Dorfladen in Äthiopien. Der Iran-Krieg führt auch hier zu höheren Preisen.
Dorfladen in Äthiopien. Der Iran-Krieg führt auch hier zu höheren Preisen.

Iran-Krieg verteuert weltweit benötigte humanitäre Hilfe

Die Blockade von Hormus hat gravierende Folgen in den Projektländern von Caritas Schweiz

Die Blockade der Strasse von Hormus hat zur Folge, dass mehr Menschen weltweit von humanitärer Hilfe abhängig werden. Gleichzeitig macht sie es für humanitäre Organisationen immer schwieriger, die notwendige Hilfe auch tatsächlich leisten zu können. Das zeigt sich drei Monate nach Beginn des Irankriegs auch in den Projektländern von Caritas Schweiz.

Der Krieg mit Iran ist für Millionen Menschen in der Region eine Tragödie: Sie leben in Angst, verlieren Angehörige oder sehen ihre Lebensgrundlagen zerstört. Er bringt aber auch weltweit sehr viele Menschen in Notlagen.Kurz nach dem Start der militärischen Angriffe durch die USA und Israel auf den Iran Ende Februar 2026 warnte das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen: Bis zu 45 Millionen Menschen könnten als Folge dieses Krieges zusätzlich von extremer Ernährungsunsicherheit betroffen sein. Zuvor waren bereits 318 Millionen Menschen in dieser Situation. Die Prognose, dass der weltweite Hunger wächst, bestätigt sich inzwischen, auch wenn es dazu noch keine genauen Statistiken gibt.

Anhaltende Störungen humanitärer Programme

Die Hauptursache für die Ausbreitung des Hungers ist die Verknappung von Erdöllieferungen. Sie verteuert Treibstoffe weltweit. In einer Kettenreaktion steigen die Nahrungsmittelpreise stark an. Viele Menschen schaffen es in der Folge nicht mehr, ihre Grundversorgung aus eigener Kraft zu finanzieren. «Die Blockade der Strasse von Hormus führt dazu, dass mehr Menschen von humanitärer Hilfe abhängig werden. Gleichzeitig wird es auch schwieriger, diesen Bedarf abzudecken», sagt Martina Weber, Leiterin der Internationalen Zusammenarbeit bei Caritas Schweiz.

Martina Weber, Head of International Cooperation, Caritas Switzerland
«Beschaffung und Transport von Hilfsgütern sind deutlich teurer geworden. Das ist eine erhebliche Belastung für Caritas Schweiz und andere humanitäre Organisationen. Und es trifft genau jene Menschen, die unsere Unterstützung jetzt besonders benötigen.»martina weberleiterin internationale Zusammenarbeit bei caritas schweiz

Besonders für Kinder, ältere Menschen und Familien in ohnehin fragilen Situationen verschärfen die steigenden Energie- und Grundnahrungsmittelpreise bestehende Notlagen.

Diese Entwicklung beschränkt sich nicht auf die direkt vom Krieg betroffenen Regionen im Nahen Osten, sondern ist auch in fragilen humanitären Kontexten in Afrika, Asien, Lateinamerika, Osteuropa deutlich spürbar. «Mehrere unserer Länderbüros berichten, dass anhaltende Störungen in der zweiten Jahreshälfte eine Anpassung der Programme oder eine Fokussierung der Aktivitäten erforderlich machen könnten. Dies hätte zur Folge, dass wir weniger Menschen in Not erreichen», sagt Martina Weber.

Äthiopien trifft es besonders hart

Äthiopien zählt zu den am stärksten betroffenen Ländern. Die offiziellen Treibstoffpreise stiegen um 15 bis 25 Prozent an. Auf informellen Märkten kann eine Tankfüllung aber auch bis zum Siebenfachen des üblichen Preises betragen. Die ohnehin schon hohen Preise für lebenswichtige Nahrungsmittel stiegen dramatisch an, in einigen Fällen haben sie sich mehr als verdoppelt. Es wird für die lokalen Partnerorganisationen von Caritas Schweiz immer teurer und schwieriger, die geplanten Projekte durchzuführen. Als Folge der Inflation verschärfen sich soziale Spannungen und die allgemeine politische Unsicherheit im Vorfeld der nationalen Wahlen.

Ähnliche Entwicklungen melden die Länderbüros im Südsudan und in Syrien. Die Lage in Kambodscha zeigt, wie sehr selbst relativ stabile Länder den indirekten Auswirkungen der Krise ausgesetzt sind. Die Existenzgrundlagen in der Landwirtschaft geraten aufgrund höherer Produktionskosten und schwacher Marktbedingungen für die Bauernfamilien zunehmend unter Druck. Zwar können die Auswirkungen momentan noch abgefedert werden. Sollte sich die Situation über den Juni hinaus nicht verbessern, müssten die Projektaktivitäten entweder reduziert oder mit zusätzlichen Geldern gedeckt werden.

Muss die Hilfe redimensioniert werden?

«Die Blockade der Strasse von Hormus verstärkt die bestehende Instabilität und die Notlagen in unseren Projektländern», bilanziert Martina Weber. Von Konflikten betroffene, importabhängige und wirtschaftlich instabile Regionen sind wie bereits vor Kriegsbeginn besonders gefährdet. Nun aber spitzt sich die Lage zu:

«Noch laufen viele unserer Programme weiter. Dauert die Krise an, werden wir nicht darum herumkommen, unsere Hilfe zu redimensionieren, ausser die Geldgeber sind bereit, höhere Kosten durch höhere Beiträge zu kompensieren.»martina weber

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Titelbild: Dorfladen in Äthiopien. Der Iran-Krieg führt auch hier zu höheren Preisen. © Ayaana Publishing PLC