Caritas-Direktor Peter Lack unterwegs im Krisengebiet in Homs.
Caritas-Direktor Peter Lack unterwegs im Krisengebiet in Homs.

«Die Hoffnung trägt die syrische Bevölkerung durch den Alltag»

Syrien

Zahlreiche Krisen in den vergangenen Monaten und Jahren haben die Lebensbedingungen der Menschen in Syrien dramatisch verschlechtert. Im Februar reiste Caritas-Direktor Peter Lack in die Region. Mit Daria Jenni aus dem Kommunikationsteam spricht er über die erschütternden, aber auch hoffnungsvollen Einblicke in die Lebensrealität vor Ort.

Du hast unsere Projekte in Syrien und Libanon besucht. Was ist Dir besonders in Erinnerung geblieben?

Was ich in Homs gesehen habe, beschäftigt mich bis heute: Fast 70 Prozent der Häuser sind zerstört, die Gegend gleicht einem Trümmerfeld. Die Menschen leben unter widrigsten Bedingungen, viele haben weder fliessendes Wasser noch Strom oder eine Heizung. Als ich im Februar dort war, war es bitterkalt und feucht. In ihrer Not verbrannten die Familien Abfälle, um zu heizen. Darunter war oft auch Plastik, was man auf der Strasse und teilweise auch in den Wohnungen riechen konnte. Trotz grosser Verzweiflung, psychischer Belastung und anderer Herausforderungen erlebte ich vor Ort auch Momente der Hoffnung.

Wie zeigte sich diese Zuversicht während Deines Besuchs?

Die Hoffnung trägt die Bevölkerung buchstäblich durch den Alltag. Ich spürte sie im Gespräch mit Personen, die mit unserer Bargeldhilfe ihre dringendsten Bedürfnisse decken, oder durch längerfristige Projekte neue Perspektiven gewinnen konnten.

«Was ich in Homs gesehen habe, beschäftigt mich bis heute.»Peter LackDirektor caritas Schweiz

Aber auch die Tatkraft der Caritas-Mitarbeitenden vor Ort und unserer Partnerorganisationen hat mich beeindruckt. Obwohl sie selbst von den Krisen betroffen sind, leisten sie unglaublich viel. Sie begegnen den Menschen in Not mit grosser Empathie und sorgen dafür, dass unsere Hilfe ankommt.

Wie nimmst Du die Arbeit der Caritas und ihren lokalen Partnern wahr?

Speziell aufgefallen ist mir die Vielfalt der Projekte, die wir mit unseren lokalen Partnern umsetzen: eine Kombination aus kurzfristiger Nothilfe und Unterstützung mit nachhaltiger Wirkung. Die Begegnungen mit Menschen, die durch unser Projekt «LIFE» ein Geschäft gründen konnten und ihren Lebensunterhalt wieder selbstständig sichern können, haben mir gezeigt, wie es vorwärts gehen kann.

Ein Beispiel: Der syrische Kleinunternehmer Fawad hat 2015 bei seiner Flucht vor dem Bürgerkrieg alles verloren. Seit seiner Rückkehr aus dem Libanon nach Syrien vor einem Jahr konnte er dank der Caritas einen Kurs in betriebswirtschaftlichen Grundlagen abschliessen. Mit einem kleinen Startkapital baute der Geschäftsmann erneut seinen Kiosk auf, sodass er heute wieder auf eigenen Beinen steht.

Welche Perspektiven haben die Syrerinnen und Syrer für die Zukunft?

Die aktuelle Situation ist für die syrische Bevölkerung von Ambivalenz geprägt. Einerseits herrscht Erleichterung über den Sturz des Assad-Regimes. Andererseits bleibt die Zukunft auch mit der neuen Regierung ungewiss. Die instabile Sicherheitslage stellt eine zusätzliche Belastung dar. In Solidarität mit den Menschen in Syrien hoffen wir, dass sich die Situation bald stabilisiert.

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Titelbild: Caritas-Direktor Peter Lack unterwegs im Krisengebiet in Homs. © Patricia Kern