

«Aufgeben ist für uns keine Option»
Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) lädt diese Woche zu ihrem jährlichen Forum in Genf. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht Frage, wie humanitäre Aktionen angesichts von stark sinkenden finanziellen Mitteln und gleichzeitig zunehmender Krisen durchgeführt werden können. Wir haben bei unseren Mitarbeitenden nachgefragt, wie sie die Zukunft der Humanitären Hilfe sehen.
Was bedeutet es heute, sich humanitär zu engagieren – in einer Welt, in der sich Krisen häufen, Konflikte verschärfen, in der Finanzmittel knapper werden und Mitarbeitende vor Ort massiven Risiken ausgesetzt sind? Wie können internationale Organisationen wie Caritas Schweiz heute humanitäre Unterstützung leisten, wenn der Bedarf ständig zunimmt, unsere Ressourcen jedoch nicht? Diese Fragen wirft die DEZA mit ihrem Forum Ende Februar in Genf auf. Auch Mitarbeitende von Caritas Schweiz werden am Treffen teilnehmen, um mit Vertreterinnen und Vertretern des Bundes und von anderen Organisationen in Austausch zu treten und ihre Expertise einzubringen.
Wir haben bei drei Mitarbeitenden, die stark in die humanitären Aktivitäten von Caritas Schweiz eingebunden sind, nachgefragt: Welche aktuellen Herausforderungen prägen eure Arbeit? Wie seht ihr die Zukunft für die Humanitäre Hilfe?

«Heute in der Humanitären Hilfe tätig zu sein, bedeutet, Verantwortung zu tragen – im Bewusstsein, dass wir nicht jedes Bedürfnis erfüllen können, und dennoch mit Engagement, Ehrlichkeit und dem Mut präsent zu bleiben.»Wael DarwishDirektor Programm Mittlerer Osten von Caritas Schweiz
«Humanitäre Hilfe heisst in diesem Moment, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: an der Seite von Gemeinschaften in Krisen zu stehen und lokale Partner zu stärken. In einer Welt, in der sich Krisen vervielfachen und Ressourcen zurückgehen, bedeutet humanitäres Handeln nicht, alles zu tun, sondern prinzipientreu zu bleiben, menschlich zu bleiben und mit Mitgefühl zu handeln – auch dann, wenn der Weg nach vorn ungewiss ist. Die Internationale Zusammenarbeit steht unter Druck und die Herausforderungen sind immens – aber Aufgeben ist für uns keine Option.»

«Humanitäre Aktionen bedeuten heute weit mehr als das Leisten von Nothilfe: Es heisst, Menschen eine Stimme zu geben, die in politischen Entscheidungen nicht gehört werden.»Sarah BussLeiterin der Katastrophenhilfe von Caritas Schweiz
«Es bedeutet, lokale Partner so zu unterstützen, dass sie selbstbestimmt handeln können. Und es bedeutet, konsequent auf menschlicher Würde zu bestehen, ehrlich über Grenzen zu sprechen und nachhaltige Lösungen zu suchen. Trotz politischer und finanzieller Einschränkungen muss humanitäre Hilfe stattfinden, weil sie auf einer grundlegenden ethischen Verantwortung beruht. Wenn Leben und Würde auf dem Spiel stehen, darf Hilfe nicht verhandelbar sein, genau dann ist sie ein Ausdruck unserer gemeinsamen Menschlichkeit und Pflicht zur Solidarität. Darauf kontinuierlich hinzuweisen ist ein wichtiger Teil der humanitären Arbeit, denn nur so bleiben wir Teil der Lösung – mit Disziplin und dem Mut, auch unter schwierigen Bedingungen richtig zu handeln.»

«In einer Welt, in der Konflikte komplexer werden, multilaterale Zusammenarbeit unter Druck steht und innenpolitische Interessen oft über globale Verantwortung gestellt werden, ist die Humanitäre Hilfe mehr als eine operative Aufgabe.»Mark Kessleroperativer Leiter der IZA von Caritas Schweiz
«Humanitäre Hilfe zu leisten bedeutet, für prinzipientreues Vorgehen einzustehen, wenn das humanitäre Völkerrecht missachtet wird. Es bedeutet, multilaterale Kooperation zu verteidigen, selbst wenn sie nicht über alle Zweifel erhaben ist. Und es bedeutet, sich der Instrumentalisierung von Humanitärer Hilfe für kurzfristige politische Zwecke klar zu widersetzen. Sich im derzeitigen Umfeld humanitär zu engagieren ist nicht nur eine operative, sondern auch eine normative Aufgabe.»
Titelbild: Syrien 2025 © Hasan Belal