Vacances à la maison: en Suisse, de nombreuses familles ne peuvent pas se permettre de voyager.
Vacances à la maison: en Suisse, de nombreuses familles ne peuvent pas se permettre de voyager.

Armut macht keine Ferien: Wenn der Sommer für Familien zur Belastung wird

Caritas ermöglicht vergünstigte Ausflüge

In der Schweiz leben 1,4 Millionen Menschen unter der Armutsgrenze oder knapp darüber. Betroffen sind besonders häufig Familien. Viele von ihnen können sich Freizeit und Ferien kaum leisten. Ein Angebot der Caritas wirkt dem entgegen – die Nachfrage nimmt rasant zu.

Mit 3'430 Franken im Monat muss Astrid Mangan* sich und ihre beiden Kinder durchbringen. Die Miete frisst die Hälfte ihres Einkommens weg, Lebensmittel leistet sie sich nur im Caritas-Markt und im Discounter. Freizeit und Ferien? Für die Angestellte in der Lebensmittelproduktion ein Luxus.

Ähnliches berichtet Maria Costa*. Auch sie ist alleinerziehend und verdient mit ihren drei Teilzeitjobs wenige Tausend Franken im Monat.

«Ich selbst verzichte auf vieles, damit ich meinen Kindern etwas ermöglichen kann.»Maria costaalleinerziehende

«Mir ist wichtig, dass sie ihre Hobbys ausüben können und wir einmal im Jahr in die Ferien fahren.» Dafür kann sie jeweils von Freunden ein altes Wohnmobil leihen. Im August geht’s ins Tessin.

Kinder sind ein Armutsrisiko

So wie Astrid Mangan und Maria Costa ergeht es vielen Menschen in der Schweiz. Insgesamt haben 1,4 Millionen Personen zu wenig Geld zum Leben. Haushalte mit Kindern sind doppelt so häufig betroffen wie kinderlose.

Die Gründe sind vielfältig. Zum einen brauchen kleine Kinder intensive Betreuung. Die Eltern müssen dafür entweder ihre Erwerbstätigkeit reduzieren oder hohe Kosten für die Kinderbetreuung in Kauf nehmen. Hinzu kommen zusätzliche Ausgaben für Wohnen, Ernährung und Kleidung. Zum anderen sind hierzulande im internationalen Vergleich die Sozialleistungen für Familien tief, so zum Beispiel die staatliche Unterstützung bei der Kinderbetreuung.

Zum halben Preis im Hotel übernachten

Für die betroffenen Menschen ist die Armut in dieser Jahreszeit besonders spürbar. Denn die Sommerferien stellen eine zusätzliche Belastung dar – finanziell, aber auch psychisch. Während andere in den Urlaub fliegen oder tolle Ausflüge unternehmen, leben Personen mit knappem Budget in ständigem Verzicht. Dieser Ausschluss von der gesellschaftlichen Teilhabe kann Stress, soziale Isolation, Einsamkeit und letztlich psychische Erkrankungen zur Folge haben.

Genau hier setzt die KulturLegi der Caritas an. Die persönliche Mitgliedskarte berechtigt zu Rabatten auf schweizweit über 4'200 Angebote, von Zoos über Kletterparks bis zu Schwimmbädern. Auch vergünstigte Übernachtungsmöglichkeiten in den Schweizer Jugendherbergen, auf Campings oder in ausgewählten Hotels im In- und im nahen Ausland werden angeboten.

Die Anmeldungen für die KulturLegi nehmen stetig zu. In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Anzahl Nutzerinnen und Nutzer fast verdoppelt. Aktuell besitzen rund 200'000 Personen eine Karte.

«Die wachsende Nachfrage ist ein Spiegel gesellschaftlicher Ungleichheit. Sie macht deutlich, wie viele Menschen in der Schweiz auf Unterstützung angewiesen sind.»Marylise SchiesserGeschäftsstellenleiterin KulturLegi

Eine KulturLegi beantragen können Personen, die nachweislich am oder unter dem Existenzminimum leben, Sozialhilfe beziehen, Stipendien oder Ergänzungsleistungen erhalten.

*Namen geändert

Geschrieben von Niels Jost und Daria Jenni, Mitarbeitende Medien- und Öffentlichkeitsarbeit, Caritas Schweiz. Gerne vermitteln wir Interviews und beantworten Medienanfragen:

Medienstelle Deutschschweiz

Medienstelle Deutschschweiz

Livia Leykauf, Leiterin Abteilung Kommunikation; Niels Jost, Mediensprecher; Daria Jenni, Mediensprecherin (v. r. n. l.)

+41 76 233 45 04medien@caritas.ch

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Titelbild: Ferien zu Hause: Viele Familien in der Schweiz können sich Ausflüge nicht leisten. © Dominic Wenger