

Zwischen Wahrnehmung und Realität
Die aktuellen Kürzungen der Schweiz für die Internationale Zusammenarbeit stehen in klarem Widerspruch zur Haltung der Bevölkerung. Doch eine neue ETH‑Studie zeigt: Entwicklungsfinanzierung müsste kein spaltendes Thema sein.
Die Schweiz bleibt bei ihrer öffentlichen Entwicklungsfinanzierung weiterhin klar hinter ihren internationalen Verpflichtungen zurück, wie Alliance Sud hervorhebt. Doch 2025 sank der Schweizer Beitrag erneut: Zieht man die inländischen Asylkosten ab, die in der APD berücksichtigt werden, erreicht die Schweiz nur noch eine Quote von 0,36 Prozent des BNE. Diese Kürzungen gehen hauptsächlich auf einen Sparentscheid des Parlamentes im Dezember 2024 bei der Internationalen Zusammenarbeit zur ück.
Damit stellte die Schweiz im vergangenen Jahr nur rund die Hälfte des UNO‑Zielwertes für die Entwicklungsfinanzierung bereit. Auch das nationale Ziel von 0,5 Prozent des BNE, das in der Legislatur-Planung 2023-2027 festgehalten ist, wurde klar verfehlt. Insgesamt wurden rund 1.5 Milliarden Franken zu wenig aufgebracht, etwa 18 Prozent der national vorgesehenen Mittel.
Für eine glaubwürdige und wirksame Internationale Zusammenarbeit braucht es jedoch stabile, ausreichende Mittel. Nur so kann die Schweiz ihren Beitrag zur Armutsbekämpfung, Krisenprävention und nachhaltigen Entwicklung leisten – und zugleich dem Anspruch gerecht werden, als verlässliche Partnerin und Vertreterin humanitärer Werte aufzutreten.
Finanzierungseinbruch widerspricht der Meinung der Schweizer Bevölkerung
Die Kürzungen des Schweizer Beitrages an die Internationale Zusammenarbeit stehen in deutlichem Gegensatz zur Haltung der Bevölkerung, wie eine repräsentative Studie der ETH zeigt, die 2025 durchgeführt wurde. Im Rahmenkredit für die IZA-Strategie im Budget 2025–2028 wurden rund 1,5 Milliarden Franken gestrichen und 14 Prozent der verbleibenden Mittel für die Ukraine reserviert. Doch 49 Prozent der Bevölkerung lehnen eine solche Umverteilung zulasten von Ländern in der Region Subsahara‑Afrika ab.
Diese Ablehnung zieht sich durch das gesamte politische Spektrum. Selbst unter politisch rechts eingestellten Personen spricht sich eine Mehrheit (58 Prozent) gegen weitere Kürzungen aus. Die breite Unterstützung für die Internationale Zusammenarbeit zeigt sich auch in den Prioritäten politischer Gruppen: Gesundheit, Bildung, Ernährungssicherheit und humanitäre Hilfe werden von allen Gruppen als zentrale Aufgaben angesehen.
Wissenslücken führen zu verzerrten Wahrnehmungen
Wie die Studie zeigt, liegt ein wesentlicher Grund für die Diskrepanz zwischen politischen Entscheidungen und öffentlicher Meinung in der starken Überschätzung der tatsächlichen Ausgaben. Rund 70 Prozent der Bevölkerung glauben, die Schweiz gebe deutlich mehr für die Internationale Zusammenarbeit aus, als es tatsächlich der Fall ist. Die realen Ausgaben liegen bei 340 Franken pro Person. Sobald diese Information bekannt wird, steigt die Ablehnung weiterer Kürzungen von 77 Prozent auf 86 Prozent.
Diese Daten zeigen: Fehlendes Wissen über Umfang und Wirkung der Internationalen Zusammenarbeit beeinflusst die Debatte stärker als inhaltliche Differenzen über Prioritäten. Sobald Menschen erfahren, wie gering die realen Ausgaben sind, verändert sich ihre Einschätzung deutlich – auch hier über das gesamte politische Spektrum hinweg. Die Internationale Zusammenarbeit müsste also kein spaltendes Thema sein. Ein breiter gesellschaftlicher Konsens ist möglich, wenn Fakten transparent kommuniziert werden und gemeinsame Ziele im Vordergrund stehen.
Weitere Informationen zur Studie und zum Budget in der Internationalen Zusammenarbeit
Kontakt

Sarah Steinegger
Mitarbeiterin Entwicklungspolitik+41 41 419 22 74sarah.steinegger@caritas.ch
Titelbild: Schnappschuss aus einem Projekt der Caritas Schweiz im Tschad. © Reto Albertalli