung, die Entwicklung von Wertschöpfungsketten verbunden mit der Schaffung von Arbeitsplätzen sowie die Verminderung gesellschaftlicher Spannungen.
Der Tschad ist das grösste Binnenland auf dem afrikanischen Kontinent. Gemäss dem Human Development Index des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) lag das Land 2016 auf Rang 185 von 188 Ländern und ist somit eines der ärmsten der Welt. Die zentrale Lage in der Sahel-Zone macht den Tschad strukturell anfällig für Ernährungsunsicherheit und Wasserknappheit. Gleichtzeitig stellt er damit für Migrantinnen und Migranten aus unsicheren Nachbarländern ein mögliches Fluchtziel dar. Zwei Drittel der Bevölkerung des Tschad können weder lesen noch schreiben, und lediglich die Hälfte der Menschen hat Zugang zu sauberem Trinkwasser. Dazu kommt die Geschlechterungleichheit: Frauen werden stark diskriminiert.
Das Projekt ist im südlichen Tschad in den Regionen Logone-Oriental, Mandoul und Moyen-Chari angesiedelt. Dieser Landesteil leidet seit mehreren Jahren unter den Auswirkungen des Klimawandels, der Verschlechterung der Qualität der Böden und den zahlreichen Krisen in der benachbarten Zentralafrikanischen Republik. Die ärmsten lokalen Bevölkerungsgruppen haben grosse Schwierigkeiten, sich an die laufend veränderten Umstände anzupassen. Der Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen, zur Deckung der Grundbedürfnisse (Wasser, Gesundheit, Bildung) sowie der Nahrungsmittel- und Ernährungssicherheit ist für einen grossen Teil der Bevölkerung nicht gewährleistet oder mit grossen Mühen verbunden. Besonders für junge Menschen sind die wirtschaftlichen Schwierigkeiten beträchtlich. Ihre Chancen auf eine geregelte formelle Anstellung sind gering und die Arbeitslosigkeit hoch. Lokale Ausbildungszentren sind rar, haben wenig Kapazität und sind für Interessierte oft weder physisch noch finanziell zugänglich.
Seit 2013 ist der südliche Teil des Tschad von grossen Migrationsbewegungen aus der benachbarten Zentralafrikanischen Republik betroffen. Die Vertriebenen, die sich aus Flüchtlingen und Rückkehrenden zusammensetzen, haben sich in verschiedenen Orten und Lagern niedergelassen. Alleine zwischen Dezember 2017 und April 2018 registrierte das UNHCR knapp 30'000 neue Ankömmlinge in diesen Regionen – der grösste Zustrom seit dem Beginn der Krise. Die Migration hat die drei Regionen destabilisiert. Einheimische Bevölkerungsgruppen nehmen an einigen Orten Geflüchtete oder Rückkehrende auf und teilen ihre lebensnotwendigen Güter, Ressourcen und Dienstleistungen. Das Zusammenleben der unterschiedlichen Gruppen funktioniert, die Basis ist aber zerbrechlich und wird durch Spannungen unter den Vertriebenen und manchmal auch mit der lokalen Bevölkerung gefährdet.
Caritas Schweiz engagiert sich seit vielen Jahren im Tschad. Nachdem sie in den 70er-Jahren vorwiegend im humanitären Bereich gearbeitet hatte, engagierte sie sich in den 80er-Jahren zunehmend in der Entwicklungs-zusammenarbeit. Dieses Projekt profitiert von Erfahrungen, die Caritas Schweiz in den letzten Jahren im Zusammenhang mit anderen ähnlichen Projekten in den Bereichen Ernährungssicherheit und Berufsbildung im Tschad gemacht hat. Die Interventionen von Caritas Schweiz im ländlichen Bereich basieren dabei alle auf zwei zentralen Ansätzen: der Förderung der nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen und der lokalen wirtschaftlichen Entwicklung.
In den Regionen Logone-Oriental, Mandoul und Moyen-Chari teilen sich Einheimische ihren Lebensraum mit einer grossen Anzahl von Vertriebenen. Durch die laufende Zunahme der Migrationsbewegungen verstärkt sich gleichzeitig der Wettbewerb um die bereits knappen Ressourcen sowie mögliche Einkommensquellen. Um die angespannte Situation zu entschärfen, werden durch das Projekt die Selbstversorgung der verschiedenen Bevölkerungsgruppen gestärkt, der Zugang zu zentralen Dienstleistungen verbessert sowie der systematisierte Austausch unter den verschiedenen Akteuren verstärkt. Ziel ist es, die Lebensbedingungen der einheimischen Bevölkerung sowie diejenigen der Geflüchteten und Zurückgekehrten nachhaltig zu verbessern.
Die Aktivitäten sind in den Bereichen Soziales, Dienstleistungen und Einkommensförderung angesiedelt. Im Zentrum stehen der Zugang zu Mikrokrediten, die Entwicklung von Wertschöpfungsketten bei gleichzeitiger nachhaltiger Nutzung der natürlichen Ressourcen sowie der Ausbau von verfügbaren beruflichen und technischen Ausbildungen. Auf der Ebene der Haushalte werden möglichst rasch neue Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen. Dies erfolgt durch die bessere Vernetzung von Produzenten landwirtschaftlicher Güter und Marktakteuren. Zudem soll in bessere Transportmöglichkeiten sowie eine erhöhte Qualität der Produkte investiert werden. Längerfristige Massnahmen sind die Sanierung von Schulen, die Entwicklung von Gemeinschaftsgärten sowie die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und Produktivität, beispielsweise durch einfache bauliche Massnahmen zur Reduktion der Erosion oder die Nutzung pflanzlichen Düngers. Für die sozial schwächsten Bevölkerungsgruppen sieht das Projekt zudem bessere Schutzmechanismen vor. Dazu gehört die Stärkung der Rechte der Flüchtlinge sowie eine Verminderung der gesellschaftlichen Spannungen.
Auf kommunaler Ebene beinhaltet das Projekt die organisatorische und technische Unterstützung der Gemeinden bezüglich der Verwaltung und dem Betrieb von Wasserstellen, Schulen, Gesundheitseinrichtungen und Saatgutbanken für die Landwirtschaft. Daneben werden von der Bevölkerung getragene Spar- und Kreditgemeinschaften aufgebaut und mit Mikrofinanzinstituten vernetzt. Sie zielen darauf ab, den ärmsten Haushalten Zugang zu Kleinkrediten zu ermöglichen, die zur Diversifizierung der Tätigkeiten und zur Schaffung von Einkommen führen und das Schuldenrisiko minimieren. Diese lokalen Finanzdienstleistungen sind auf die Bedürfnisse der jeweiligen Bevölkerungsgruppen zugeschnitten und sollen besonders den Zugang für Frauen und Jugendliche erleichtern. Diese Massnahmen werden alle im Rahmen des Aufbaus von Wertschöpfungsketten realisiert. Dies beinhaltet die Stärkung der technischen Kapazitäten für Produktion, Lagerung und Vermarktung, die Einrichtung von Getreide-, Saatgut- und Viehfutterbanken, oder den Aufbau von Genossenschaften. Daneben werden auch die verfügbaren beruflichen und technischen Ausbildungen in den Berufszentren ausgebaut und die Ausbildner gestärkt.
Schliesslich werden auch Massnahmen zur Verbesserung des Zusammenlebens und des Zusammenhalts der Gemeinschaften umgesetzt. Ziel ist es, Mechanismen zur Prävention und Bewältigung von Konflikten zu stärken, den interkulturellen und interkommunalen Austausch zu fördern, die Besonderheiten der Gemeinschaften zu stärken und die Neugierde aller zu wecken.
Durch den verfolgten Nexus-Ansatz werden einerseits die Bereiche Humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit verbunden. Andererseits werden so die Themenfelder Marktzugang, Wertschöpfungsketten, das Management natürlicher Ressourcen, die Reduktion von Katastrophenrisiken, menschenwürdige Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie das Unternehmertum und Grundbedürfnisse verlinkt. Dieser innovative Ansatz zur systematischen ökonomischen Integration von Flüchtlingen wurde vom UNHCR und der International Labour Organization (ILO) entwickelt.
Fakten und Zahlen
Bildung, Humanitäre Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit
10'084'463 Schweizer Franken
Tschad, Regionen Moyen-Chari, Mandoul und Logone-Oriental
181'479 Personen in 29'928 Haushalten
DEZA, EU*, Caritas Schweiz
*Dies wird von der Europäischen Union finanziert/kofinanziert. Der Inhalt liegt in der alleinigen Verantwortung von Caritas Schweiz und spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung der Europäischen Union wider.


