Armut in der Schweiz

Was heisst es, in einem reichen Land arm zu sein?

In Haiti bedeutet Armut, kein Dach über dem Kopf zu haben. In der Schweiz hingegen ist arm, wer nicht über genügend Einkommen verfügt für den Lebensunterhalt, wer sich weder Krankenkasse noch angemessenen Wohnraum leisten kann oder für wen ein Zahnarztbesuch unerschwinglich ist. Armut ist hierzulande oft verborgen, aber die Folgen sind schwerwiegend: Soziale Kontakte gehen verloren, der Anschluss an die Gesellschaft wird immer schwieriger und Perspektiven fehlen.

722000

Menschen

waren 2020 in der Schweiz armutsbetroffen

133000

Kinder

waren 2020 in der Schweiz armutsbetroffen

1300000

Menschen

galten in der Schweiz 2020 als armutsgefährdet

3963

Franken

hat eine armutsbetroffene vierköpfige Familie monatlich zur Verfügung

Ein Leben in Armut

Im Jahr 2020  waren in der Schweiz 722'000 Menschen armutsbetroffen. Unter ihnen sind überdurchschnittlich viele Alleinerziehende und Menschen mit geringer Ausbildung, die nach einem Stellenverlust keine neue Arbeit finden. 158'000 Männer und Frauen sind trotz Erwerbsarbeit arm – sie sind sogenannte Working Poor. Armutsbetroffen sind auch 133'000 Kinder.

Zählt man all jene Menschen dazu, die nur sehr knapp über der Armutsgrenze leben, ist die Zahl fast doppelt so hoch: 1,3  Millionen Menschen gelten als armutsgefährdet. Sie haben ein deutlich tieferes Einkommen als die Gesamtbevölkerung – weniger als 60% des mittleren Einkommens. Unter ihnen sind überdurchschnittlich viele Familien mit drei und mehr Kindern. Armut ist in der Schweiz also kein Randphänomen. 

Eine armutsbetroffene Einzelperson hat in der Schweiz maximal 2'279 Franken monatlich zur Verfügung, eine vierköpfige Familie mit Eltern und zwei Kindern 3'963 Franken. Damit müssen Wohnkosten, Krankenkasse, Essen, Kleidung, Kommunikation, Strom, Heizkosten, laufende Haushaltsführung, Körperpflege, Gesundheitskosten und Verkehrsauslagen bezahlt werden. Für Bildung, Medien, Vereinsbeiträge und Hobbies bleibt oft kaum mehr etwas übrig.  

Titelbild: Familienarmut ist auch in der Schweiz ein Thema © Conradin Frei