Nachhaltige Kleinunternehmen im Südsudan fördern

Einkommensquellen diversifizieren und widerstandsfähige Lebensgrundlagen schaffen - Mediendienst 05/2022

Die humanitäre Lage im Südsudan verschlechterte sich im Jahr 2021 alarmierend: Die ohnehin schon vulnerablen Gemeinschaften leiden unter der zunehmenden Gewalt zwischen lokalen Gruppierungen, der Coronavirus-Pandemie sowie den Auswirkungen des Klimawandels. Immer wieder treffen schwere Überschwemmungen und Dürren das Land. Sie zerstören die Felder und damit die Überlebens- und Einnahmequellen der Bevölkerung.

Caritas Schweiz ist im Süden des Südsudans tätig, insbesondere im Bezirk Ikotos. In dieser ländlichen, hügeligen Gegend an der Grenze zu Uganda leben die meisten Familien von der Subsistenz­landwirtschaft. Das heisst: Wenn sie überhaupt ein Einkommen haben, dann aus dem Verkauf der geringen Überschüsse ihrer Getreide- und Gemüseernten von ihren kleinen Familienfeldern. Das Einkommen ist unbeständig und die Ernten schwanken stark aufgrund von klimatischen Veränderungen und Schädlingsbefall. Herausforderungen sind beispielsweise ausbleibende Regenfälle, vereinzelter Starkregen oder Heuschreckenplagen. Die Ernährungssicherheit der Familien ist so nicht gewährleistet. Auch andere Grundbedürfnisse wie regelmässiges Schulgeld für die Kinder oder Zugang zu medizinischer Versorgung können nicht gedeckt werden. Deshalb unterstützt Caritas Schweiz ländliche Bauerngemeinschaften bei der Diversifizierung und Steigerung ihrer Einkommens­möglichkeiten mit dem Ziel, widerstandsfähige Lebensgrundlagen zu fördern.

Diversifizierung der Einkommensquellen von vulnerablen Haushalten

Das Projekt von Caritas Schweiz im Bezirk Ikotos ist ein Mehrkomponentenprojekt, das die Ursachen der Armut bekämpft und die Widerstandsfähigkeit der Bauerngemeinschaften langfristig erhöht. Getreide- und Gemüse-Bäuerinnen und -Bauern werden in ökologisch nachhaltigen und effizienteren Anbaumethoden geschult. Dies, um sicherzustellen, dass sie ihre Familie ernähren können – auch wenn sich die Auswirkungen des Klimawandels verschärfen. Viele der Begünstigten im Projekt sind Mütter mit Kindern, die von Unterernährung bedroht sind.

Darüber hinaus zielt das Projekt darauf ab, die landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten zu verbessern: Mit den stabilisierten und gesteigerten Ernteerträgen werden die Bauernfamilien in Nacherntemanagement und Vermarktungstechniken geschult, um ihre Produkte länger haltbar zu machen und sie auf den lokalen Märkten zu verkaufen. Dazu richtet Caritas Schweiz kleine Business-Zentren ein, in denen die Bäuerinnen und Bauern ihr Getreide zu Mehl mahlen oder ihre Sesamernte zu Paste verarbeiten können. So können sie ihre Produkte länger und gewinnbringender auf den lokalen Märkten verkaufen.

Caritas Schweiz fördert auch die Gründung von lokalen Kleinunternehmen im ländlichen Südsudan. Zu diesem Zweck werden interessierte Personen in Entrepreneurship und Unternehmensführung geschult. Wenn sie eine gewinnversprechende und nachhaltige Geschäftsidee haben, unterstützt Caritas Schweiz die jungen Unternehmen mit Startinvestitionen und Gründungszuschüssen. Die Geschäftsideen sind sehr vielfältig. Sie reichen von Bäckereien über Mechanik- und Reparatur-Werkstätten bis hin zu kleinen Einzelhandelsgeschäften und vielem mehr.

Frauen-Unternehmen, die auf lokale Bedürfnisse und Markt-Nachfrage reagieren

Die drei Mütter, Paska Iyom, Rose Halima und Suzy Loguruny, leben in der Gemeinde Ifune im Bezirk Ikotos. Sie haben an der Unternehmerinnen-Ausbildung von Caritas Schweiz teilgenommen. Nach der Schulung beschlossen die drei Frauen, gemeinsam ein Wäschereigeschäft zu gründen und erarbeiteten mit Unterstützung des kommunalen Business-Beraters einen Geschäftsplan. Die Unternehmensgruppe nennt sich «Dobi Express Services» und bietet erfolgreich Wasch- und Bügeldienste in ihrer Gemeinde an. Der Zuschuss von Caritas Schweiz unterstützt die Geschäftsgruppe beim Kauf des notwendigen Startmaterials, wie Wasch- und Bügelgeräte. 

Alarmierende humanitäre Lage im Südsudan

Eine verheerende Kombination aus Dürre, jahrelangen politischen Unruhen und bewaffneten Kämpfen führte den Südsudan in eine humanitäre und wirtschaftliche Krise. Nach Angaben von UNICEF benötigen heute etwa 9 Millionen Menschen im Südsudan humanitäre Hilfe. Schätzungsweise 7,7 Millionen Menschen, das heisst, über 60 % der Bevölkerung, sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Darunter sind gemäss UNICEF 1,4 Millionen Kinder, die an akuter Unterernährung leiden. Mit ihren Projekten verbessert Caritas Schweiz die Lebensgrundlage in ländlichen Gegenden im Süden des Landes.

Bild: Caritas
 

Country Programme South Sudan

Caritas-Engagement im Themenfeld «Einkommen»