Le Mali attend la saison des pluies.
Le Mali attend la saison des pluies.

Was von El Niño im Sahel bereits spürbar ist

Ein Klimaphänomen mit weitreichenden Risiken für vulnerable Gemeinschaften

Ein ungewöhnlich starkes El Niño Ereignis bahnt sich an – mit möglichen neuen globalen Temperaturrekorden. Die Kombination aus Klimawandel, geopolitischen Spannungen und extremen Wetterereignissen bedroht weltweit die Ernährungssicherheit und verschärft bestehende Krisen. Besonders vulnerable Regionen wie die Sahelzone sind in einer kritischen Phase, in der Dürren, Überschwemmungen und steigende Preise und Verknappung von Treibstoff die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen gefährden.

Die neuesten Analysen internationaler Forschungszentren – darunter die US Atmosphärenbehörde NOAA – deuten sehr klar/stark auf ein aussergewöhnlich starkes El Niño Ereignis im Sommer 2026 hin. In Verbindung mit der fortschreitenden Erderwärmung könnte dies 2027 zu neuen globalen Temperaturrekorden führen.

Verheerende Auswirkungen von El Niño

Die globalen Auswirkungen eines solchen Ereignisses sind weitreichend. In Australien und im Amazonasgebiet drohen schwere Dürren, in Indien ein geschwächter Monsun und früh einsetzende Hitzewellen. Studien deuten ausserdem darauf hin, dass El Niño Ereignisse mit der fortschreitenden Klimaerwärmung häufiger und intensiver auftreten könnten.

Gleichzeitig warnt das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen, dass durch geopolitische Konflikte – etwa durch die Krise an der Strasse von Hormus – zu neuen Rekordwerten bei der weltweiten Ernährungsunsicherheit führen könnte. Durch die Konflikte steigen die Preise für Energie, Treibstoff, Dünger und Lebensmittel stark an. Für besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen in Subsahara Afrika und Asien bedeutet das, dass sich immer mehr Menschen nicht mehr genügend sichere und nahrhafte Lebensmittel leisten können, die für gesundes Wachstum, Entwicklung und ein aktives Leben unerlässlich sind. Für diese Menschen verstärken sich sicherheitspolitische und klimatische Risiken gegenseitig.

Nachgefragt bei der Caritas Schweiz in Mali

Bréhima Coulibaly Klimaexperte
«Wir hatten im Frühjahr 2026 in Teilen Westafrikas extreme und frühzeitige Hitzewellen, bei denen die Temperaturen über den saisonalen Durchschnitt stiegen. Der Beginn der Regenzeit hat sich verzögert. Wir erwarten deshalb intensive Regenmengen.»Bréhima CoulibalyKlimaexperte Caritas Schweiz in Mali

Um die aktuelle Lage besser zu verstehen, haben wir Caritas Schweiz in Mali um eine Einschätzung gebeten. Bréhima Coulibaly, Klimaexperte, beschreibt die Situation vor Ort: «Wir hatten im Frühjahr 2026 in Teilen Westafrikas extreme und frühzeitige Hitzewellen, bei denen die Temperaturen über den saisonalen Durchschnitt stiegen. Der Beginn der Regenzeit hat sich verzögert. Wir erwarten deshalb intensive Regenmengen und überdurchschnittliche Wasserabflussmengen in den Einzugsgebieten der Flüsse Senegal und Niger. Das erhöht das Risiko für Überschwemmungen, Erosion und Schäden an Infrastruktur und bringt Verzögerungen des landwirtschaftlichen Jahreszyklus mit sich – Verzögerungen, die sich auf Produktion, Versorgung und Einkommen auswirken. Gleichzeitig besteht in der westlichen Sahelzone die Gefahr von Trockenheitsherden. Diese Schwankungen gefährden die landwirtschaftliche Produktion, die für die Mehrheit der Bevölkerung die Lebensgrundlage darstellt. In den Folgejahren könnte sich dadurch die bereits bestehende Ernährungsunsicherheit noch verstärken.»


Die Energiekrise in Mali, die durch Unsicherheiten und Konflikte bereits verschärft wurde, hat sich durch die Krise an der Strasse von Hormus weiter zugespitzt. «Knappheit und steigende Preise für Benzin und Diesel treiben die Kosten für Grundnahrungsmittel in die Höhe und belasten die Haushalte zusätzlich, trotz Bemühungen der Regierung, die Krise abzufedern,» sagt Bréhima Coulibaly.

Herman Pingwendé Zoungrana, der Regionaldirektor von Caritas Schweiz für Mali, Burkina Faso und Niger, beobachtet zudem: «Die Wasserversorgung ist in vielen Gemeinden bereits gefährdet, da Pumpen, die mit Treibstoff betrieben werden, aufgrund der hohen Treibstoffkosten nicht mehr eingesetzt werden können. Die Menschen sind deshalb wieder stärker vom Regen abhängig – was ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Dürren und anderen Klimarisiken deutlich schwächt.»

«Die Wasserversorgung ist in vielen Gemeinden bereits gefährdet, da Pumpen, die mit Treibstoff betrieben werden, aufgrund der hohen Treibstoffkosten nicht mehr eingesetzt werden können. Die Menschen sind deshalb wieder stärker vom Regen abhängig.»Herman Pingwendé ZoungranaRegionaldirektor von Caritas Schweiz für Mali, Burkina Faso und Niger

Herman Pingwendé Zoungrana hebt hervor: «Caritas Schweiz setzt sich für umfassende vorbereitende Massnahmen ein, wie beispielsweise durch den Einsatz von dürreresistenten Sorten in der Landwirtschaft, sowie den Aufbau von Notvorräten an Lebensmitteln, um lokale Gemeinschaften in Zeiten von Ernteausfällen und Versorgungsengpässen besser abzusichern.»

Die gleichzeitige Belastung durch Klimawandel, geopolitische Krisen und ein potenziell extremes El Niño Ereignis macht deutlich, wie wichtig frühzeitige Vorbereitung und gezielte Unterstützung sind. Für Organisationen wie Caritas Schweiz bedeutet dies, die Resilienz besonders vulnerabler Gemeinschaften zu stärken und staatliche Strukturen dabei zu unterstützen und zu ergänzen, um die Auswirkungen von Mehrfachkrisen abzufedern.

Was ist El Niño?

El Niño ist ein Klimaphänomen, das etwa alle drei Jahre im äquatorialen Pazifik auftritt. In normalen Jahren treiben die aus Süd-Ost wehenden Passatwinde das warme Oberflächenwasser nach Westen, Richtung Australien. In einem El-Niño-Jahr schwächen sind diese Passatwinde ab oder bleiben aus. Dadurch verlagert sich das warme Oberflächenwasser von West nach Ost, Richtung Südamerika. Dieses veränderte Zirkulationsmuster wirkt sich auf die Atmosphäre und damit auch auf Wetterabläufe auf der ganzen Welt aus.

Porträt Sarah Steinegger

Sarah Steinegger

Mitarbeiterin Entwicklungspolitik

+41 41 419 22 74sarah.steinegger@caritas.ch

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Titelbild: Le Mali attend la saison des pluies. © John Kalapo