Syrische Kinder können wieder besser lernen
 

Jarba in Ost-Ghouta, östlich von Damaskus. «Überraschend viele Kinder haben die neunte Klasse bestanden», erzählt die Sozialkunde-Lehrerin Solafa Hammoud. Ein Indiz, dass Kinder wie die 12-jährige Djamila in dieser vom Krieg so schwer betroffenen Region langsam wieder lernen können. Das Caritas-Projekt, das ihr dabei hilft, schreitet gut voran.

 

Ein Gebäude, von Einschusslöchern gezeichnet. Statt Fenstern und Türen gähnten grosse Öffnungen in seinen Mauern: Der Krieg hatte die Mädchenschule in Jarba schwer beschädigt. Die Kinder waren der Witterung ungeschützt ausgesetzt. Im Winter konnten sie «vor Kälte manchmal kaum denken», wie sich eine Schülerin ausdrückte.

Diese Zeit ist nun vorbei. Mit ihrer Partnerorganisation Caritas Syrien hat Caritas Schweiz der Gemeinde geholfen, die Schule wieder instand zu stellen. So können die Kinder an einem sicheren, warmen Ort lernen. In einer zweiten Schule in Jarba sind die Renovierungsarbeiten noch im Gang.

 

Seit dem Ende der Kampfhandlungen 2018 hält in Jarba, in der Region Ost-Ghouta, langsam wieder etwas Normalität Einzug. Doch der Alltag ist hart: Vertriebene Familien kehren zurück - und stehen vor dem Nichts. Zwischen Ruinen und in bitterer Armut müssen sie überleben.

Auch das Schulsystem liegt in Trümmern. Beschädigte Schulen, fehlende Lehrpersonen, traumatisierte Kinder und die grosse Armut erschweren einen regulären Schulalltag und gutes Lernen. So droht eine ganze Generation Kinder ohne Schulabschluss zu bleiben. Mit dem Projekt iHope trägt Caritas Schweiz dazu bei, dass in Jarba Barrieren für den Schulbesuch abgebaut werden. 

 
 
 
 

Spielerisch Lernschwierigkeiten überwinden

Der Mangel an qualifizierten Fachpersonen gehört zu den grössten Hürden. «Die lokalen Lehrpersonen haben Mühe, Inhalte zu erklären oder die Kinder für den Unterricht zu begeistern», erzählt der Mathematiklehrer Ibrahim Al-Gharib. «Das ist verständlich, denn die Kinder haben grosse Wissenslücken und viel Aufholbedarf im Lehrplan.» Für die besonderen Bedürfnisse der traumatisierten Kinder sind die lokalen Lehrerinnen und Lehrer nicht gewappnet.

Deshalb bietet Caritas Syrien jeweils nachmittags Lernförderprogramme für die Kinder an. Kindgerecht versuchen die pädagogischen Fachpersonen von Caritas Syrien, die Schülerinnen und Schüler beim Verarbeiten ihrer traumatischen Erlebnisse zu unterstützen und sie entsprechend ihrer Bedürfnisse zu fördern. Zudem schulen sie die lokalen Lehrpersonen, sodass diese selbst Förderunterricht erteilen können.

 
 

Die Sozialkunde-Lehrerin Solafa Hammoud beobachtet eine Veränderung bei den Kindern. «Wir waren positiv überrascht dieses Jahr, wie viele Schülerinnen und Schüler die neunte Klasse bestanden haben», sagt sie. «Und die meisten hatten gute Noten. Das hatten wir nicht erwartet.» Sie beobachtet auch, dass die Kinder nun lieber zur Schule gehen. «Die neuen Lehrmethoden, die über das Caritas-Projekt eingeführt wurden, laden die Kinder spielerisch zum Lernen ein. Die Aktivitäten geben ihnen das Gefühl, dass es nicht nur um das Lernen geht, sondern auch darum, dass sie glücklich sind und es ihnen gut geht.»


«Ich verstehe den Schulstoff jetzt besser.»

Die 12-jährige Djamila Ibrahim* erzählt begeistert von den pädagogischen Mitarbeitenden von Caritas Syrien: «Ich mag sie sehr. Und ich kann ihnen gut folgen. Wir lernen viel. Sie spielen auch mit uns. Sie haben uns zum Beispiel gezeigt, wie man Grusskarten bastelt. Oder wie man eine Rose pflanzt und gut pflegt.»

 

Auch Djamila hat Traumatisches erlebt. Als seien Vertreibung und immense Entbehrung nicht schon genug, verlor sie mitten im Krieg auch noch ihre Mutter durch Brustkrebs. Das Haus der Familie in Jarba wurde zerstört. Nach ihrer Rückkehr blieb ihnen nichts anderes übrig, als eine Zeit lang in einem Zelt zu leben, wo sie Wetter und Kälte ausgeliefert waren - bis Djamilas Vater auf den Obstplantagen Jarbas genug Geld erwirtschaftet hatte, um eine einfache Unterkunft mit zwei Räumen zu bauen.

Zusammen mit ihrem Vater kümmert sich Djamila um die Schafe und Kühe anderer Dorfbewohnerinnen und -bewohner. Sie mag die Arbeit mit den Tieren sehr: «Es ist schön, Jungtiere aufzuziehen, sie für den Auslauf und zum Fressen auf die Wiesen zu bringen und zum Melken zurückzuholen.» Manchmal denkt Djamila an die Zeit zurück, als ihre Mutter noch am Leben war. «Und als wir hier Obstbäume mit allen erdenklichen Aprikosensorten hatten. Als man noch essen konnte, was immer man mochte.» Heute ist die Armut ihre tägliche Begleiterin.

Umso wichtiger ist für Djamila die Schule. Sie gibt ihr nicht nur eine Zukunftsperspektive, sondern auch ein Stück Normalität und Sicherheit.

 

Begleitende Bargeldhilfe

Die Caritas bekämpft auch die wirtschaftlichen Ursachen des Schulabbruchs. Die syrische Währung hat 2021 noch einmal massiv an Wert verloren, über die Hälfte der Menschen sind arbeitslos. Die Armut trägt dazu bei, dass Kinder die Schule unter- oder gar ganz abbrechen müssen. «Die Familien in Jarba leiden sehr unter den schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen», schätzt der Schuldirektor Youssef Omar (im Bild) die Situation ein. «Viele schicken ihre Kinder nicht zur Schule, weil sie sich Schulbücher oder Schreibzeug nicht leisten können.» Kinderarbeit und Frühheirat aus wirtschaftlicher Not bringen zudem grosse Risiken mit sich.

Besonders bedürftige Familien unterstützt die Caritas deshalb mit monatlichen Bargeldzahlungen während maximal 10 Monaten. «Die meisten Familien geben das Geld dann auch aus, um ihre Grundbedürfnisse wie Essen oder Kleider für die Kinder zu decken. Und für Bildungsmaterial, damit die Kinder zur Schule gehen können», sagt Omar.

 

Fotos: Caritas Syrien und Hasan Belal

*Name geändert zum Schutz 

 

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