

Konzernverantwortung schützt die Ärmsten
Ob auf Plantagen, in Textilfabriken oder in unmittelbarer Nähe von grossen Bergbauprojekten: Wenn es zu Menschenrechtsverletzungen oder Umweltschäden durch grosse Konzerne kommt, sind die Leidtragenden in den allermeisten Fällen Menschen, die von Armut betroffen sind. Deshalb engagiert sich Caritas für die Konzernverantwortungsinitiative und unterstützt verschiedene Aufrufe, welche klare Rahmenbedingungen fordern.
Einmal mehr zeigt eine Recherche einer zivilgesellschaftlichen Organisation eindrücklich, dass vor allem die Ärmsten betroffen sind, wenn mächtige Konzerne in Ländern im Globalen Süden Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden verursachen. Public Eye hat zu den Arbeitsbedingungen auf Zulieferplantagen von Bananen für Chiquita in Guatemala recherchiert und dabei gravierende Missstände aufgedeckt. Mindestlöhne werden nicht eingehalten, wirksame Schutzmassnahmen beim Einsatz von Pestiziden fehlen und die gewerkschaftliche Organisation der Arbeiterinnen und Arbeitern wird durch repressive Massnahmen unterbunden.
Für faire Arbeitsbedingungen auf Bananenplantagen
Bereits vor fast zwanzig Jahren äusserten sich Caritas Schweiz und Public Eye (damals noch unter dem Namen Erklärung von Bern) zusammen mit acht anderen Schweizer NGOs zu den Arbeitsbedingungen auf Bananenplantagen. In einer Informationsbroschüre wiesen sie auf soziale und ökologische Missstände hin und stellten einen Forderungskatalog an die beteiligten Konzerne, an Detailhändler, Konsumentinnen und Konsumenten und an die Politik. Leider zeigt die neuste Recherche zu Chiquita aus Guatemala deutlich: Auch Jahre später bestehen die Probleme weiterhin. Die freiwilligen Initiativen der Unternehmen zu mehr Unternehmensverantwortung reichen nicht aus, um die Situation grundlegend zu verbessern.
Um das betroffene Unternehmen Chiquita zum Handeln zu bewegen, hat Public Eye eine digitale Protestkundgebung vor dem Hauptsitz des Unternehmens in der Schweiz organisiert.
Jetzt den digitalen Protest mitunterstützen
290'000 Unterschriften für die Konzernverantwortungsinitiative
Der Fall Chiquita macht besonders deutlich: Es braucht griffige rechtliche Vorgaben, welche für alle Konzerne verbindlich sind. Die Konzernverantwortungsinitiative setzt genau hier an. Die Initiative wird von einem breiten Bündnis von zivilgesellschaftlichen Organisationen, darunter auch Caritas Schweiz, getragen. Nachdem die Initiative im vergangenen Mai mit fast 290'000 Unterschriften bei der Bundeskanzlei eingereicht wurde, hat sich der Bundesrat vor ein paar Wochen mit einem indirekten Gegenvorschlag dazu geäussert. Dieser anerkennt zwar den Handlungsbedarf, enthält aber gleichzeitig problematische Schlupflöcher, wodurch schwerwiegende Fälle von Menschenrechtsverletzungen durch das Gesetz nicht abgedeckt wären. Beispielsweise gilt der Gesetzesvorschlag nur für Konzerne ab 1,5 Milliarden Franken Umsatz und mindestens 5000 Mitarbeitenden gelten. Viele problematische Konzerne, die von der Schweiz aus operieren, wären damit ausgenommen.
Caritas Schweiz wird sich in den Vernehmlassungsprozess zum indirekten Gegenvorschlag des Bundesrates einbringen und erarbeitet dazu derzeit eine Stellungnahme. Zudem unterstützen wir einen offenen Brief der Koalition für Konzernverantwortung, welcher den Bundesrat dazu auffordert, bei seinem Gesetzesvorschlag nachzubessern.
Jetzt offenen Brief an den Bundesrat unterzeichnen.

Wir von Caritas bleiben auf jeden Fall am Thema Konzernverantwortung dran, denn für uns ist klar: Um armutsbetroffene Menschen weltweit vor Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden durch Konzerne zu schützen, braucht es klare Regeln, die für alle gelten.Angela LindtLeiterin Fachstelle Entwicklungspolitik
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Titelbild: © Tomas Ayuso, Panos Pictures