Thomas Künzler in einer Filiale.
Thomas Künzler in einer Filiale.

«Die Caritas-Märkte sind ein unverzichtbarer Kontaktpunkt zu armutsbetroffenen Menschen»

Inside Caritas mit Thomas Künzler, Leiter der Genossenschaft Caritas-Markt

Thomas Künzler übergibt nach acht Jahren die Leitung der Genossenschaft Caritas-Markt bald an seine Nachfolge. In der Zeit ist viel passiert: Märkte sind hinzugekommen, verschiedene neuartige Angebote wurden lanciert. Aktuell führt die Genossenschaft 22 Caritas-Märkte in der ganzen Schweiz mit einem breiten Sortiment für Menschen mit kleinem Budget. Im Interview blicken wir gemeinsam zurück auf die prägendsten Momente und sprechen über die Chancen für die Zukunft.

Wenn Sie die letzten Jahre Revue passieren lassen: Welche Momente oder Entwicklungen werden Ihnen in Erinnerung bleiben?

Besonders intensiv war die Entwicklung einer neuen Strategie, die gleichzeitig armutsbetroffene Menschen stärker in den Fokus rückt, unsere Regionen aktiver einbindet und die Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten stärkt.

Auf dieser Basis konnten wir die Konditionen für unsere Kundinnen und Kunden verbessern und ihre Bedürfnisse noch besser abdecken.Besonders gefreut und bestärkt hat mich dabei stets die grosse Bereitschaft der Mitarbeitenden der Caritas-Märkte und der Genossenschaft Caritas-Markt. Sie waren bereit, Verantwortung zu übernehmen und neue Wege zu gehen.

Gab es eine Begegnung oder eine Geschichte, die Sie besonders bewegt hat?

Bei einem Besuch im Caritas-Markt Biel lernte ich eine ältere, verwitwete Dame kennen. Mit grosser Freude und Dankbarkeit erzählte sie mir von ihrem Alltag. Ihre Bescheidenheit und Zufriedenheit haben mich tief berührt. Ihr Highlight: Einmal pro Woche kocht sie verschiedenes Gemüse und teilt es in sieben Portionen ein. Als Dessert gibt’s jeden Tag eine Käsescheibe, in drei Stücke geschnitten – eines zum Frühstück, zum Mittag- und zum Abendessen.

«Das positive Feedback zeigt uns zudem, dass wir auf dem richtigen Weg sind – nah an den Bedürfnissen und mit viel Empathie für unsere Kundschaft.»Thomas KünzlerLeiter Genossenschaft Caritas-Markt

Für Menschen wie sie möchten wir den Alltag noch angenehmer gestalten, mit Angeboten, die wirklich etwas bewirken.

Über 3'600 Menschen kaufen täglich in den Caritas-Märkten ein. Was haben Sie am häufigsten von ihnen gehört?

Neue Kundinnen und Kunden zeigen sich immer wieder überrascht vom grossen Angebot und den tiefen Preisen. Rund 1’000 Artikel des täglichen Bedarfs sind in unseren Märkten zu stark reduzierten Preisen erhältlich. Häufig hören wir zudem: «Hier ist es ja so schön wie bei Aldi, Lidl oder Migros!» Dieser Vergleich freut uns sehr und motiviert uns, noch besser zu werden. Das positive Feedback zeigt uns zudem, dass wir auf dem richtigen Weg sind – nah an den Bedürfnissen und mit viel Empathie für unsere Kundschaft.

Sie haben vorhin beschrieben, wie sich der Caritas-Markt stetig weiterentwickelt hat. Welche Veränderungen waren besonders wegweisend?

Entscheidend war vor allem der Weg selbst: die strategische Neuausrichtung, die Modernisierung der Systeme und der konsequente Fokus auf die Bedürfnisse armutsbetroffener Menschen. Das hat unsere Arbeit nachhaltig geprägt und eine solide Basis für die Zukunft geschaffen.

Apropos Zukunft: Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie für das Angebot?

Die Caritas-Märkte sind ein unverzichtbarer Kontaktpunkt zwischen der Caritas und armutsbetroffenen Menschen. Deshalb kam in den vergangenen Jahren immer wieder die Idee auf, rund um die Märkte auch weitere Caritas-Dienstleistungen wie Schuldenberatungen, digitale Unterstützung oder Kleiderläden gebündelt anzubieten. Dies wäre aus meiner Sicht eine grosse Chance für das gesamte Caritas-Netzwerk.

Welche spannenden Projekte warten auf Ihre Nachfolge?

Heute stehen wir an einem spannenden Punkt: Mit der baldigen Einführung einer neuen Software, um Daten zu sammeln, zu analysieren und darzustellen, schaffen wir die Grundlage für fundierte Entscheidungen und mehr Transparenz.

Gleichzeitig bereiten wir zurzeit die Lancierung einer App vor, die die Kommunikation mit unserer Zielgruppe verbessert und armutsbetroffenen Menschen durch Rabatte und alltagsrelevante Informationen wie Rezepte echten Mehrwert bietet.

Wie sieht der Caritas-Markt der Zukunft aus?

Der Caritas-Markt ist schon jetzt mehr als ein Ort für günstige Lebensmittel – es ist ein Raum für Begegnung, Hilfestellung und neue Perspektiven. Wenn wir es schaffen, die Märkte noch stärker und ganzheitlicher als Dreh- und Angelpunkt für armutsbetroffene Menschen zu nutzen, wäre dies ein kraftvoller Schritt im Kampf gegen Armut.

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Titelbild: Thomas Künzler in einer Filiale. © Genossenschaft Caritas-Markt