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Viele verdanken dem «Wasser-Arzt» ihr Leben
Trinkwasser für die Menschen in Bangladesch
 

Eine Reportage von Stefanie Egli (Text) und Parag Biswas (Bilder)

 

Flaches Tiefland, durchzogen von vielen Flüssen und deren Nebenarmen, macht den grössten Teil von Bangladesch aus. Die Stadt Mongla liegt im Süden und grenzt an die «Sundarbans», die grössten Mangrovenwälder der Erde. Das Gebiet wird stark von Zyklonen sowie Ebbe und Flut beeinflusst. Blaues Gold wäre im Überfluss vorhanden, es kommt jedoch aufgrund seines hohen Salzgehaltes nicht als Trinkwasser in Frage. Caritas Schweiz hat in Zusammenarbeit mit Partnern und mit Unterstützung der Clean Water Foundation des Georg Fischer Konzerns ein Produkt entwickelt, mit der die Bevölkerung von Mongla einfach und kostengünstig nicht salzhaltiges Regen- und Teichwasser zu Trinkwasser aufwerten kann.

 

Viele der ärmeren Haushalte in Mongla besitzen bloss eine kleine Hütte auf einer Art Mini-Insel. So zum Beispiel die Familie von Puspo Das, welche in einer notdürftigen Behausung aus Blättern und Bambus lebt. Sie setzt sich aus Puspo, ihrem Ehemann, einer Tochter sowie einem Sohn und dessen Ehefrau zusammen. Der Familienvater arbeitet als Schuster. Nur mit Mühe und Not schafft es die Familie, finanziell über die Runden zu kommen.

 
 

Der fehlende Zugang zu sauberem Trinkwasser stellte lange Zeit eine weitere existenzielle Bedrohung dar. Dies hat sich nun zum Glück geändert: Puspo zählt zu den Abnehmerinnen des Produkts «Joler Doctor» (übersetzt «Wasser-Arzt»), das im Rahmen eines Projekts von Caritas Schweiz und Caritas Bangladesh unter Einbezug der lokalen Bevölkerung hergestellt wird. Ermöglicht wird das Projekt durch die Partnerschaft mit der Clean Water Foundation des Georg Fischer Konzerns Schaffhausen. Ein Tropfen des flüssigen Chlors reicht aus, um die Bakterien in einem ganzen Liter Wasser abzutöten. Dieses muss die Familie jeweils aus einem Teich holen. Denn ein Wellblechdach und einen Plastiktank – Hilfsmittel, die für das Auffangen und die Aufbewahrung von Regenwasser vorhanden sein müssen – kann sie sich nicht leisten. Dank Joler Doctor treten Krankheiten wie Durchfall, Ruhr oder Cholera nur noch selten auf. Damit ist auch der Betrag gesunken, den Puspos Familie für teure Medikamente ausgeben muss.  

 
 

Vom Wasser-Arzt profitieren auch Smrity Halder und seine Angehörigen, die in einem Haus aus Wellblech, Holz und Lehm wohnen und deshalb zu den eher wohlhabenderen Familien zählen. Alle drei Kinder der Familie studieren an einer Hochschule oder an der Universität. Die Ausbildungskosten sind extrem hoch, deshalb haben die Eltern mit finanziellen Problem zu kämpfen. Dank dem Zugang zu sauberem Trinkwasser und anderen Hygienemassnahmen müssen sie weniger Geld für Medikamente ausgeben, was sich positiv auf ihr Budget auswirkt. 

 
 

Auch die monatlich durchgeführten, sogenannten «WASH-Sessions», sind fester Bestandteil des Projekts, wobei «WASH» für «Water», «Sanitation» und «Hygiene» steht. Normalerweise nehmen an diesen Treffen etwa 20 bis 25 Leute teil. Eine dieser Teilnehmerinnen ist Gita Sarker. Sie hat bereits vieles über Hygiene-Themen wie «Händewaschen», «Aufbewahrung und Reinigung von Regenwasser», «wasserbezogene Krankheiten», und «Pflege vor und nach der Geburt» gelernt. Das Wissen, das sie sich bei den Zusammenkünften aneignet, gibt sie jeweils an ihre Familie und an die Nachbarn weiter. Dies hatte den positiven Effekt, dass sich auch die Gesundheit ihres Umfelds stark verbessert hat. «Mein Ehemann ist von der Ruhr genesen», sagt Gita Sarker dankbar. Und Laboni, eine andere Teilnehmerin, hält erfreut fest, dass die Mitglieder ihrer Familie seit der Anwendung von Joler Doctor keine Probleme mit Hautkrankheiten mehr hätten. 

 
 

Jede zweite Person leidet an Durchfall

Da in Mongla kein Grundwasser vorhanden ist, wird bakteriell verseuchtes Oberflächenwasser genutzt weshalb viele Menschen unter potenziell tödlichen Krankheiten leiden. Durchfallerkrankungen beispielsweise können zu Dehydrierung führen und zählen in Entwicklungsländern zu den Haupttodesursachen, vor allem bei Kindern. In einer Umfrage von Caritas Schweiz und Caritas Bangladesch gaben 49 Prozent aller befragten Familien an, dass mindestens eines ihrer Mitglieder in den zwei Wochen vor der Erhebung an Durchfall gelitten habe. Mit dem Projekt der Caritas Schweiz soll dem alarmierenden Missstand entgegengewirkt und eine kostengünstige und nachhaltige Trinkwasserversorgung erzielt werden. Die dabei angewandte Chlorierungs-Technologie der Schweizer Stiftung Antenna nennt sich «WATA». Das flüssige Chlor stellt eine einfache Möglichkeit dar, verunreinigtes Wasser in Trinkwasser zu verwandeln. Junge Menschen aus Mongla werden in den Prozess der Herstellung und den Verkauf des Produkts Joler Doctor einbezogen. Die Bewohner und Bewohnerinnen der Stadt können den Artikel erwerben und werden in Bezug auf dessen Anwendung sowie bessere Hygiene geschult. Alleine im Juli 2017 konnten insgesamt 3651 Haushalte von Joler Doctor profitieren. In Zukunft sollen die Erkenntnisse und erfolgreichen Praktiken aus dem Projekt auch anderen Regionen des Landes zugutekommen. 

 
 
 
 

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