

Trotz Fortschritten sind 645 Millionen Menschen von Hunger betroffen und 2,7 Milliarden Menschen fehlt der Zugang zu gesunder Ernährung
Laut dem neusten Bericht der UNO litten im Jahr 2025 weltweit rund 645 Millionen Menschen an Hunger. Für rund 2,7 Milliarden ist eine gesunde Ernährung weiterhin ausser Reichweite. Trotz Fortschritten wird die Weltgemeinschaft das 2. Ziel der Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung «Überwindung von Hunger» verfehlen.
Der SOFI-Bericht (State of Food Security and Nutrition in the World), der im Juli 2026 erschien, zeigt, dass rund 645 Millionen Menschen Hunger leiden. Das heisst, rund 7,8 Prozent der Weltbevölkerung hat eine unzureichende Nahrungsversorgung, um ein normales, aktives und gesundes Leben zu führen.
Viele Länder in Asien, Lateinamerika und der Karibik zeigten über die letzten Jahre einen Fortschritt in der Bekämpfung von Hunger. Insbesondere auch in vielen Länder und Regionen Afrikas schwächt sich der Aufwärtstrend beim Hunger ab. Auch wenn Prognosen darauf hindeuten, dass die Zahl der hungernden Menschen weltweit weiter sinken wird, werden bis 2030 voraussichtlich rund 56 Prozent von ihnen in Afrika leben.
Ungleichheiten prägen die Ernährungslage weiterhin
Nicht nur globale Ungleichheiten, sondern auch gesellschaftliche Ungleichheiten bleiben bestehen. Die Ernährungsunsicherheit betrifft weiterhin ländliche Gebiete stärker als städtische (Rand-)Gebiete; sie betrifft auch weiterhin Frauen mehr als Männer. Auch die Ernährungsvielfalt bleibt insbesondere für Frauen und Kinder inadäquat. Der Fortschritt bei der Ernährung von Müttern und Kindern hinkt hinterher; beispielsweise steigt die Anämierate bei Frauen weiterhin an.

Bei der Ernährungssicherheit zeichnet sich ein positives Bild ab: In Asien, Lateinamerika und der Karibik wurden die Fortschritte hin zu einem besseren Zugang zu ausreichender, sicherer und nährstoffreicher Nahrung fortgesetzt. Erstmals seit der Verabschiedung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung konnten auch in Afrika Fortschritte bei der Ernährungssicherheit beobachtet werden. Dennoch sind mehr als 2,1 Milliarden Menschen – 25,8 Prozent der Weltbevölkerung – von moderater oder schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen.
Eine gesunde Ernährung bleibt für rund 2,7 Milliarden Menschen ausser Reichweite, auch aufgrund der steigenden Kosten. Die höchsten Kosten für eine gesunde Ernährung werden in Lateinamerika und der Karibik verzeichnet. Betrachtet man jedoch die Erschwinglichkeit, zeigt sich ein anderes Bild: In Afrika stieg der Anteil der Menschen, die sich keine gesunde Ernährung leisten können. Rund 66,6 Prozent der Bevölkerung hat keinen Zugang zu gesunder Ernährung – ein mehr als doppelt so hoher Bevölkerungsanteil als in Asien, Lateinamerika und der Karibik.
Agrar- und Ernährungssysteme widerstandsfähiger gestalten
Zunehmende Folgen des Klimawandels, Klimaextreme wie El Niño sowie die hohe Anfälligkeit für geopolitische Energiekrisen setzen die Agrar- und Ernährungssysteme unter erheblichen Druck, insbesondere in Afrika. Der Konflikt im Mittleren Osten (2026) dürfte die Herausforderungen in Afrika und Asien zusätzlich verschärfen, da steigende Energiepreise auch die Kosten für Lebensmittel erhöhen.
Aufgrund solcher Abhängigkeiten in globalen und regionalen Wertschöpfungsketten, die dem Zugang zu ausreichender, sicherer und nährstoffreicher Nahrung zugrunde liegen, empfiehlt der SOFI-Bericht multi-sektorielle und kontextspezifische Massnahmen. Die grösste Wirkung entfalten Massnahmen, die gezielte Investitionen in Agrar- und Ernährungssysteme mit strukturellen Reformen verbinden. Dazu zählen Investitionen in Forschung und Entwicklung, Bewässerung, Infrastruktur, Kühlketten und die Reduktion von Lebensmittelverlusten sowie Reformen der Subventionspolitik, Handelserleichterungen und rechtlichen Rahmenbedingungen.
Mit dem Ansatz der Marktsystementwicklung (Market Systems Development, MSD) stärkt Caritas nicht primär einzelne Bauern und Bäuerinnen oder Haushalte, sondern ganze Markt- und Ernährungssysteme. Gemeinsam mit privaten Unternehmen im Bereich der Finanzdienstleistung oder landwirtschaftlichen Beratung, Genossenschaften, Behörden und weiteren Akteuren werden strukturelle Hindernisse identifiziert. Ziel ist es, die Funktionsweise von Märkten so zu verbessern, dass armutsbetroffene Menschen in Märkte eingebunden werden, regionale Wertschöpfungsketten längerfristig besser für sie funktionieren und die Versorgung mit erschwinglichen und nährstoffreichen Lebensmitteln gestärkt wird.
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Titelbild: Hallabia vor dem Eingang des Getreidespeichers. © Reto Albertalli