Valentina Graf lebt knapp über der Armutsgrenze.
Valentina Graf lebt knapp über der Armutsgrenze.

Krankenkassenprämien steigen und steigen

Armutsgefährdete Menschen geraten in Bedrängnis

In den Sozial- und Schuldenberatungen der Caritas sind Gesundheitskosten und Ausstände bei den Krankenkassenprämien seit Monaten ein drängendes Thema. Die Folgen der steigenden Prämienlast und der selbst zu bezahlenden Kostenanteile sind fatal: Viele Betroffene verzichten aus Angst vor den Rechnungen auf Gesundheitsdienstleistungen und bringen sich so in Gefahr. So zum Beispiel Valentina Graf aus Kreuzlingen.

Trotz zwei Jobs kein Geld für den Arztbesuch

Valentina Graf arbeitet als Reinigungskraft und Briefträgerin im Stundenlohn, kommt aber trotzdem kaum über die Runden. Die berufliche Situation zu verbessern ist für sie kaum möglich, denn sie ist nicht gut ausgebildet und gesundheitlich seit Jahren angeschlagen. Mit ihren beiden Jobs verdient sie jedes Jahr gerade so viel, dass sie weder Prämienverbilligung noch Sozialhilfe beziehen kann. Sie lebt knapp über der Armutsgrenze.

Die Krankenkassenprämien steigen Jahr für Jahr an und sind inzwischen so hoch, dass die alleinstehende 45-Jährige sie mit ihrem niedrigen Lohn kaum mehr tragen kann. Mit rund 400 Franken pro Monat machen die Prämien bei ihr mehr als 10% des Einkommens aus. Gleichzeitig hält der hohe Selbstbehalt die Alleinstehende trotz Schmerzen und diversen gesundheitlichen Problemen davon ab, ihren Hausarzt aufzusuchen.

«Lieber beisse ich auf die Zähne, als dass ich mich mit Arztkosten verschulden muss.»Valentina grafarmutsbetroffene

Sie geraten besonders in Bedrängnis

Weil die Krankenkassenprämie eine Pro-Kopf-Prämie ist und nicht vom Einkommen abhängt, belastet der Prämienanstieg ärmere Haushalte ungleich stärker als reichere. Haushalte im untersten Einkommensfünftel wenden im Verhältnis zu ihrem Einkommen fast doppelt so viel für die Krankenkassenprämien auf wie ein Durchschnittshaushalt. Die Krankenkassenprämien sind der zweitgrösste Budgetposten für ärmere Haushalte. Für Menschen wie Valentina Graf stellen sie zunehmend ein akutes Risiko dar, ganz in die Armut abzurutschen.

702000

Menschen

sind in der Schweiz armutsbetroffen

(2022)

1340000

Menschen

gelten in der Schweiz als armutsgefährdet

(2022)

298000

Männer und Frauen

sind trotz Erwerbsarbeit arm – sie sind sogenannte Working Poor

(2022)

Viele Armutsgefährdete profitieren heute nur zum Teil oder gar nicht von Individueller Prämienverbilligung. Sie benötigen dringend Entlastung. Die Prämienverbilligung ist eines der wirksamsten Instrumente, um Haushalte mit tiefen und mittleren Einkommen gezielt zu unterstützen und sie vor Armut zu schützen.

Ja zur Prämienentlastungsinitiative

Hier setzt die Prämienentlastungsinitiative an. Wird die Initiative bei der Abstimmung am 9. Juni angenommen, werden die Krankenkassenprämien gedeckelt und dürfen neu nicht mehr als zehn Prozent des verfügbaren Einkommens ausmachen. Die Caritas empfiehlt die Initiative anzunehmen.

«Die Individuelle Prämienverbilligung unterstützt jene Menschen, die finanziell nur knapp über die Runden kommen. Ein Ausbau dieses Instruments trägt demnach dazu bei, das Armutsrisiko dieser Menschen zu senken.»Peter Lackdirektor caritas schweiz

Doch ein Ausbau der Prämienverbilligung allein reicht nicht aus, um die Situation für Betroffene nachhaltig und massgeblich zu verbessern. Deshalb rufen wir alle Akteure im Gesundheitswesen auf, sich gemeinsam für weitere tragfähige kostendämpfende Massnahmen einzusetzen.

Ihr Einsatz gegen Armut in der Schweiz

Mit unseren Angeboten, wie dem Caritas-Markt, der Schuldenberatung oder der KulturLegi, sind wir gemeinsam mit den Regionalen Caritas-Organisationen täglich für armutsbetroffene Menschen in der Schweiz da. Auch machen wir uns stark für eine Politik, die auf sozial benachteiligte Menschen Rücksicht nimmt. Unterstützen Sie heute unsere Arbeit gegen Armut. Vielen Dank!

Ihre Spende wird aktuell verdoppelt

Aldi Suisse verdoppelt während zwei Wochen jede Spende für eine Schweiz ohne Armut bis zu einem maximalen Gesamtbetrag von CHF 50'000.

Aldi Suisse ist eine langjährige Partnerorganisation von Caritas Schweiz und unterstützt mit dem Aldi Fonds armutsbetroffene- und gefährdete Menschen seit über 10 Jahren.

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Titelbild: Valentina Graf lebt knapp über der Armutsgrenze. © Ulrike Meutzner