

Geteilte Realität, gemeinsame Hoffnung
Während im Osten und Süden der Ukraine der Alltag vom Überleben geprägt ist, suchen Vertriebene im Westen nach neuen Perspektiven. Die Unterstützung der Caritas passt sich daran an: schnelle Hilfe in umkämpften Gebieten und langfristige Programme dort, wo Aufbau möglich erscheint.
«Im Osten geht es in erster Linie um das Hier und Jetzt», sagt Margot Mayoraz, Programmverantwortliche für die Ukraine bei Caritas Schweiz. Das Projekt nahe der Front ist stark vom Rhythmus des Krieges bestimmt: Angriffe, Zerstörung, provisorische Lösungen – an Aufbau ist kaum zu denken.
Verschiedenes ist nötig, um den Lebenswirklichkeiten gerecht zu werden: Die Caritas unterstützt Familien, deren Häuser zerstört wurden, mit Reparaturen. Besonders geschätzt wird Bargeldhilfe für nötige Anschaffungen wie Medikamente oder Kleidung. Kinder erhalten psychologische Begleitung, um mit den traumatischen Erlebnissen klarzukommen. Eine weitere Projekt-Komponente ist Rechtsberatung.
Das Sozialgefüge stärken
Die Regionen im Westen hingegen sind ein Zufluchtsort für Hunderttausende Binnenvertriebene. Das ist eine enorme Herausforderung für das Sozialgefüge und die regionale Wirtschaft. Deswegen verfolgt die Caritas dort längerfristige Ansätze und stärkt die sich neu findende Gemeinschaft. «Hier können wir den Blick stärker nach vorne richten», sagt Margot Mayoraz.
«Im Osten geht es in erster Linie um das Hier und Jetzt.»
Mit Lohnzuschüssen werden Menschen vorübergehend in Arbeit gehalten: Kleine und Kleinst-Unternehmen aus den Bereichen Textil, Bäckerei und Honigproduktion können sich für eine einmalige Finanzhilfe und Coaching bewerben. «Wir haben in einer Studie herausgefunden, dass diese Sparten die Versorgungsketten festigen und die Gesellschaft stabilisieren. Das ist in den unsicheren Zeiten des Krieges wichtig», weiss die Programmverantwortliche. Wegen der Spannungen zwischen den intern Vertriebenen und den Aufnahmegemeinden haben die Projekte auch hier immer eine soziale Komponente.
Zwei Strategien, ein Ziel
Die militärische Realität in der Ukraine prägt die Projektlandschaft. Schnelle Hilfe, wo noch gekämpft wird – längerfristige Stabilisierung, wo sich neue Perspektiven eröffnen. Beide Ansätze sind nötig, um Menschen nicht nur zu unterstützen, sondern ihnen wieder Hoffnung zu geben.
Doch trotz der unterschiedlichen Realitäten bleibt das ganze Land vom Krieg gezeichnet. Auch in weniger stark betroffenen Regionen leben die Menschen mit Angriffen, nächtlichen Luftalarmen und in ständiger Ungewissheit. Daher positioniert sich Caritas Schweiz klar: Eine Rückführung ukrainischer Geflüchteter in vermeintlich sichere Gebiete wäre verfrüht. Solange der Krieg anhält, brauchen alle Ukrainerinnen und Ukrainer Schutz und Unterstützung – egal, wo sie sich befinden.
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Titelbild: Valentyna Babenko führt in Pivdenne, in der Nähe von Odessa, ein Nähatelier. Trotz des Kriegs sichert sie Arbeitsplätze und erbringt wichtige Dienstleistungen für die Gemeinde. © Sandra Papi