Caritas-Forum

Das Caritas-Forum, die sozialpolitische Tagung der Caritas Schweiz, findet jährlich im Januar statt und widmet sich einem aktuellen gesellschaftspolitischen Thema. Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Politik und dem Sozialbereich diskutieren in Referaten und in Podiumsgesprächen Strategien und Lösungsansätze für eine sozial gerechte Politik.

 

Forum 2020: Die Sozialhilfe ist unverzichtbar!

Das Caritas-Forum 2020 fand am 31. Januar 2020 im Eventforum in Bern statt. In ihrer Begrüssung erinnerte Mariangela Wallimann-Bornatico, Präsidentin der Caritas Schweiz, daran, dass es die Sozialhilfe mit bedürftigen Menschen zu tun hat, die ein Recht auf eine menschenwürdige Existenz haben – und das bedingt eben nicht nur ein finanzielles, sondern auch ein soziales Existenzminimum. «Ein Mensch muss trotz seiner Notlage am sozialen und kulturellen Leben teilnehmen können». Das geht angesichts der populistischen und neoliberalen Angriffe, denen die Sozialhilfe in jüngster Zeit verstärkt ausgesetzt ist, oft vergessen.

Ungleichheit bei der Sozialhilfe

Jean-Pierre Tabin, Professor für Sozialpolitik an der Hochschule für Soziale Arbeit in Lausanne, betonte, wie stark die Wahrnehmung der Sozialhilfe von der Missbrauchsdebatte geprägt ist, obschon das eigentliche Problem der hohe Anteil an Armutsbetroffenen ist, welche freiwillig auf Sozialhilfe verzichten. «Nicht nur die Sozialpolitik verfehlt oft ihr Ziel, sondern es besteht auch eine Ungleichheit zwischen den Bürgerinnen und Bürgern, die ihre Rechte geltend machen oder nicht.» Wie Tabin in seinen Erläuterungen zum Armutsregime darlegte, fangen die Ungleichheiten bereits bei der Frage an, wer in welchem Ausmass anspruchsberechtigt ist. Tabin betonte mit Nachdruck, dass in der Schweiz endlich die Frage der sozialen Ungleichheit gestellt werden müsse – statt mit der «aktivierenden Sozialpolitik» der Einstellung Vorschub zu leisten, wonach jeder selber verantwortlich für seine Lage sei. Denn das blende strukturelle Ursachen wie die ungleiche Verteilung des Reichtums oder die Bedeutung von Erbschaften aus. Auch die Tatsache, dass der Arbeitsmarkt oft nicht die nötigen Integrationsmöglichkeiten bietet, gehört zu den sozialen Determinanten.

Die Bedingungen für Sozialhilfebeziehende haben sich nicht nur in finanzieller Hinsicht verschlechtert. Der Rechtsanwalt Pierre Heusser, auch Vertrauensanwalt der Unabhängigen Fachstelle für Sozialhilferecht (UFS), zeigte auf, wie Sozialhilfebeziehende im Rechtsstaat Schweiz zunehmend Willkür und Bevormundung ausgesetzt sind. Sie werden systematisch in ihren Grundrechten eingeschränkt und zu Bürgerinnen und Bürgern zweiter Klasse degradiert. Wenn beispielsweise Gemeinden sowohl Miete als auch Krankenkassenprämien direkt den Vermietern bzw. den Krankenversicherern überweisen, würden Sozialhilfebeziehende wie Urteilsunfähige behandelt und zusätzlich stigmatisiert.

Dabei gehört es zu den Grundsätzen der Sozialhilfe, die Selbsthilfe zu fördern und die Hilfe in Zusammenarbeit mit den Betroffenen zu erbringen statt diese zu bevormunden. Michelle Beyeler, Leiterin des Arbeitsschwerpunktes Soziale Sicherheit an der Berner Fachhochschule, plädierte dafür, mehr Eigenverantwortung auf beiden Seiten zuzulassen, also sowohl bei den Unterstützten als auch den Unterstützenden. Das «Fordern und Fördern»-Prinzip in der Sozialhilfe schränke heute zu sehr ein. «Nur wer Handlungsspielräume und Entscheidungsoptionen hat, kann sein Handeln selbst verantworten.»

Existenzsicherung für alle

Am Nachmittag des Caritas-Forums stand die Zukunft der Sozialhilfe im Vordergrund. Ruth Gurny stellte das vom sozialkritischen Thinktank «Denknetz» ausgearbeitete Modell der «Existenzsicherung für alle» vor, welches sich in seinen Grundzügen am Modell der Ergänzungsleistungen orientiert, aber neu alle Bedarfssituationen und nicht wie bisher nur AHV- und IV-Rentnerinnen und -Rentner umfasst. Diese auf Bundesebene angesiedelte Lösung könnte für alle in der Schweiz lebenden Personen Rechtsgleichheit und Rechtssicherheit garantieren. Das ist heute nicht gegeben, da die föderalistische Ausgestaltung der Sozialhilfe für zahlreiche Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten sorgt. Hinzu kommt, dass die Sozialhilfe in ihrer heutigen Form neue Armutsrisiken wie Scheidungen oder prekäre Arbeitsverhältnisse auffangen muss, was nichts mit ihrer ursprünglichen Funktion zu tun hat, kurzfristige Hilfe im Einzelfall zu gewähren. «Und nicht zuletzt schieben wir mit unserem Modell dem ̔race to the bottom̕, das seit Jahren gegenüber den Schwächsten in unserer Gesellschaft betrieben wird, einen Riegel vor», so Ruth Gurny.

Der neue SKOS-Präsident Christoph Eymann plädierte stark dafür, dass Weiterbildung als Integrationsmassnahme in den Fokus der Sozialdienste rückt. «Dieses Potential wird bis anhin nur unzureichend genutzt», kritisierte er. Denn wer in jungen Jahren keine abgeschlossene Berufsausbildung absolviert hat, trägt ein grosses Risiko, von der Sozialhilfe abhängig zu werden. Es gelte, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Unter dem Titel «Arbeit dank Bildung» haben die SKOS und der Schweizerische Verband für Weiterbildung SVEB eine Weiterbildungsoffensive für Sozialhilfebeziehende lanciert. Seit Oktober 2019 läuft ein Pilotprojekt in neun Städten und Gemeinden mit dem Ziel, geeignete Förderstrukturen zu entwickeln und in der Praxis zu erproben. Parallel dazu müssten aber auch präventive Massnahmen wie die Frühe Förderung mehr Gewicht erhalten, wie Eymann betonte.

 

 

Tagungsunterlagen

  • Forum 2020: «Die Sozialhilfe ist unverzichtbar!»
    Dateiformat: pdf / 291 KB
    Flyer mit Tagungsprogramm Download
  • Forum 2020: «Die Sozialhilfe ist unverzichtbar!»
    Dateiformat: pdf / 395 KB
    Tagungsdossier Download
 

Impressionen vom Forum 2020, 31.1.2020

 
Caritas-Forum 2020
Das Caritas-Forum zur Sozialhilfe verzeichnete mit 300 Teilnehmenden einen Rekord. Bilder: Nique Nager
Die Forumsteilnehmenden bei der Registrierung.
Die Forumsteilnehmenden bei der Registrierung.
Mariangela Wallimann-Bornatico, Präsidentin der Caritas Schweiz.
Jean-Pierre Tabin, Professor für Sozialpolitik an der Hochschule für Soziale Arbeit in Lausanne.
Jean-Pierre Tabin verdeutlichte, wie stark im Sozialstaat Schweiz noch immer zwischen würdigen und unwürdigen Armutsbetroffenen unterschieden wird.
Pierre Heusser, Vertrauensanwalt der Unabhängigen Fachstelle für Sozialhilferecht.
Rechtsanwalt Pierre Heusser stellt sich den Fragen der Tagungsmoderatorin Manuela Specker.
Das Caritas-Forum war bis auf den letzten Platz besetzt.
Caroline Knupfer (links), Gesundheits- und Sozialdepartement Kanton Waadt, im Gespräch mit Marianne Hochuli, Leiterin Grundlagen bei Caritas Schweiz.
Michelle Beyeler, Dozentin für Sozialpolitik an der Berner Fachhochschule, plädierte für den Befähigungsansatz.
Ruth Gurny erläuterte das Modell der «Existenzsicherung für alle».
Die «Denknetz»-Vertreterin Ruth Gurny (links) und Manuela Specker, Leiterin der Fachstelle Bildung bei Caritas Schweiz.
Christoph Eymann, Präsident der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS).
Christoph Eymann sprach über den Teufelskreis zwischen Armut und Bildungsdefiziten.
Am Podiumsgespräch wurde erläutert, wie die Sozialhilfe mehr Fundament erhält.
Die Podiumsteilnehmenden: Jean-Pierre Tabin, Caroline Knupfer, Christoph Eymann, Reda El Arbi (Moderator), Ruth Gurny, Marianne Hochuli.
Hugo Fasel, Direktor der Caritas Schweiz.
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Das Caritas-Forum zur Sozialhilfe verzeichnete mit 300 Teilnehmenden einen Rekord. 
Bilder: Nique Nager
Die Forumsteilnehmenden bei der Registrierung.
Die Forumsteilnehmenden bei der Registrierung.
Mariangela Wallimann-Bornatico, Präsidentin der Caritas Schweiz.
Jean-Pierre Tabin, Professor für Sozialpolitik an der Hochschule für Soziale Arbeit in Lausanne.
Jean-Pierre Tabin verdeutlichte, wie stark im Sozialstaat Schweiz noch immer zwischen würdigen und unwürdigen Armutsbetroffenen unterschieden wird.
Pierre Heusser, Vertrauensanwalt der Unabhängigen Fachstelle für Sozialhilferecht.
Rechtsanwalt Pierre Heusser stellt sich den Fragen der Tagungsmoderatorin Manuela Specker.
Das Caritas-Forum war bis auf den letzten Platz besetzt.
Caroline Knupfer (links), Gesundheits- und Sozialdepartement Kanton Waadt, im Gespräch mit Marianne Hochuli, Leiterin Grundlagen bei Caritas Schweiz.
Michelle Beyeler, Dozentin für Sozialpolitik an der Berner Fachhochschule, plädierte für den Befähigungsansatz.
Ruth Gurny erläuterte das Modell der «Existenzsicherung für alle».
Die «Denknetz»-Vertreterin Ruth Gurny (links) und Manuela Specker, Leiterin der Fachstelle Bildung bei Caritas Schweiz.
Christoph Eymann, Präsident der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS).
Christoph Eymann sprach über den Teufelskreis zwischen Armut und Bildungsdefiziten.
Am Podiumsgespräch wurde erläutert, wie die Sozialhilfe mehr Fundament erhält.
Die Podiumsteilnehmenden: Jean-Pierre Tabin, Caroline Knupfer, Christoph Eymann, Reda El Arbi (Moderator), Ruth Gurny, Marianne Hochuli.
Hugo Fasel, Direktor der Caritas Schweiz.
 


Bilder: Nique Nager/Caritas Schweiz

 

Sozialalmanach 2020

Parallel zum Forum gibt die Caritas Schweiz den Sozialalmanach heraus. Die Ausgabe 2020 zum Thema «Eine Sozialhilfe für die Zukunft» erscheint im Januar 2020.

 
Akkordeon Forum Archiv
 

Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst der Digitalisierung. Die Transformationen auf dem Arbeitsmarkt lösen grosse Unsicherheiten aus und stellen das bisherige Sozialversicherungssystem in Frage. Die Digitalisierung verändert aber nicht nur Arbeitsweisen, Wertschöpfungsketten und die Verfügbarkeit von Informationen. Sie hat auch Einfluss darauf, wie eine Gesellschaft funktioniert und welche Bedeutung Solidarität und Gerechtigkeit zukommt.

Es sind dies keine Zukunftsszenarien – wir stecken mittendrin in diesen Umwälzungen. Eine Ausprägung davon ist die Tatsache, dass der Mensch zunehmend zum Objekt der Vermessung wird. Die mittlerweile omnipräsente digitale Durchdringung und Quantifizierung sämtlicher Lebensbereiche schafft neue Hierarchien und Ausschlussmechanismen, verstärkt Ungleichheiten und benachteiligt jene Menschen, die von Armut betroffen sind. Das Forum 2019 widmete sich deshalb der Digitalisierung und ihren sozialen Folgen.

 

Forum 2018: Nationalismus. Sozialpolitische Zugänge

Quer durch die Industriewelt macht sich ein Rückzug der Bürgerinnen und Bürger hinter die Schutzmauer einer starken Nation bemerkbar. Ein nationaler Staat wird gefordert, der sich in einer klaren Abgrenzung zu multilateralen Lösungen manifestieren soll. Besonders stark äussert sich dieser Wunsch nach Abgrenzung in der Migrationspolitik sowie im dazugehörigen Diskurs.

Der Rückgriff auf die Nation und die eigene Volksgemeinschaft, die Abgrenzung gegen andere, Autoritarismus, die Abwehr gegen das «Fremde» bis hin zu xenophoben Impulsen, all diese Merkmale nationalistischer Positionen sind Ausdruck des Misstrauens, dass demokratische Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesse adäquate Antworten auf die aktuellen gesellschaftlichen und politischen Probleme bereitstellen.

Dabei untergräbt Nationalismus die Grundlage für die gesellschaftliche Solidarität und strebt die Ausgrenzung und Marginalisierung von einzelnen Gruppen und Schichten an. Deswegen widmete sich das Forum 2018 dem Nationalismus und untersucht ihn sowohl auf seine Ursachen als auch auf seine Wirkungen auf die Gesellschaft hin.

 

Forum 2017: Recht auf Arbeit

570 000 Menschen in der Schweiz leben in Armut. 145 000 von ihnen arbeiten aber, viele sogar mehr als in einem 100-Prozent-Pensum. Trotzdem sichert das erwirtschaftete Einkommen ihre Existenz nicht.

Die Schweiz durchlebt einen tiefgreifenden Strukturwandel. Durch den technologischen Fortschritt entfallen in produktionsstarken Branchen Arbeiten. Ganze Arbeitsbereiche werden verlagert, und weil gleichzeitig neue entstehen, wandeln sich Anforderungen an Arbeitnehmende. Mit dem Wandel und seinem Tempo steigt das Risiko von Arbeitslosigkeit, von unsicheren Anstellungsverhältnissen, von tiefen Löhnen und prekärer Beschäftigung. Diese wiederum entziehen den Betroffenen nicht nur die Existenzgrundlage, sondern wirken sozial desintegrativ.

Höhlt der Strukturwandel das Recht auf Arbeit aus? Schützt Arbeit immer noch vor Armut und Ausgrenzung - und was muss getan werden, damit sie ihre integrative Rolle behält?

Das Forum 2017, das am 27. Januar 2017 in Bern stattfand, nahm sich des Themas «Recht auf Arbeit» aus verschiedenen Perspektiven an. Diskutiert wurden sowohl ökonomische wie soziale Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt. An konkreten Beispielen wurden Ansätze und Grenzen der beruflichen Integration vorgestellt. Schliesslich stand auch die Frage im Raum, wie die Arbeitsgesellschaft Schweiz der Armut und ihren desintegrativen Folgen vorbeugen kann.

 

Forum 2016: Familie ist kein Luxus

223 000 Eltern und Kinder leben in der Schweiz in Armut. Kinder aufzuziehen ist eines der grössten Armutsrisiken in der Schweiz: Das ist ein Skandal. Denn Familie und familiale Lebensgemeinschaften sind nach wie vor eine grundlegende Institution unserer Gesellschaft. In der Familie wachsen Kinder heran, entwickeln junge Menschen ihre Fähigkeiten und Potenziale, werden Kranke und Ältere betreut und gepflegt. Die Qualität des Familienlebens wirkt sich auf die Gesundheit der Familienmitglieder aus, ist Ort der privaten Regeneration wie zahlreicher Aufgaben und Leistungen, die der ganzen Gesellschaft zunutze kommen.

Dennoch investiert die Schweiz wenig in Familien, auch im internationalen Vergleich. So kritisiert die OECD die schweizerische Familienpolitik: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei unzureichend, die Betreuungskosten seien zu hoch und die finanzielle Absicherung der Kinder aus sozial schwachen Familien sei ungenügend.

Am Caritas-Forum 2016 vom 29. Januar diskutierten über 200 Fachleute das Thema aus verschiedenen Perspektiven. Beleuchtet wurden die Folgen der Familienarmut, aber auch Ansprüche und Erwartungen an die Familien, den Staat und die Wirtschaft.

Caritas Schweiz hat parallel zum Forum auch den Sozialalmanach 2016 «Familie ist kein Luxus» herausgegeben.

 

Forum 2015: Zuwanderung

Die Schweiz ist ein Einwanderungsland. Zusammen mit Luxemburg erlebte sie im Jahr 2011 im Verhältnis zur Bevölkerung die höchste Zuwanderung aller OECD-Länder. Die Migrantinnen und Migranten steigerten die staatlichen Nettoeinnahmen im Jahr 2011 um bis zu 11 Milliarden Franken. Kurzum: Einwanderer tragen zum Wohlstand der Schweiz entscheidend bei.

Nichtsdestotrotz beschäftigt sich die Schweiz intensiv mit ihrer Migrationspolitik, wobei heftig über eine allfällige Eingrenzung der Zuwanderung diskutiert wird. Immer wieder werden die Einwandernden für hiesige strukturelle Probleme wie mangelnde Wohnungen, Defizite bei den Sozialversicherungen oder erhöhte Arbeitslosigkeit verantwortlich gemacht.

Das Forum 2015 nahm die festgefahrene Debatte zum Anlass, die Zuwanderung neu zu denken. Ungekannte, inspirierende, irritierende oder gewagte Argumente und Perspektiven standen auf dem Programm.

Es referierten Mariangela Wallimann-Bornatico, Präsidentin Caritas Schweiz; Catherine Wihtol de Wenden, Zentrum CERI-Sciences Po, Paris; Andy Tschümperlin, SP Nationalrat Kanton Schwyz; Sandro Cattacin, Universität Genf; Mark Terkessidis, Publizist; Ylfete Fanaj, Integrationsbeauftragte Kanton Nidwalden; Florian Wettstein, Universität St. Gallen und Hugo Fasel, Direktor Caritas Schweiz.

 

Forum 2014: Wohnen

Immer mehr Menschen in der Schweiz haben Mühe, bezahlbare Wohnungen zu finden, obwohl in den vergangenen Jahren sehr viel neuer Wohnraum geschaffen wurde. Investiert wird vor allem in Wohnraum, der eine hohe Rendite abwirft. Die aktuellen Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt treffen einkommensschwache Menschen am stärksten. Was ist eine sozial nachhaltige Wohnpolitik?

Darüber diskutierten am diesjährigen Caritas-Forum «Wohnen» in Bern rund 200 Fachleute aus Politik, Wirtschaft und dem Sozialbereich.

Es referierten Mariangela Wallimann-Bornatico, Präsidentin Caritas Schweiz, Ariane Widmer Pham, Geschäftsleiterin des Bureau du Schéma directeur de l’Ouest Lausannois im Bundesprogramm «Projets urbains», Fredy Hasenmaile, Leiter des Bereichs Real Estate Research der Credit Suisse AG, Ernst Hauri, Direktor des Bundesamtes für Wohnungswesen, Philippe Thalmann, Professor an der École polytechnique fédérale de Lausanne, Ruedi Meier, ehemaliger Sozialdirektor Stadt Luzern und Hugo Fasel, Direktor Caritas Schweiz.

Caritas Schweiz hat parallel zum Forum den Sozialalmanach 2014 dem Schwerpunkt «Unter einem Dach» gewidmet.

 

Forum 2013: Bildung gegen Armut

Fehlende Bildung ist ein Armutsrisiko. Gerade in einer Wissensgesellschaft wie jener der Schweiz, ist Bildung der Schlüssel zu ökonomischer Unabhängigkeit und sozialer Teilhabe. Doch gerade in der Schweiz ist das Bildungsniveau, welches jemand erreicht, massgeblich durch die soziale Herkunft bestimmt. Der Zugang zu Bildung ist immer noch nicht für alle gleich gewährleistet. Die Zahlen sprechen für sich: Etwa 800 000 Menschen in der Schweiz sind vom Illetrismus betroffen. Fast zwei Drittel der Sozialhilfe-Empfängerinnen und –Empfänger verfügen über keine nachobligatorische Ausbildung. Im Alltag bedeuten die Zahlen, dass diese Menschen in ihren beruflichen Möglichkeiten und ihrer sozialen Teilhabe stark eingeschränkt sind.

Am Caritas-Forum in Bern wurden Massnahmen von der Frühförderung bis zur Nachholbildung diskutiert. 250 Personen aus Politik, Wirtschaft und dem Sozialbereich nahmen an der sozialpolitischen Tagung teil.

Es referierten Walther Ch. Zimmerli, Professor für Philosophie und Leiter der Arbeitsgruppe «Zukunft Bildung Schweiz», Regine Aeppli, Regierungsrätin und Bildungsdirektorin des Kantons Zürich, Pierre-Yves Maillard, Regierungsrat und Vorsteher des Departementes für Gesundheit und Soziales des Kantons Waadt, Rudolf Strahm, Präsident des Schweizerischen Verbandes für Weiterbildung, Thomas Baumeler, Ressortleiter im Bundesamt für Berufsbildung und Technologie und Hugo Fasel, Direktor Caritas Schweiz.

Caritas Schweiz hat parallel zum Forum den Sozialalmanach 2013 dem Schwerpunkt «Bildung gegen Armut» gewidmet.

 

Forum 2012: Arme Kinder

Die Einkommens- und Vermögensungleichheit wächst. Dabei sind es überdurchschnittlich häufig Familien, besonders Einelternfamilien sowie Familien mit mehr als zwei Kindern, die mit der Armut konfrontiert sind. Das ist in einem so reichen Land wie der Schweiz stossend. Denn erlittene Armut hinterlässt Spuren im Lebenslauf der betroffenen Kinder. Wie muss die Familienpolitik ausgestaltet sein, dass sie armutspräventiv wirkt? Darüber diskutierten am Forum 2012, am 2. Februar, in Bern, 250 Personen aus Politik, Wirtschaft und dem Sozialbereich.

Es referierten Heidi Simoni, Leiterin Marie Meierhofer Institut für das Kind, Walter Schmid, Präsident Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe SKOS, Isabelle Chassot, Präsidentin Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren EDK, Jacqueline Fehr, Präsidentin Kinderschutz Schweiz, Yves Rossier, Direktor Bundesamt für Sozialversicherungen BSV und Hugo Fasel, Direktor Caritas Schweiz.

Caritas Schweiz hat parallel zum Forum den Sozialalmanach 2012 dem Schwerpunkt «Arme Kinder» gewidmet. 

 

Forum 2011: Ist Alterspflege Privatsache?

Die Schere zwischen Arm und Reich wird mit dem fortschreitenden Alter grösser. Die Ältesten gehören zu jenen sozialen Gruppen in der Schweiz, die am stärksten armutsgefährdet sind – mit einschneidenden Folgen für die Betroffenen und ihre Angehörigen. Dabei wächst die Zahl der Hochaltrigen. Was bedeutet diese Entwicklung für den sozialen Zusammenhalt? Und wie lässt sich die Alterspflege in der Schweiz sozial gerecht gestalten? Darüber diskutierten am Caritas-Forum 2011 in Bern 200 Personen aus Politik, Wirtschaft und dem Sozialbereich.

Es referierten: Otto Piller, Präsident der Curaviva Schweiz und ehemaliger Direktor des Bundesamtes für Sozialversicherungen, Kathrin Amacker, Leiterin der Unternehmenskommunikation der Swisscom und ehemalige Nationalrätin, Pierre-Yves Maillard, Waadtländer Regierungsrat und Vorsteher des Departementes für Gesundheit und Soziales und Martin Mezger, Spezialist für Alters- und Generationenfragen sowie ehemaliger Direktor der Pro Senectute. Caritas Schweiz hat parallel zum Forum den Sozialalmanach 2011 dem Schwerpunkt «Das vierte Lebensalter» gewidmet.

 

Forum 2010: Arme reiche Schweiz

Jede zehnte Person ist von Armut betroffen. Ein grosser Teil der Betroffenen bleibt zeitlebens in der Armutsspirale gefangen – auch in der reichen Schweiz. Doch die soziale Vererbung von Armut kann man sehr wohl unterbrechen. Welche konkreten Strategien aus der Armut herausführen und wie die sozialpolitischen Weichen gestellt werden müssten, damit Armut in der Schweiz gar nicht erst entsteht, darüber diskutierten am Caritas-Forum 2010 in Bern 250 Personen aus Politik, Wirtschaft und dem Sozialbereich.

Es referierten: Carlo Knöpfel, Leiter des Bereichs Inland und Caritas-Netz, Mitglied der Geschäftsleitung von Caritas Schweiz, Ludwig Gärtner, Vizedirektor Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) und Mitglied der Expertengruppe Armutsstrategie, Ilona Kickbusch, Kickbush Health Consult, Christophe Dunand, Sozialunternehmer, Dozent HES Genève und Vertreter Conseil Romand des Entreprises d’Insertion (CREI) und Annemarie Sancar, Genderbeauftragte Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA).