

«Ich will Koch werden und die Welt bereisen»
Pablo wuchs bei seinem Vater auf und musste viel Leid ertragen. Erst mit 16 konnte er sich aus dessen Gewalt befreien. Im Haus Minka wird er heute psychologisch begleitet und gefördert. Schritt für Schritt findet er zurück ins Leben – und zu seiner Mutter.
Wenn Pablo lächelt, wirkt er fast ein wenig schüchtern. Doch der 18-Jährige weiss, was er will: «Ich möchte meine Mutter stolz machen. Ich will mit ihr die Welt entdecken und ihr hier in Bolivien ein schönes Haus kaufen.» Grosse Pläne, die lange Zeit unerreichbar schienen.
«Pablo ist sehr verantwortungsbewusst. Bald ist er bereit für ein eigenständiges Leben.»Psychologin Diana
Pablo hat eine schwere Kindheit hinter sich. Als kleiner Junge blieb er bei seinem Vater zurück – seine Mutter Matilda war krank und hatte wenig Geld. Sie ging schlicht davon aus, dass es ihrem Sohn beim Vater besser geht. In Wirklichkeit misshandelte ihn dieser aber jahrelang. Der Jugendliche unternahm mehrere Versuche, um zu entkommen. Eine Ladenbesitzerin im Dorf half ihm schliesslich bei der Flucht.
In der Backstube tüftelt Pablo an seiner Zukunft
Heute, zwei Jahre später, lebt Pablo bei seiner Mutter in El Alto und besucht nach dem Schul-Unterricht täglich das Haus Minka. Im Zentrum der lokalen Caritas-Partnerorganisation Enda erhält er Pflege für seine psychischen und körperlichen Narben, Schulmaterial und Lebensmittelpakete. Auch beruflich tut sich etwas.
Wissbegierig nimmt Pablo an den Kursen in der Bäckerei des Zentrums teil. Zwischen Knetmaschine und Backofen fühlt er sich wohl. Konzentriert schlägt er Ei um Ei in die Schüssel, schiebt einen Kuchen in den Ofen und schmunzelt zufrieden vor sich hin.
«Pablo ist sehr verantwortungsbewusst», sagt Psychologin Diana, die ihn seit zwei Jahren begleitet. «Bald ist er bereit für ein eigenständiges Leben.» In Kürze schliesst Pablo die Schule ab. Dann wird er mit Bewerbungs- und Job-Coachings weiter unterstützt.
Für ihn steht fest: Er will als Koch durchstarten. Und dann auf Weltreise gehen – gemeinsam mit seiner Mutter Matilda. «Seit wir wiedervereint sind, verbringen wir viel Zeit zusammen», schwärmt Pablo. «Meine Mutter ist krank, aber ich hoffe, sie wird für immer leben.»

Häusliche Gewalt und sexueller Missbrauch sind in Bolivien verbreitet. Für die betroffenen Familien ist es oft schwierig, sich aus eigener Kraft aus diesen schwierigen Verhältnissen zu lösen. Im Haus Minka unserer lokalen Partnerorganisation Enda finden Kinder und Jugendliche aus solchen Familien psychologische Unterstützung und Begleitung. Enda unterstützt die Jugendlichen zudem
finanziell und mit Kursen auf dem Weg in die Selbstständigkeit.
- Mit 80 Franken unterstützen Sie die psychologische Betreuung von zehn Kindern.
- 180 Franken ermöglichen eine spezialisierte Therapie für zwölf Jugendliche, die aus Menschenhandel
befreit wurden. - Mit 290 Franken ermöglichen Sie zwei Kindern und Jugendlichen, die unter sexueller Gewalt leiden, ein Jahr lang eine fachärztliche Versorgung
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Titelbild: Pablo und seine Mutter Matilda sind endlich wiedervereint und verbringen viel Zeit zusammen. © Pablo Quiroga/Yamil Antonio