Con il progetto «Sostegno digitale» le persone interessate vengono aiutate a gestire gli apparecchi digitali.
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Wie Bildung gezielt gegen Armut wirken kann

Schweiz

Bildung spielt in der heutigen Wissensgesellschaft eine entscheidende Rolle im Kampf gegen Armut. Doch gerade Menschen mit geringem Budget bleibt dieser Zugang versperrt. Caritas Schweiz zeigt auf, wie diese Hürden abgebaut werden können.

Adèle Villiger ist Mitglied des Reinigungskollektivs Flexifeen in Basel. Da Adèle Villiger Weiterbildung als sehr wichtig erachtet, absolviert sie zurzeit ein Bachelorstudium. Am Caritas-Forum in Bern gab sie im Januar gegenüber der Tagesschau von Fernsehen SRF über ihre Erfahrungen Auskunft: «Die Ausbildung finanziere ich leider aus meiner eigenen Tasche, obwohl ich bei der Sozialhilfe bin.» Sie muss dafür einen Teil des Geldes opfern, das eigentlich für das Essen reserviert ist.

Bildungschancen sind ungleich verteilt

Nicht nur bei Medien, auch bei den über 200 Teilnehmenden der Tagung stiess die Diskussion darüber, ob Weiterbildung tatsächlich eine Chance zur Überwindung der Armut sei oder doch eher eine Illusion, auf grosses Interesse. Paradoxerweise bleibt Menschen mit finanziellen Schwierigkeiten der Zugang zu Aus- und Weiterbildungen häufig verwehrt, obwohl sie besonders darauf angewiesen wären.«Betroffene können sich die Zeit für Kurse und Lehrgänge nicht nehmen, weil sie dann kein Einkommen erzielen oder die Betreuung der Kinder nicht finanzierbar ist. Dies verfestigt die Prekarität», sagt Aline Masé, Leiterin der Fachstelle Sozialpolitik bei Caritas Schweiz.

Sechs Forderungen für mehr Chancengleichheit bei der Bildung

Damit diesem Missstand entgegengewirkt werden kann, sind gezielte Massnahmen erforderlich. Caritas stellt in ihrem aktuellen Positionspapier «Bildungschancen verbessern, Armutsrisiken verringern» sechs konkrete Forderungen an Politik und Wirtschaft.

Die Ungleichheit der Bildungschancen beginnt bereits vor dem Kindergarten. Kinder, deren Eltern über eine geringere oder weniger anerkannte Bildung verfügen, sind benachteiligt. Mit früherer Einschulung und späterer Einteilung in schulische Leistungsniveaus könnte das Bildungssystem chancengerecht reformiert werden.

«Betroffene können sich die Zeit für die Kurse nicht nehmen, weil sie dann kein Einkommen erzielen.»

Zudem benötigen Erwachsene mit knappem Budget während Aus- und Weiterbildungen existenzsichernde Stipendien, die nicht nur Kurskosten, Lehrmittel und Prüfungsgebühren decken, sondern auch den Erwerbsausfall kompensieren. Wichtig ist auch der Ausbau von Verfahren zur Anerkennung von ausländischen Diplomen oder von langjähriger Berufserfahrung für möglichst viele Berufe.

Weiter braucht es Bildungsangebote, die sich an der Lebensrealität von Erwachsenen in prekären Verhältnissen orientieren. Die Arbeitgeber haben die Aufgabe, das Klima und die Rahmenbedingungen für Aus- und Weiterbildungen zu schaffen. Nicht zuletzt braucht es eine kostengünstige Kinderbetreuung, damit auch Eltern mit tiefen Einkommen und insbesondere Alleinerziehende ihre Bildungspläne realisieren können.

Auch der Sozialalmanach 2025 der Caritas ist dem Thema gewidmet: «Stabil prekär. Mit (Weiter-) Bildung aus der Armut?» Weitere Informationen und Bestellung: www.caritas.ch/sozialalmanach-2025

Weitere Informationen

Titelbild: Mit dem Caritas-Projekt «Digitale Unterstützung» erhalten Personen Hilfe im Umgang mit digitalen Geräten. © Thomas Plain