Collecter l'eau de pluie en Amazonie
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Der Amazonas trocknet aus

Wie Caritas Schweiz indigene und traditionelle Gemeinschaften unterstützt

Die Wasserstände der Flüsse im brasilianischen Amazonas sinken und setzen indigene sowie traditionelle Gemeinschaften unter Druck. Ein Caritas-Projekt verbesserte für mehr als 40'000 Menschen den Zugang zu sauberem Wasser – doch die strukturellen Herausforderungen bleiben enorm.

Für die Bevölkerung im Amazonas ist der Fluss weit mehr als ein Gewässer: Er sichert die Trinkwasserversorgung, liefert Nahrung und ist die wichtigste Verkehrsverbindung. Viele Dörfer liegen mehrere Tage, teils Wochen, per Boot von der nächsten Stadt entfernt. Sinken die Wasserpegel der Flüsse, hat dies schwerwiegende Konsequenzen für die betroffenen Gemeinden.

«Die historische Dürre im Oktober 2023 war gravierend. Zahlreiche Flussgemeinden waren plötzlich isoliert, Fische und Delfine starben massenhaft, und viele Familien verloren über Nacht den Zugang zu sauberem Wasser», sagt Sérgio Costa Floro, ehemaliger Länderdirektor von Caritas Schweiz in Brasilien. «So etwas haben wir noch nie erlebt.»

Eine Region im Ausnahmezustand

Vor dem operativen Start des Projekts von Caritas Schweiz zeichneten Lageanalysen ein alarmierendes Bild: Defekte oder unzureichende Wassersysteme zwangen Familien, verschmutztes Flusswasser zu nutzen. Durchfallerkrankungen – insbesondre bei Kindern – nahmen stark zu. Gesundheitseinrichtungen waren überlastet und zahlreiche Dörfer wochenlang nur schwer erreichbar. Costa Floro sagt:

«Wenn Flüsse austrocknen, verlieren die Menschen nicht nur Wasser – sie verlieren ihre Lebensader und die Verbindung zur Aussenwelt.»Sérgio Costa Floroehem. Länderdirektor Brasilien

Der Klimawandel verschärft diese Dynamik. Trockenzeiten werden länger und extremer, traditionelle Lebensweisen geraten zunehmend unter Druck. Besonders bitter sei die Situation für indigene und traditionelle Gemeinschaften, betont Costa Floro: «Diejenigen, die den Wald am besten schützen und am meisten von ihm abhängig sind, leiden am stärksten unter seiner Zerstörung.»

40'000 Menschen haben heute wieder Zugang zu sauberem Wasser

In den vergangenen drei Jahren setze Caritas Schweiz gemeinsam mit UNICEF Brasilien und Serviço Pastoral dos Migrantes (SPM) ein Wasser- und Gesundheitsprojekt in schwer zugänglichen Flussregionen im südlichen Amazonasgebiet um. In Dutzenden von Gemeinden wurden Wassersysteme repariert, erweitert oder neu aufgebaut. Vielerorts kommt nun erstmals Regenwassernutzung zum Einsatz – eine einfache, kosteneffiziente und klimaresiliente Lösung.

Fluss als Lebensader
© Sabrina Mäder
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Grosse Tinkwasser-Tanks im Amazonas
© Sabrina Mäder
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Wassertank gegen Trockenheit
© Sabrina Mäder
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Trinkwasser aus Wassertank
© Sabrina Mäder
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Fluss als Lebensader
© Sabrina Mäder
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Grosse Tinkwasser-Tanks im Amazonas
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Wassertank gegen Trockenheit
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Trinkwasser aus Wassertank
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Fluss als Lebensader
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Grosse Tinkwasser-Tanks im Amazonas
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Wassertank gegen Trockenheit
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Trinkwasser aus Wassertank
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Parallel dazu stärkte das Projekt lokale Strukturen: Gemeindearbeiterinnen und -arbeiter lernten, die Anlagen eigenständig zu betreiben und zu warten. Gesundheitsfachkräfte wurden geschult, Krankheiten frühzeitig zu erkennen und Kinder besser davor zu schützen. Mehr als 40'000 Menschen verfügen heute wieder über verlässlichen Zugang zu sauberem Wasser. Tausende Familien wurden zudem mit Hygiene- und Menstruationshygienesets unterstützt.

Ein Besuch in der indigenen Gemeinschaft Nova Extrema blieb Costa Floro besonders in Erinnerung: «Der damalige Anführer Francisco Martins erklärte mir voller Stolz das neue Regenwassersystem. Für die Gemeinschaft bedeutet es Sicherheit und Würde.» Solche Momente zeigen, wie wirksam angepasste, lokal verankerte und kosteneffiziente Lösungen sein können. Das Projekt wird von der DEZA und der EU unterstützt.

Dürren drohen zur Normalität zu werden

Trotz dieser Fortschritte bleibt die Lage angespannt. Extreme Dürreereignisse wie 2023 könnten zur Normalität werden. Auch in den Folgejahren blieb eine nachhaltige Entspannung im Amazonas aus. Caritas Schweiz plant deshalb gemeinsam mit ihren Partnerorganisationen ein Folgeprojekt, das den Zugang zu Wasser weiter verbessert und lokale Strukturen stärkt.

Langfristig braucht es jedoch deutlich mehr: staatliche Investitionen in klimaresiliente Wasserinfrastruktur, verbessertes Wassermanagement und eine verlässliche Katastrophenvorsorge. «Wenn der Amazonas austrocknet», sagt Costa Floro, «geht es nicht nur um die Umwelt – es geht um Menschenleben.»

Geschrieben von Daria Jenni, Mediensprecherin Caritas Schweiz

Gerne vermitteln wir Interviews und beantworten Medienanfragen: medien@caritas.ch

Weitere Informationen

Titelbild: Regenwasser sammeln, um die längeren Trockenphasen zu überbrücken: Dies ist ein Ziel des Caritas-Projekts im Amazonas. © Sabrina Mäder