Caritas Schweiz

Was die Statistiken zur Armut in der Schweiz aussagen

Zahlen und Fakten

Um das Ausmass der Armut in der Schweiz erkennen zu können, kann man unterschiedliche Statistiken anschauen. Sie geben Auskunft über Armut, Armutsgefährdung, Armut unter Berücksichtigung der finanziellen Reserven, soziale und materielle Deprivation sowie über den Bezug von Sozialhilfe und Ergänzungsleistungen.

Das Bundesamt für Statistik berechnet jedes Jahr das Ausmass der Armut in der Schweiz. Es tut dies anhand der Indikatoren, die unter Wie lässt sich Armut messen? aufgeführt sind. Die Ergebnisse sind in den nachfolgenden Abbildungen dargestellt und textlich erläutert.

Armut und Armutsgefährdung

Armutsquote nach verschiedenen Merkmalen 2023
Armutsgefärdungsquote nach verschiedenen Merkmalen 2023

Das Armutsrisiko ist nicht für alle Bevölkerungsgruppen gleich hoch. Es wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Bestimmte Personen sind vulnerabler:

  • Geschlecht: Frauen tragen im Durchschnitt ein höheres Armutsrisiko als Männer.
  • Alter: Menschen ab 65 Jahren sind eher armutsbetroffen und armutsgefährdet als alle anderen Altersgruppen. Besonders auffällig ist daneben die vergleichsweise hohe Armutsgefährdungsquote bei Kindern.
    Wichtig: Diese Indikatoren berücksichtigen nur die Einkommen, nicht aber die Vermögen. Um die tatsächliche finanzielle Situation von Personen im Rentenalter korrekt abzubilden, müssen auch die Vermögen berücksichtigt werden (siehe nächster Abschnitt). Oder anders gesagt: Die Altersarmut wird hier überschätzt.
  • Nationalität: Ausländische Staatsangehörige aus Südeuropa oder Nicht-EU-Ländern sind häufiger von Armut betroffen oder bedroht als Schweizerinnen und Schweizer sowie Personen aus Nord-/Westeuropa.
  • Bildung: Personen ohne nachobligatorischen Schulabschluss  leben fast dreimal so häufig an oder unter dem sozialen Existenzminimum wie jene mit einem Hochschulabschluss.
  • Familiensituation: Alleinerziehende mit Kindern unter 18 Jahren haben ein überdurchschnittlich hohes Armutsrisiko. Auch Alleinlebende sind eher armutsbetroffen als Personen in Paarhaushalten.
  • Erwerbsstatus: Armut ist unter Nichterwerbstätigen stärker verbreitet als unter Erwerbstätigen. Doch auch eine Beschäftigung bietet keine Garantie gegen Armut. Dies gilt umso mehr, wenn mehrere Haushaltsmitglieder von einem Einkommen leben müssen.

Armut unter Berücksichtigung der finanziellen Reserven

Manchmal haben Menschen mit niedrigem Einkommen Vermögensreserven, auf die sie zurückgreifen können. Das gilt vor allem für Personen ab 65 Jahren. Sie gehen in der Regel keiner bezahlten Arbeit nach. Für sie ist das Vermögen neben der Altersrente die wichtigste Ressource, um den Lebensunterhalt zu finanzieren.

Die vom Bundesamt für Sozialversicherungen erstellte Abbildung zeigt, wie viele Menschen in der Schweiz einkommensarm sind und gleichzeitig zu wenig Vermögen besitzen. Das trifft auf Personen im Erwerbsalter deutlich häufiger zu als auf Personen im Rentenalter.

Zahlen zu sozialer und materieller Deprivation

Eine Person gilt als materiell und sozial depriviert, wenn sie aus finanziellen Gründen in mindestens fünf von 13 Bereichen des täglichen Lebens auf wichtige Güter oder Tätigkeiten verzichten muss.

Materielle und soziale Deprivation

Die häufigste Ausprägung materieller und sozialer Deprivation auf Haushaltsebene ist die Unfähigkeit, eine unerwartete Ausgabe in der Höhe von 2500 Franken innerhalb eines Monats zu begleichen. Rund ein Fünftel der Schweizer Bevölkerung lebt in einem Haushalt, der keine solchen Reserven hat. Auf individueller Ebene müssen Personen am häufigsten auf eine regelmässige kostenpflichtige Freizeitaktivität verzichten sowie darauf, jede Woche etwas Geld für sich selbst auszugeben.

Zahlen zum Bezug von Sozialhilfe und Ergänzungsleistungen

Die Sozialhilfeempfängerstatistik zeigt, wie viele Menschen innerhalb eines bestimmten Zeitraums mindestens einmal eine finanzielle Leistung der Sozialhilfe erhalten haben. Sie gibt aber beispielsweise auch Aufschluss darüber, welche Bevölkerungsgruppen ein höheres Risiko haben, von Sozialhilfe abhängig zu sein und welche Ausbildung Sozialhilfebeziehende haben.

Im Jahr 2024 bezogen 255 804 Personen mindestens einmal Sozialhilfegelder. Das entspricht 2,9 Prozent der Bevölkerung. Personen ohne berufliche Bildung sowie Alleinerziehende und ihre Kinder haben ein erhöhtes Risiko, von der Sozialhilfe abhängig zu werden.

Die Statistik der Ergänzungsleistungen (EL) zur AHV und IV erfasst, wie viele Personen oder welcher Anteil der betroffenen Bevölkerung innerhalb eines Jahres für einen gewissen Zeitraum EL bezogen haben, um ihre Existenz zu sichern. Die folgende Grafik gibt einen Überblick.

Quoten Bezügerinnen und Bezüger von Ergänzungsleistungen 2024

Frauen sind gegenüber Männern häufiger auf Ergänzungsleistungen zur AHV angewiesen. Um unbezahlte Haus- und Betreuungsarbeit zu leisten, unterbrechen oder reduzieren viele Frauen ihre Erwerbstätigkeit. Hinzu kommen grosse Lohnunterschiede: Frauen verdienen oft weniger als Männer. Beides führt dazu, dass Frauen im Durchschnitt eine deutlich tiefere Altersrente erhalten als Männer.